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2012: Don Bosco kennenlernen

 

Don Boscos berühmter Ausspruch „Fröhlich sein, Gutes tun und die Spatzen pfeifen lassen“ bedeutet für mich…

 

von Heribert Späth, Beirat der Don Bosco Stiftung:

 

„Ich erinnere mich, dass nach bestandenem Abitur einer unserer Lehrer den Satz von Nietzsche: „Fallen ist keine Schande, aber liegen bleiben.“ zitierte und uns dringend empfohlen hat nach sicherlich eintretenden Enttäuschungen und Niederlagen nicht zu resignieren. - In meinen fast 75 Lebensjahren habe ich in meiner Schulzeit, in meinem Studium, in meinem Beruf, sowie in meiner ehrenamtlichen Tätigkeit in Handwerksorganisationen und in der Politik Höhen und Tiefen erlebt. Ich hatte stets das Glück, dass ich bei Niederlagen immer auf die Füße gefallen bin und wieder aufstehen konnte. – Dies vorweg.

Auch hatte ich das Glück, nachdem wir in München ausgebombt waren, dass ich in der Volksschule in Großweil bei Kochel bei einem Pater aus Benediktbeuern Religionsunterricht hatte. Seit dieser Zeit besteht mein Kontakt zu den Salesianern Don Boscos. – Ich kann mich nicht erinnern, ob ich Don Boscos berühmten Ausspruch „Fröhlich sein, Gutes tun und die Spatzen pfeifen lassen“ erstmals in Benediktbeuern gehört habe oder ob ich ihn gelesen habe. Das liegt wohl daran, dass ich diesen Satz zunächst nur für schöne Worte gehalten habe, aber nicht für eine Anleitung zur Führung eines glücklichen Lebens. Wenn man Don Boscos Rat befolgt, ist der Blick nach vorne gerichtet und nicht rückwärtsgewandt. So steht man nach Niederlagen, die man nicht mehr ungeschehen machen kann, nicht nur wieder auf, sondern man hakt sie ab. Dasselbe gilt für nicht mehr zu ändernde Ungerechtigkeiten, die einem widerfahren sind. Das macht fröhlich, motiviert und schafft Freiraum um Gutes zu tun. Und wenn es einem dann noch gelingt die Spatzen pfeifen zu lassen, dann ist man meines Erachtens ein wirklich freier Mensch. Deshalb versuche ich Don Boscos Weisheit zu leben.“

 

Don Boscos „Club der Fröhlichen“ zum Nachlesen:

 

„Während der ersten vier Klassen“, schrieb Don Bosco später, „habe ich aus eigener Erfahrung lernen müssen, wie man seine Kameraden behandelt. [...] Einer war so unverschämt, dass er mich aufforderte, meiner Hausherrin einen Wertgegenstand zu stehlen.“

Anfangs mied Giovanni solche Mitschüler, weil er nicht wollte, dass es ihm erginge wie der Maus in den Pfoten der Katze. Bald aber versetzten ihn seine schulischen Leistungen in die Lage, andere Beziehungen aufzubauen, denn er genoss hohes Ansehen. Warum sollte er das nicht nützen, um seinen Schulkameraden Gutes zu tun?

„Die Kameraden, die mich zu unrechtem Tun anstiften wollten, waren die, die das Lernen am meisten vernachlässigten. Nun begannen sie, sich an mich zu wenden, damit ich ihnen bei ihren Aufgaben helfe. Ich half ihnen, übertrieb es dabei sogar und reichte ihnen unter der Bank vollständige Übersetzungen durch. [...] Damit gewann ich das Wohlwollen und die Zuneigung meiner Kameraden. Sie fingen an, mich in der Freizeit aufzusuchen, damit ich ihnen bei den Hausaufgaben helfe, später, um zu hören, was ich gerade erzählte, und zuletzt auch ohne Grund.“

Da die Klassenkameraden diese Gemeinschaft als etwas Schönes erlebten, bildeten sie schließlich eine Art Verein, den Giovanni den „Klub der Fröhlichen“ taufte. Er gab ihm sogar eine einfache Regel, und zwar:

1. Keine Tat, kein Gespräch, dessen sich ein Christ schämen muss

2. Erfüllung der schulischen und religiösen Pflichten

3. Fröhlich sein

Diese Fröhlichkeit sollte später einmal zu einer geradezu fixen Idee Don Boscos werden.
Domenico Savio, sein späterer Lieblingsschüler in Turin-Valdocco, sollte dazu sogar bemerken: „Die Heiligkeit besteht bei uns im echten Fröhlichsein. Wir versuchen, die Sünde zu meiden, die dem Herzen die Freude raubt. Für Don Bosco ist die Freude eine tiefe Ergriffenheit, die aus dem Wissen hervorgeht, dass wir in den Händen Gottes sind, also in wirklich guten Händen. Fröhlichkeit ist zwar ein armseliges Wort, mit dem man aber einen hohen Wert bezeichnen kann: die christliche Hoffnung.“ [...]

(aus: Bosco, Teresio: Don Bosco – Priester und Erzieher, Don Bosco Verlag, München 2010, S.65)