2013: Wie Don Bosco junge Menschen begleiten
Täglich "Amorevolezza"
von P. Franz Schmid
Das Präventivsystem in der Erziehung der Jugend
Zu allen Zeiten wurden in der Erziehung der Jugend zwei Systeme angewandt: das präventive und das repressive. Das Repressivsystem besteht darin, dass man das Gesetz den Untergebenen bekannt macht und dann seine Befolgung überwacht, um die Übertreter festzustellen und ihnen die verdiente Strafe zu erteilen. (…) Verschieden und entgegengesetzt ist das Präventivsystem.
Es besteht [auch] darin, dass man die Regeln eines Instituts bekannt macht, dann die Jugendlichen aber derart begleitet, dass das achtsame Auge des Direktors oder der Assistenten immer auf ihnen ruht. Wie gütige Väter sollen sie zu ihnen sprechen, bei jedem Anlass gute Ratschläge erteilen und sie liebevoll zurechtweisen. (…) Dieses System stützt sich ganz auf Vernunft, Religion und Liebenswürdigkeit. Deshalb schließt es jede gewaltsame Züchtigung aus und sucht auch leichtere Strafen fernzuhalten.
Don Bosco: „Das Präventivsystem in der Erziehung der Jugend“, 1877.
Diese „Stützen“ der Erziehung Don Boscos hatten für ihn eine zentrale Bedeutung und besitzen auch heute eine hohe Aktualität. Ohne Vernunft und Religion auf „hintere Plätze“ zu verweisen sei hier der Liebenswürdigkeit die Aufmerksamkeit geschenkt, die in der Muttersprache Don Boscos „amorevolezza“ heißt. Dieses Wort bedeutet soviel wie Wohlwollen, Freundlichkeit, Herzlichkeit, eben Liebenswürdigkeit. Es meint eine besondere Qualität, die ein Erwachsener, dem ein Kind zur Erziehung anvertraut ist, diesem auf Dauer entgegenbringt. Ohne solche „amorevolezza“ sieht Don Bosco keine Möglichkeit erfolgreicher Erziehungsarbeit.
Zunächst kann man bemerken, dass es Erwachsenen in der Regel leicht fällt, kleinen Kindern liebevoll gegenüber zu treten, freundlich und rücksichtsvoll, behutsam und aufmerksam mit ihnen umzugehen, sie zu beschützen und zu fördern. Solche bedingungslose Zuwendung hilft dem Kind, Sicherheit und Geborgenheit zu erleben und ein „Urvertrauen“ zu entwickeln. Es gibt im Erwachsenen eine natürliche Neigung, kleine Kinder zu umsorgen – und zu lieben. Selbst wenn sich das Kleinkind anders verhält als Erwachsene es gerne haben, sind sie dem Kind nicht böse. Wenn das Kind heranwächst, einen eigenen Willen entwickelt und diesen durchsetzen will, wenn die Pubertät gelebt wird, geschieht es, dass Erwachsene die Geduld verlieren, das Wohlwollen zurücknehmen und die Zuneigung Brüche erleidet. Selbst wenn ein Pflichtgefühl der Achtung erhalten bleibt, passiert es, dass im Alltag die „amorevolezza“ abnimmt und schließlich gar nicht mehr wahrgenommen wird. Dann wäre nach Don Bosco die wichtigste „Stütze“ verloren und das Präventivsystem verlassen.
Es können für Erzieher „schwere Zeiten“ anbrechen, wenn Jugendliche „zum Sturm auf das Leben ansetzen“ und mit Vernunft nicht mehr erreicht werden können, wenn das Vertrauen enttäuscht, Gespräche verweigert, Sorge belächelt, Zuwendung als Aufdringlichkeit zurückgewiesen, Warnungen in den Wind geschlagen und selbst Geschenke missachtet werden. Dann ist die Gefahr groß, dass von „amorevolezza“ nichts mehr zu spüren ist. Ebenso „schweren Zeiten“ gehen Eltern, Lehrer und Erzieher entgegen, wenn Jugendliche sich verkriechen, wenn sie verstummen, kein Angebot annehmen und keine ausgestreckte Hand ergreifen, wenn sie sich einschließen.
Täglich „amorevolazza“ zeigen wird schwer, wenn Töchter und Söhne die Ohren verstöpseln, die Augen verdunkeln und die Herzen verschließen, so dass keine Saite mehr zum Klingen gebracht werden kann und ihre Seelen leiden oder wenn Misserfolge sich häufen, Hilflosigkeit sie krank macht und Heimlichkeiten zu ahnen sind.
Doch bei aller Enttäuschung, aller Ohnmacht von Eltern und Erziehern, selbst bei drohender Resignation werden sie ihre Kinder und Zöglinge nicht demütigen und ihnen den Stuhl nicht vor die Tür stellen. Diejenigen, die ihre Kinder lieben, werden Rat suchen und andere bitten, ihrem Kind zu helfen, damit es nicht ohne „amorevolezza“ leben muss. Sie werden aber nicht das Interesse an ihm verlieren, weiter an den guten Kern in ihm glauben und kein böses Wort über es sagen. Sie werden die „amorevolezza“ bewahren.
P. Franz Schmid
Hier finden Sie wichtige Ereignisse und Wendepunkte aus dem Leben Don Boscos zum Nachlesen, die im Vorbereitungsjahr 2013 mit dem Titel "Wie Don Bosco junge Menschen begleiten" erschienen sind:
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"Vater und Lehrer der Jugend" |
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Um der Liebe willen - salesianische Gastfreundschaft |
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Für Don Bosco gab es keine "hoffnungslosen Fälle" |
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Für junge Menschen da sein und sie begleiten |
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Hier finden Sie wichtige Ereignisse und Wendepunkte aus dem Leben Don Boscos zum Nachlesen, die im Vorbereitungsjahr 2012 mit dem Titel "Don Bosco kennenlernen" erschienen sind:
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Don Boscos Berufungstraum bedeutet für mich... |
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Gedanken zu Don Boscos "Club der Fröhlichen" |
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Gedanken zu Don Boscos Wanderoratorium |
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Gedanken zum Pinardischuppen |
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Gedanken zu Don Boscos erster Begegnung mit Maria Mazzarello |
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Gedanken zu Don Boscos Gefängnis besuch mit Don Cafasso |
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Gedanken zum Tag in Freiheit für die jungen Gefangenen aus Generala |
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"Gemeinsam unterwegs sein" |
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"Don Bosco Volunteers in der Welt" |
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"Du kannst was" |
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