„Aus seiner Sicht“ - Ökumenischer Kreuzweg der Jugend
Hannover, März 2011 - Alljährlich laden der evangelische Stadtjugenddienst Hannover und der BDKJ Hannover Schulklassen und Jugendgruppen in die Lutherkirche (ev. Jugendkirche) ein, um bei einer Mitmachausstellung den Kreuzweg zu betrachten. „Aus seiner Sicht“ – so lautet der provokante Titel des diesjährigen ökumenischen Jugendkreuzweges.
Auch in diesem Jahr war eine Klasse der Ludwig-Windthorst-Schule Hannover damit beschäftigt, eine Station dieses interaktiven Kreuzweges zu gestalten. Die Jugendlichen der Klasse 9f sahen sich am Beginn der Vorbereitungen zunächst mit Kreuzwegdarstellungen unterschiedlicher künstlerischer Ausführungen und Epochen konfrontiert. Was bedeuten sie und welche Rolle spielten sie im Leben der Menschen früher und in der heutigen Zeit? Schnell wurde den Schülerinnen und Schülern bewusst, dass unser Leben nicht nur aus leichten und glücklichen Seiten besteht, sondern dass fortwährend leidvolle Erfahrungen in unserem Leben mitschwingen und selbst unseren Alltag mitbestimmen. Diese Erfahrungen kommen in den unterschiedlichen Epochen auf die je eigene Weise in den Kreuzwegdarstellungen zum Ausdruck.
Der ökumenische Jugendkreuzweg „Aus seiner Sicht“ wechselt zudem erstaunlicherweise die herkömmliche Perspektive der Draufsicht des Betrachters auf die Leidenssituation und lässt die Bilder aus der Sicht Jesu des Leidenden erscheinen. Die Schülerinnen und Schüler unserer 9. Klasse haben versucht, sich selber in die Perspektive Jesu hineinzuversetzen, indem sie im Rollenspiel die Verurteilung vor Pilatus nachgespielt haben. Ausgehend von dieser Szene haben sie dann eigene Szenen entworfen, die das Geschehen in den Lebensalltag der Schülerinnen und Schüler übertrugen. So wurde beispielsweise aus dem urteilenden Pilatus eine dominante Schülerin, die in ihrer Klasse immer das Sagen hat und über schwächere Schüler urteilt und sie verurteilt. Eine Vielzahl von ähnlichen Szenenentwürfen ist entstanden, die die Schülergruppe den Besuchern des diesjährigen Jugendkreuzweges zum Nachspielen anbietet. Die Mitmachausstellung des ökumenischen Kreuzweges der Jugend arbeitet alljährlich mit vielen kreativen Methoden, um die Auseinandersetzung mit den leidvollen, aber auch mit den tröstenden und befreienden Erfahrungen für Jugendliche erfahrbar werden zu lassen.
(Br. Matthias Bogoslawski)