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Bambergs neueste Schule hat kein Klassenzimmer

Veröffentlicht am: 15. April 2011
Ricardo (Vordergrund) und Christian aus der Tagesstätte Giovanni des Don-Bosco-Jugendwerks demonstrierten Sprungkraft und Kondition bei einer Einlage mit Springseilen.

In der Schulstadt Bambergs hat eine neue Bildungseinrichtung ihre Arbeit aufgenommen, die ohne Klassenzimmer auskommt: die Flex-Fernschule Bayern. Genau genommen ist sie ein ganz besonderes Angebot zur Erziehungshilfe, das "schulfernen" Jugendlichen zu einem Bildungsabschluss verhelfen will.
Schon in der Grundschule fiel er auf, irgendwann wurde er vom Unterricht ausgeschlossen, landete in der Jugendpsychiatrie. Der Versuch, ihn wieder ins Schulsystem zu integrieren, scheiterte. Nun hat der 16-Jährige die Chance, einen Abschluss in der neuen Flex-Fernschule Bayern zu machen, die in Bamberg ihre Arbeit aufgenommen hat. Ihr Ziel ist es, auch die jungen Leute zurück in die Gesellschaft zu holen, die für immer abzustürzen drohen.
Träger ist das Don Bosco Jugendwerk, das damit sein pädagogisches Angebot noch erweitert: Vom Bamberger Canisiusheim aus werden teilnehmende Jugendliche aus Bayern durch ein zunächst dreiköpfiges Team betreut. Es besteht aus der Schulleiterin und Psychologin Jutta Hahn, der Gymnasiallehrerin Barbara Wiendel und dem Hauptschullehrer Armin Müller. Zwei Büros und ein Materialraum genügen ihnen zum Start.
Klassenräume gibt es nicht, auch keine Schuljahre und keine Noten. Immer freitags verschicken sie den Lernstoff an die Schüler, der individuell auf deren Wissensstand zugeschnitten wird. Mit vier Schülern fing die Flex-Fernschule Bayern am 21. März an. Bis zur offiziellen Eröffnung am heutigen Donnerstag stieg ihre Zahl bereits auf acht.
Zielgruppen sind z.B. "Schulverweigerer", die im Elternhaus leben, "Maßnahmenabbrecher" in Heimen oder Psychiatrien, Jugendliche in individuellen Erziehungshilfen, junge Mütter in Erziehungshilfen, autistische junge Leute und Straßenkinder.
"Wenn keine andere Schule mehr in Frage kommt", könne die Flex-Fernschule helfen, sagt Jutta Hahn. Wer die Kosten trägt, hänge vom Einzelfall ab: Eltern, ein Jugendamt, vielleicht auch die Arbeitsagentur.
Die Anschubfinanzierung für die Flex-Fernschule Bayern in Bamberg leistet der Rotary-Club Bamberg-Domreiter, drei Jahre lang.
Damit die Eröffnung einer Schule nicht ganz ohne junge Leute von statten ging, traten vier Jungen aus den Einrichtungen der Bamberger Salesianer mit artistischen Einlagen auf: Ricardo (10) und Christian (12) aus der Tagesstätte Giovanni zeigten eine Seilspring-Nummer, die Jugendlichen Marco und Nico ließen Diabolos tanzen.
Foto (von Ronald Rinklef): Ricardo (Vordergrund) und Christian aus der Tagesstätte Giovanni des Don-Bosco-Jugendwerks demonstrierten Sprungkraft und Kondition bei einer Einlage mit Springseilen.
(infranken.de, 7.04.2011)

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