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Barcelona: Jugendliche entdecken Don Bosco

Veröffentlicht am: 08. August 2011
Barcelona: Jugendliche entdecken Don Bosco

Aufzeichnungen des Besuchs 1886 und sein Erbe heute
Don Bosco hat in der spanischen Hafenstadt Barcelona auf den ersten Blick unscheinbare, aber doch tiefe Spuren hinterlassen. Auf seine Initiative hin sind die Salesianer Ende des 19. Jahrhunderts nach Barcelona gekommen und wirken bis heute zum Wohle der Jugend. Für das Weltjugendtreffen im eigenen Land wurde vieles in Bewegung gesetzt, um diese Wurzeln neu zu entdecken. Es ist der große Wunsch, dass durch diese weltweite Zusammenkunft die Jugendlichen vor Ort in ihrem Glauben gestärkt werden und die Gäste aus aller Welt etwas vom reichhaltigen, spirituellen Erbe Spaniens erleben. Während der „Tage in den Diözesen“ werden tausende junge Menschen auf Don Bosco und sein Erbe stoßen – denn es lächelt vom höchsten Berg Barcelonas herab!
Der italienische Priester Johannes Bosco (1815-1888) gründete 1846 das erste Oratorium in Turin-Valdocco für benachteiligte Jugendliche. Sein Werk wuchs stetig, er gründete die salesianische Kongregation. Ab 1863 wurden weitere Werke in Italien eröffnet und 1875 sandte Don Bosco die ersten Missionare nach Argentinien. In dieser Zeit wuchs sein Bekanntheitsgrad in ganz Europa und viele Bischöfe und Wohltäter baten die Salesianer, in ihren Diözesen Werke zum Wohle der Jugend zu eröffnen. Nach Spanien kamen die Salesianer 1881 auf Ansuchen des Erzbischofs von Sevilla, Mons. Joaquín Lluch y Garriga.

Ein neues Werk in Barcelona
Kurze Zeit später folgte bereits der Ruf nach Barcelona. Die wohlhabende Witwe Dorotea de Chopitea (1816-1891) war schon seit geraumer Zeit im Briefkontakt mit Don Bosco. Sie wird heute als Barcelonas „Mutter der Armen“ bezeichnet und wünschte sich sehnlichst die Salesianer in die Stadt. Don Bosco nahm das Angebot an und so konnte 1884 ein Berufsausbildungszentrum im Stadtteil Sarrià eröffnet werden. Auf mehrfachen Wunsch kam Don Bosco von 8. April bis 6. Mai 1886 persönlich nach Barcelona. Von diesem Aufenthalt berichtete nicht nur sein Sekretär Don Carlo Viglietti mit vielen Details, sondern auch die Tageszeitungen schrieben ausführlich über den Besuch des berühmten italienischen Priesters, der die Massen in Bewegung setzte.

Ein beliebter Gast
Don Bosco empfing Persönlichkeiten aus Kirche und Staat, aber auch einfache Bürger, doch am liebsten traf er sich mit den Jugendlichen und hörte ihnen zu. Es wurde von mehreren besonderen Gnaden und Wunder berichtet, die auf die Fürsprache Mariens - von Don Bosco als Helferin der Christen verehrt - geschehen waren. In der Kirche „Nuestra Señora de Belén“ gab er vor tausenden Gläubigen eine Konferenz. Als der Pfarrer sich bedanken wollte, stammelte er von Emotionen überwältigt: „Wir haben hier unter uns einen Heiligen.“
Am 3. Mai 1886 bereitete die Familie Martí-Codolar ein Fest für Don Bosco, zu dem auch viele Persönlichkeiten der Stadt und sogar die Jugendlichen eingeladen waren. An diesem Nachmittag entstand eine der bekanntesten Fotografien mit Don Bosco, der mit einem Trappistenabt in der Mitte saß und von vielen Salesianern, Wohltätern und Jugendlichen umringt wurde. Es ist ein Bild der Seligen und Heiligen. Neben dem heiligen Johannes Bosco beugt sich der selige Michael Rua zu ihm vor und der selige José Calasanz Marqués, der – hier noch als 14-jähriger Junge – später als Salesianer in Kuba, Peru und Spanien wirkte und in der spanischen Revolution ermordet wurde. Hinzu kommt Doña Dorotea, deren Seligsprechungsverfahren vor dem Abschluss steht und Abt Candide Albalat y Puigcerver von Sainte-Marie-du-Désert, der als einer der Väter des Trappistenordens gilt.

Ein Geschenk an Don Bosco
Am 5. Mai – einen Tag vor seiner Abreise aus Barcelona – ging Don Bosco in die Basilika „De la Merced“ um der Jungfrau Maria für ihre Gnaden und ihren Schutz zu danken. Einige Herren kamen, um ihm den höchsten Berg Barcelonas, genannt „Tibidabo“, zu schenken. Sie baten ihn, er möge dort eine Wallfahrtskapelle zu Ehren des Herzens Jesu errichten. Don Bosco antwortete darauf gerührt: „Ich danke euch. Als ich von Turin wegfuhr, hörte ich eine innere Stimme, die nicht aufhörte zu sagen: Tibi dabo (lat.: ich werde dir geben). Ja, mit eurer Hilfe wird sich auf diesem Berg nicht nur eine Wallfahrtskapelle sondern eine majestätische Kirche zu Ehren des Herzens Jesu erheben.“ Noch im gleichen Monat wurde mit dem Bau einer Klause an der Spitze des Berges begonnen.
Es sollte jedoch noch Jahre dauern bis zum endgültigen Einlösen des Versprechens Don Boscos, doch seine geistlichen Söhne taten es. Der Erzbischof von Barcelona, Kardenal Casañas, legte 1902 den Grundstein. Die ersten Salesianer kamen 1912 mit der Errichtung eines kanonischen Ordenshauses auf den Berg und setzten den Kirchenbau fort. Durch den spanischen Bürgerkrieg gebremst und teilweise zerstört, wurde die heutige Kirche 1961 geweiht.

Tibidabo – dem Herzen Jesus geweiht
Die Krypta ist geprägt durch die romanisch-byzantinischen Bögen. Der weiße Stein drückt Reinheit aus, wird dann aber überhöht durch eine sieben Meter hohe und fünf Tonnen schwere Herz-Jesu-Statue mit offenen Armen. Es ist eine Verschmelzung aus der Natur (Berg), der Mühe des Menschen (Gotteshaus) und dem Gottmensch (Statue) in geordneter Gestuftheit zu Gott Vater, dem unsterblichen und unsichtbaren König.
Die Tibidabo-Kirche ist wie ein großer Sockel für die große Herz-Jesu-Statue, die Christus als die Liebe versinnbildlicht. Und noch ein wichtiges Detail: die Gesichtszüge wurden vom Turiner Grabtuch genommen und wirken edel und freundlich. Nach der Fertigstellung 1961 wurde die Kirche zur Basilika Minor erhoben. Vom Berg Tibidabo genießt man eine wunderbare Sicht auf die Millionenstadt Barcelona. Bei Nacht ist die Herz-Jesu-Kirche in ein von weither sichtbares Licht gehüllt. Eine Besonderheit dieses Gotteshauses ist die ewige Anbetung, die es seit 1966 ohne Unterbrechung gibt.
In der Stadt Barcelona gibt es heute neun Gemeinschaften der Salesianer Don Boscos mit 90 Mitbrüdern. Sie arbeiten in Schulen, Pfarren, Oratorien und in der sozialen Kinder- und Jugendarbeit. Für das Weltjugendtreffen wurde Vieles in Bewegung gesetzt. Es ist der große Wunsch, dass durch diese weltweite Zusammenkunft die Jugendlichen vor Ort in ihrem Glauben gestärkt werden. Pater Rosendo Soler, zuständig für die salesianische Jugendpastoral in Spanien, unterstreicht: „Wir Salesianer setzen alle unsere Kräfte dafür ein. Bei diesem großen Jugendtreffen, zu dem der Papst einlädt, werden Räume geschaffen, wo Jugendliche ihren Glauben ausdrücken können.“ Die Salesianer in Barcelona werden 900 Jugendliche aus Europa, Südamerika und Asien in ihren Häusern aufnehmen und sie zu Don Boscos Orten in der Stadt führen. Die Salesianische Jugendbewegung aus Österreich freut sich schon sehr auf diese „Tage der Begegnung“ direkt in der katalanischen Hauptstadt. Pater Siegfried Kettner bestätigt: „Beim Weltjugendtreffen spüren die jungen Leute: Wer glaubt ist nicht allein! Es ist kein kurzfristiges Abenteuer, sondern oft ein wichtiger Schritt hin zu einer Lebensentscheidung.“

(Peter Rinderer)

Foto:Die imposante Herz-Jesu-Kirche löst das Versprechen Don Boscos ein und wurde 1961 in seiner heutigen Form eingeweiht.

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