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Bericht aus der Arbeitsgruppe zur Aufklärung von Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs und der Misshandlung

Veröffentlicht am: 02. März 2010
Bericht aus der Arbeitsgruppe zur Aufklärung von Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs und der Misshandlung

München, 1. März 2010 – Seit Mitte Februar die ersten öffentlichen Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs und der Misshandlung von Kindern und Jugendlichen in den Einrichtungen der Salesianer Don Boscos erhoben wurden, haben sich etliche Opfer gemeldet, insgesamt sind es 20. Ihnen gilt zurzeit unsere erste Sorge, damit ihnen - oft nach langer Zeit - ein Mehr an Gerechtigkeit widerfährt. Von einigen Ausnahmen abgesehen, beziehen sich die meisten Beschuldigungen auf den Zeitraum der 50er- und 60er-Jahre. Teilweise geht es um den Vorwurf des sexuellen Missbrauchs, teilweise um körperliche oder seelische Misshandlungen. Insgesamt 17 Personen werden beschuldigt, sieben von ihnen sind verstorben, fünf haben die Ordensgemeinschaft verlassen, vier sind nach wie vor Ordensmitglied, einer ist ein ehemaliger Angestellter, über dessen Verbleib nichts bekannt ist.
Es werden erschütternde Vorfälle berichtet, die die Salesianer als Erzieherorden, der gegründet wurde, um dem Wohl junger Menschen zu dienen, zutiefst beschämen. Umso wichtiger ist die Aufklärung der Vorkommnisse, soweit dies aufgrund des zeitlichen Abstands noch möglich ist.
Von den Mitgliedern der vom Provinzial berufenen Arbeitsgruppe wird mit jedem Opfer, das sich meldet, Kontakt aufgenommen, um ihm die Gelegenheit zu geben, seine Geschichte und die meist noch heute bedrängenden Erfahrungen mitzuteilen. In den meisten Fällen entsteht ein längerer Gesprächs- und Klärungsprozess. Dabei wird versucht, die Vorwürfe zu konkretisieren, Akten zu beschaffen und zu studieren, Zeitzeugen zu befragen, die Beschuldigten, sofern sie noch leben, zu ermitteln und sie mit den Vorwürfen zu konfrontieren. Jede Geschichte ist einzigartig und verlangt ein individuelles Vorgehen. Für all das wird Zeit und Geduld gebraucht, um nicht vorschnell zu urteilen und sowohl den Opfern als auch den Beschuldigten gerecht zu werden, ob diese noch leben oder schon verstorben sind.
Begleitend zu diesen Aufgaben hat die interne Auseinandersetzung in den Ordensniederlassungen sowie in den Einrichtungen der Deutschen Provinz begonnen: Wie konnte es zu dem offen gelegten Fehlverhalten kommen, das im Widerspruch zum pädagogischen Erbe Don Boscos steht? Was bedeuten die Anschuldigungen für unsere heutige Arbeit mit jungen Menschen? Was können wir tun, um für die uns heute anvertrauten jungen Menschen, die oft selbst Erfahrungen von Missbrauch und Gewalt mitbringen, auf förderliche Weise zu wirken und sie zu schützen?
Mit dieser Aufarbeitung steht die Provinz erst am Anfang. Kurzschlüssige Antworten verbieten sich.
Eine wichtige Konsequenz wurde bereits gezogen: Künftig soll es in allen Einrichtungen geschulte Vertrauenspersonen geben, die von Opfern von Misshandlung oder sexueller Gewalt angesprochen werden können und für eine Kultur des Hinschauens sensibilisieren sollen.
Für Opfer sexuellen Missbrauchs in Einrichtungen der Salesianer Don Boscos in Deutschland stehen als externe Ansprechpartner Herr Dr. Janko Jochimsen, Email: jochimsen@urios.info, und Frau Anna Zahalka, Email: anna.zahalka@gmx.de, sowie seitens der Ordensgemeinschaft, P. Franz-Ulrich Otto, Email: otto@donbosco.de, zur Verfügung. Auch der seit 2003 Beauftragte der Deutschen Provinz für aktuelle Fälle sexuellen Missbrauchs, Prof. Dr. Günther Schatz, Email: guenther.schatz@ksfh.de, kann als Ansprechpartner kontaktiert werden.
(rg)

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