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Bericht der Arbeitsgruppe der Salesianer Don Boscos zur Aufklärung von Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs und der Misshandlung - Stand 12.03.2010

Veröffentlicht am: 26. März 2010
Bericht der Arbeitsgruppe der Salesianer Don Boscos zur Aufklärung von Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs und der Misshandlung - Stand 12.03.2010

Situation

München, 12. März 2010 - Seit Aschermittwoch, den 17.2.2010, werden an die Ordensgemeinschaft der Salesianer Don Boscos Beschuldigungen des sexuellen Missbrauchs und der Misshandlung junger Menschen durch Ordensangehörige und Mitarbeiter herangetragen. Diese werden in der vom Provinzial eingesetzten Arbeitsgruppe bearbeitet und konsequent nachvollzogen. Mit Datum vom 12. März 2010 kann folgendes festgestellt werden:

Bis zum heutigen Tag sind bei den benannten Ansprechpartnern 38 Meldungen von Betroffenen eingegangen. Davon beziehen sich 20 auf körperliche Misshandlung; 18 Personen beschuldigen Ordensangehörige oder Mitarbeiter wegen sexueller Übergriffe in unterschiedlicher Schwere. Die Anschuldigungen zu sexuellen Misshandlungen und körperlicher Gewalt beziehen sich auf die Zeit zwischen 1950 und 1990.

In einer Reihe von Fällen müssen wir davon ausgehen, dass es zu den gemeldeten körperlichen Züchtigungen gekommen ist. Es wurde klar, dass es in verschiedenen Einrichtungen zu körperlichen Misshandlungen von Kindern und Jugendlichen gekommen ist. Diese mussten für die Leitung der Einrichtung und die anderen Ordensangehörigen erkennbar sein, wurden aber nicht abgestellt.

Die Aufklärung der gemeldeten Fälle von sexuellem Missbrauch gestaltet sich schwieriger. Die Vorwürfe sind kompliziert und Erkenntnismöglichkeiten zum Teil beschränkt. Bis zum jetzigen Zeitpunkt konnten sechs Vorwürfe aufgeklärt werden. Von diesen haben sich vier bestätigt und zwei sind zurückgenommen worden.

Bei den Ansprechpartnern der Arbeitsgruppe melden sich neben Betroffenen auch Personen, die über ihre Zeit in einer unserer Einrichtungen berichten wollen. Diese differenzierten Berichte helfen bei der Aufklärung und unterstützen die Arbeitsgruppe dabei, die Umstände der damaligen Situation genauer erfassen zu können.

Arbeitsweise

Die Arbeitsgruppe geht allen Hinweisen auf dem Hintergrund der Richtlinien zum Umgang mit Fällen von Missbrauch und Misshandlung der Deutschen Bischofskonferenz und der Deutschen Ordensobernkonferenz nach. Folgende Schritte erfolgen:

• Sichtung des vorhandenen Aktenmaterials zu den betreffenden Einrichtungen und Personen
• Kontaktaufnahme mit potenziellen Opfern und Tätern sowie mit Zeitzeugen
• Besprechung in der Arbeitsgruppe
• Rücksprache mit Fachleuten
• Einschätzung der Situation und Festlegung weiterer Schritte
• Information der zuständigen Diözesen bei erhärtetem Verdacht auf Missbrauch
• Hilfsangebote für Opfer (Gespräche, Therapievermittlung und finanzielle Hilfe für Therapie)
• Sanktionen gegen Ordensmitglieder bzw. Mitarbeiter nach erwiesener Schuld
• Dokumentation der Vorwürfe und Erkenntnisse als Grundlage für eine Aufarbeitung der Geschehnisse

Einbeziehung der Staatsanwaltschaft und Erweiterung der Arbeitsgruppe

Mit dem Ziel, alle Anschuldigungen einer Klärung zuzuführen, sind wir auf verschiedene Staatsanwaltschaften zu gegangen und haben diesen alle relevanten Akten und die bisherigen Ergebnisse der Arbeitsgruppe uneingeschränkt angeboten. Wir tun dies, weil wir die Entscheidung, ob im Einzellfall die Voraussetzungen für ein staatsanwaltschaftliches Ermittlungsverfahren vorliegen, nicht beeinflussen oder gar vorweg nehmen wollen. Soweit es möglich ist, wollen wir unsere interne Aufklärung durch die Einbeziehung von externen Stellen und externen Sachverstand verstärken. Deshalb wurde die Arbeitsgruppe zum 11.03.2010 um ein weiteres externes Mitglied – Volljurist und ehemaliger Leiter der Polizei eines großen Landkreises – erweitert.

Aufarbeitung

Als Salesianer Don Boscos sind wir es vor allem uns selbst und unserer Glaubwürdigkeit, aber auch den uns heute anvertrauten jungen Menschen, unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, unseren Freunden, Wohltätern und Stiftern schuldig, uns diesem dunklen Kapitel unserer Geschichte zu stellen, daraus zu lernen und es aufzuarbeiten. Dies verlangt auch unser salesianischer Auftrag, der uns von unserem Ordensgründer Johannes Bosco überkommen ist und der für die Erziehung und Bildung junger Menschen höchst aktuell ist.

Konsequenzen für die Arbeit in unseren Einrichtungen

Begleitend zu den Aufklärungsarbeiten der Arbeitsgruppe hat die interne Auseinandersetzung in der Deutschen Provinz begonnen. Es werden viele Fragen aufgeworfen: Wie konnte es zu dem offen gelegten Fehlverhalten kommen, das im Widerspruch zum pädagogischen Erbe Don Boscos steht? Was bedeuten die Anschuldigungen für unsere heutige Arbeit mit jungen Menschen? Was können wir noch mehr und besser tun, um die uns heute anvertrauten jungen Menschen zu begleiten, zu fördern und sie zu schützen? Wie können wir das Erinnern an die Fehlentwicklungen wach halten? Mit diesen Fragen steht die Provinz erst am Anfang einer Aufarbeitung.

Eine wichtige Konsequenz wurde bereits gezogen: Es wird zukünftig in allen Einrichtungen der Salesianer Don Boscos geschulte Vertrauenspersonen geben. Ihre Aufgabe wird es sein, für die Opfer von Misshandlung oder sexueller Gewalt als Ansprechpartner zur Verfügung zu stehen, die Thematik regelmäßig in das jeweilige Leitungsteam einzubringen und für eine Kultur des Hinschauens zu sensibilisieren.

Ansprechpartner der Deutschen Provinz

Für Opfer von sexuellem Missbrauch oder Misshandlung in Einrichtungen der Salesianer Don Boscos in Deutschland stehen als externe Ansprechpartner Herr Dr. Janko Jochimsen (Volljurist), Email: jochimsen@urios.info, und Frau Anna Zahalka (Sozialpädagogin), Email: anna.zahalka@gmx.de, sowie seitens der Ordensgemeinschaft, P. Franz-Ulrich Otto, Email: otto@donbosco.de, zur Verfügung. Auch der seit 2003 Beauftragte der Deutschen Provinz für aktuelle Fälle sexuellen Missbrauchs, Prof. Dr. Günther Schatz, Email: guenther.schatz@ksfh.de, kann als Ansprechpartner kontaktiert werden.

(pm/gmh)

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