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„Dieses Geld ist nur geliehen!“ – Interview mit dem Generalökonom der Salesianer Don Boscos Br. Claudio Marangio

Veröffentlicht am: 24. März 2009
„Dieses Geld ist nur geliehen!“ – Interview mit dem Generalökonom der Salesianer Don Boscos Br. Claudio Marangio

Der Generalökonom der Salesianer Don Boscos, Br. Claudio Marangio (44), besuchte von 18.-21. März 2009 die österreichische Provinz und die Don Bosco Partnerorganisation „Jugend Eine Welt“ in Wien.
Br. Marangio, Sie haben als Generalökonom die Verantwortung für die Finanzen der Salesianer Don Boscos. Wie ist Ihre Arbeit im Generalat?
Br. Marangio: Wir arbeiten im Generalat im Team mit zwei Salesianern und mit angestellten Mitarbeitern. Das funktioniert sehr gut.
Meine Hauptaufgabe ist zunächst die Beratung und Zusammenarbeit mit dem Generalobern und den anderen Generalräten, dann die finanzielle Organisation des Generalates in Rom – das ist ja im Umfang fast wie eine eigene Provinz – und zusätzlich das Controlling der Provinzen. Hier geht es nicht unbedingt darum, dass ich den einzelnen Provinzen sage, was sie mit den Finanzen zu tun haben. Meine Aufgabe ist viel mehr, Bewusststeinsarbeit zu leisten, vor allem für die Evangelische Armut. Was heißt das? Wir sollen als Salesianer nicht abhängig sein von materiellen Dingen. Das ist nicht immer einfach, vor allem in Ländern des Südens, wo die Salesianer im Vergleich zur Bevölkerung reich sind und alles haben. Uns muss aber bewusst sein, dass wir FÜR die Armen arbeiten und dass wir dabei gute Arbeiter sind.
Besonders wichtig ist mir aber schon die Schaffung von professionellen Strukturen. Ich sage vor allem den Provinzen in Entwicklungsländern, dass sie sehr genau auf die Einhaltung von Vorgaben achten müssen. Unsere NGOs – wie „Jugend Eine Welt“ in Österreich – arbeiten mit sehr viel Engagement in der Entwicklungszusammenarbeit und beschaffen hohe Geldsummen für unsere Arbeit. Natürlich müssen dann die Projektanträge und Abrechnungen ordentlich gemacht werden.
Wie wichtig ist in einem katholischen Orden das Geld?
Br. Marangio: Natürlich brauchen wir Geld. Aber wichtig ist, dass wir immer wissen, warum wir das Geld benötigen. Don Bosco hat Unsummen an Geld ausgegeben, aber er hat uns immer gesagt: „Es gehört den Armen, nicht uns. Seid daher vorsichtig, denn dieses Geld ist nur geliehen!“ Das heißt auch heute, wir müssen teilen.
Spüren die Salesianer die globale Wirtschaftskrise?
Br. Marangio: Ja, natürlich spüren wir die Krise, aber nur in den reichen Ländern: besonders in den USA und in Europa. Hier erhalten wir deutlich weniger Spenden. In Italien spüren wir aber noch nichts von der Wirtschaftskrise.
Sie sind der erste Laienbruder in der 150-jährigen Geschichte der Salesianer, der in den Generalrat gewählt wurde. Macht Sie das ein wenig stolz für alle Laienbrüder?
Br. Marangio: Ich war nach meiner Wahl überrascht, nicht stolz. Es ist ein Zeichen der Kongregation, dass es eine Berufung gibt: die zum Salesianer. Es gibt aber zwei Formen: als Salesianerpriester und als Salesianerbruder. Ich habe nie die Berufung zum Priester gespürt. Als Kind im Oratorium in Turin habe ich immer Salesianer gesehen und als Vorbild gehabt. Das waren übrigens Laienbrüder, ich habe da aber nie einen Unterschied gemacht und gemerkt.
Meine Familie ist natürlich schon stolz. Mein Vater als Ehemaliger war sehr glücklich, als er von meiner Wahl gehört hat. Meine Mutter hingegen macht sich Sorgen, weil ich so viel reisen muss, auch in politisch unsichere Länder.
(Das Interview führte Sophie Wöginger)

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