"Don Bosco feiert im Himmel mit"
Aschau, 11. September 2011 - Ein Ausbildungshotel gibt es bereits in Waldwinkel. Ein Supermarkt mit 600 Quadratmetern Verkaufsfläche, dazu Poststelle, Backstube und Metzgerei - das ist auch für die Salesianer Don Boscos in Deutschland Premiere, wie P. Franz-Ulrich Otto erklärte. Der Provinzialvikar der Deutschen Ordensprovinz, die Träger des Berufsbildungswerks (BBW) ist, ist überzeugt, "dass auch Don Bosco im Himmel jetzt kräftig feiert". Das neue Projekt sei ganz im Sinne des Ordensgründers, "der nach neuen, auch unkonventionellen Lösungen suchte, um seinen Jugendlichen Chancen für ihre Zukunft zu eröffnen".
23 junge Azubis werden in diesem Markt zu Verkäuferinnen, Verkäufern und Einzelhandelskaufleuten ausgebildet, sagt Klaus Ortner. Neben Marktleiterin Anna Pscheid werden vier Ausbilder tätig sein. Der Gesamtleiter des BBW, in dem derzeit 300 junge Leute in der beruflichen Rehabilitation sind, ist mächtig stolz auf "unser kleines Einkaufszentrum", dessen reine Baukosten bei rund 1,5 Millionen Euro liegen. Ortner freut sich auch darüber, dass es durch das gute Miteinander in der Einrichtung sowie aller am Bau Beteiligten in rekordverdächtiger Zeit verwirklicht wurde. Noch am Eröffnungstag wurde drinnen und an der Fassade emsig gearbeitet und geschraubt.
Nur sechs Monate habe die reine Bauzeit gedauert, so Thomas Trettenbacher vom BHC Bauherrencenter in Mühldorf, der den symbolischen Schlüssel für das Gebäude übergab, das einschließlich aller Sozial- und Nebenräume 1500 Quadratmeter Nutzfläche hat.
Froh ist auch Aschaus Bürgermeister Alois Salzeder über diese Eröffnung, die die wohnortnahe Versorgung der Bevölkerung sicherstellt. Als vor einigen Jahren ein Discounter bei der Gemeinde anklopfte, habe diese zuerst das Gespräch mit Waldwinkel und den Salesianern gesucht, sagte er. Die guten Beziehungen zwischen Rathaus und Waldwinkel haben erneut Früchte getragen. Vor einigen Jahren führte das Berufsbildungswerk den kleinen Einkaufsmarkt in der Ortsmitte als Ausbildungsbetrieb weiter, womit damals die endgültige Schließung dieses letzten Lebensmittelladens in Aschau verhindert wurde. Weil dort aber eine realitätsnahe Ausbildung nicht mehr möglich ist, wie Klaus Ortner sagte, wurde das BBW Betreiber eines Edeka-Supermarkts.
Seine Glückwünsche zu dieser "mutigen Entscheidung" überbrachte Michael Breitsameter. Der Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft der Berufsbildungswerke, die 52 Einrichtungen in Deutschland vertritt, lobte besonders das moderne Konzept.
Zugleich ist der Don-Bosco-Supermarkt ein etwas anderer Supermarkt, dessen Erfolg sich nicht allein am wirtschaftlichen Gewinn oder in den Ausbildungsfortschritten bemisst, sondern - wie der stellvertretende Ordensprovinzial P. Otto, betonte - auch an einer Atmosphäre deutlich werden soll, "die von Aufmerksamkeit, Freude und Würde gegenüber jedem Menschen geprägt ist. Das bedeutet, dass die Freude Don Boscos hier in der Luft liegt."
Sichtbar zum Ausdruck bringen das die Salesianer unter anderem durch Kreuze in allen Räumen und ein Bild, das die Kunden am Eingang empfängt. Es zeigt den Heiligen, der sich im 19. Jahrhundert der Jugend Turins und Italiens annahm, Jugendliche von der Straße holte und ihnen Bildung ermöglichte. Dem Festakt mit Ansprachen war eine Andacht mit Segnung der Räume voraus gegangen, um - wie es P. Bernhard Stiegler formulierte - das Tun der Menschen und ihr Miteinander in diesem Markt unter den Namen Gottes zu stellen.
(Waldkraiburger Nachrichten 10./11. Sept. 2011)
Foto: Symbolische Schlüsselübergabe (von links): Ulrich Trettenbacher vom Generalunternehmen Bauherrencenter, das das Projekt abgewickelt hatte, Klaus Ortner, Leiter des Berufsbildungswerks und Marktleiterin Anna Pscheid. Foto hg