Ein Brief an den Papst
Im Rahmen eines internationalen Treffens in Turin-Valdocco, von 21. bis 24. Mai 2010 hat Generaloberer Don Pascual Chávez SDB, der neunte Nachfolger des heiligen Johannes Bosco (1815-1888), gemeinsam mit mehr als 90 Salesianerkardinälen und -bischöfen, an der Spitze Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone SDB, einen Brief an Benedikt XVI. unterzeichnet.
Im Brief an den Papst bekunden die Salesianer ihre Treue und ihre Zugehörigkeit zur Kirche. Sie sind dem Erbe Don Boscos verpflichtet, der die Salesianer von Anbeginn gelehrt hat, ihr Charisma in Verbundenheit mit dem Papst und der ganzen Kirche zu leben. Derzeit gibt es 119 Bischöfe aus der Ordensgemeinschaft, mehr als 90 waren zu der internationalen Konferenz gekommen, unter ihnen auch die beiden österreichischen Salesianer Alois Kothgasser SDB, Erzbischof von Salzburg, und Ludwig Schwarz SDB, Diözesanbischof von Linz.
Im Mittelpunkt der Begegnung im Mutterhaus der Ordensgemeinschaft in Turin-Valdocco stand der Austausch unter den Bischöfen mit dem Generalrat der Salesianer. Gemeinsam pilgerten die Mitbrüder zum Turiner Grabtuch und sie feierten am 24. Mai mit 20.000 Gläubigen das Maria-Hilf-Fest mit einer großen Prozession durch Valdocco. Die Tradition des Festes wurde von Don Bosco begründet und drückt alljährlich die Dankbarkeit der Salesianer für die Hilfe der Gottesmutter aus, der der Ordensgründer sein Werk anvertraut hat. In einer Schlussansprache erklärte Kardinal Oscar Rodriguez Maradiaga SDB von Honduras im Namen der Bischöfe, dass die anwesenden Salesianer jetzt voller Hoffnung und Enthusiasmus dazu aufgerufen sind, wie die Emmausjünger ihre Erfahrungen weiter zu tragen. Don Chávez fasste drei Aufträge Don Boscos an die Mitbrüder zusammen: Der Glaube an die Jugend, das Angebot an junge Menschen zu beruflicher Ausbildung und religiöser Bildung und die Hilfestellung, die Pädagogik der Vorsorge im Präventivsystems zu erfahren.
Im Rahmen der Konferenz besuchten die Teilnehmer am Pfingstsonntag auch den Geburtstort des heiligen Johannes Bosco auf dem Colle Don Bosco. In Vorbereitung auf den 200. Geburtstag des Ordensgründers im Jahr 2015 wurde die Kirche in der Nähe von Turin jetzt zu Basilika Minor erhoben. Sie ist das Wallfahrtsziel vieler Pilger, vor allem vieler Jugendlicher, aus der ganzen Welt. Mehr als 1.000 Gläubige feierten die Festmesse in Erinnerung an die Bischofsernennung von Johannes Cagliero (1838-1926) vor 125 Jahren. Er war der erste Salesianerbischof, über dessen Weihe sich Ordensgründer Don Bosco noch zu Lebzeiten sehr gefreut hatte.
Auch seine Nachfolger erlebten zahlreiche Bischofsernennungen: Don Rua drei, Don Albera acht und Don Rinaldi 13. Deutlich mehr Salesianer wurden später ernannt: Unter Don Ricaldone 33, Don Ziggiotto 27, Don Ricceri 28 und unter Don Vigano 60. Nach dessen Tod bis zur Neuwahl von Don Chávez wurden allein sieben Salesianer zu Bischöfen. Weitere 36 Salesianer sind in der Amtszeit von Don Chávez zu Bischöfen ernannt worden. Insgesamt wurden 243 Mitbrüder zu Bischöfen geweiht. Papst Leo XIII. ernannte drei Bischöfe, ebenso Pius X., Benedikt XV. sechs, Pius XI. 24, Pius XII. 35, Johannes XXIII. 14, Paul VI. 30. 102 Salesianer wurden von Papst Johannes Paul II. ernannt und seit 2005 weitere 26 von Papst Benedikt XVI.
Der Brief im Wortlaut
Heiliger Vater,
nehmen Sie die herzlichsten und besten Grüße von Don Boscos Nachfolger an, der in diesen Tagen an der Wiege unserer Gemeinschaft in Turin-Valdocco mehr als 90 Salesianerbischöfe und –Kardinäle trifft. Gestern feierten wir die Messe beim Turiner Grabtuch, der Ikone der Leiden des Herrn, das gleichzeitig das Symbol für den Auferstandenen ist. Heute kommen wir zusammen mit seiner Eminenz, Kardinalstaatssekretär Bertone, um das Pfingstfest in Castelnuovo am Colle Don Bosco zu feiern. Sie hatten die große Güte, die Kirche zur Basilika Minor zu erheben!
Vor allem habe ich mich dazu entschlossen, unsere Mitbrüder, die Kardinäle, Erzbischöfe und Bischöfe, einzuladen, weil ich damit dem Beispiel meiner verehrten Vorgänger Don Egidio Viganò im Jahr 1988 und Don Juan Edmundo Vecchi im Jahr 2001 folgen wollte. Die Gründe für diese brüderliche Begegnung sind das 150-Jahr-Jubiläum unserer Ordensgründung, der 100. Todestag des Seligen Michael Rua, des ersten Nachfolgers Don Boscos, und der 125. Jahrestag der Bischofsernennung von Johannes Cagliero, der später auch das Kardinalspurpur empfangen hat.
Es ist an der Zeit gemeinsam über die Situation der Jugendpastoral nachzudenken und uns selbst zu fragen, wie wir das Evangelium heute in den verschiedenen Lebensumständen auf der ganzen Welt verbreiten können. Es ist auch Zeit, mehr über die Erfahrungen unserer Mitbrüder in der Seelsorge zu hören, die als Salesianer zu Bischöfen berufen wurden und die eine besondere Aufmerksamkeit gegenüber der Jugend und den Lebensumständen von Jugendlichen in ihren Herzen tragen.
Der Hauptgrund für diesen Brief, Heiliger Vater, ist es, dass wir unsere Zuneigung, unsere Bindung und unsere Verfügbarkeit ausdrücken wollen – ein Erbe Don Boscos, der die Salesianer von Anbeginn gelehrt hat, unser Charisma in Gemeinschaft mit dem Papst und der ganzen Kirche zu leben. Heute gibt es 119 Salesianerbischöfe. Einige von ihren arbeiten im Vatikan, die meisten haben pastorale Aufgaben in der Leitung von Diözesen – verteilt auf der ganzen Welt. Bischöfe engagieren sich auf allen Kontinenten, von sehr weit entfernten Orten wie auf den Solomon Inseln, Thailand, Kongo, Äthiopien oder im Amazonas bis hin zu historischen Diözesen in Europa wir Rotterdam, Gent, Salzburg oder Linz. Viele unserer Bischöfe sind engagiert in der Mission, einige sind verantwortlich für apostolische Vikariate.
• Besonders wichtig ist es für uns, Sie , Heiliger Vater, wissen zu lassen, dass wir in dieser schwierigen Stunde der Kirche fest zu Ihnen stehen. Wir teilen mit Ihnen die Sorgen der gegenwärtigen Situation. Wir bitten den Herrn, unser Leben und die Kirche zu reinigen und aufzufrischen, damit wir in der Lage sind das Evangelium zu den Menschen zu bringen, besonders zur Jugend, den Armen und zu jenen, die die Frohe Botschaft noch nicht kennen.
• Zweitens, versichern wir Ihnen, dass wir den Wunsch haben, in der Kongregation und unseren Mitbrüdern im Bischofsamt eine spirituelle Erneuerung zu fördern. Wir glauben, dass der Weg zu Heiligkeit etwas ist, das in unseren Herzen ständig erneuert werden sollte. Es ist uns bewusst, dass wir den Auftrag haben Zweige im Weingarten Jesu zu sein, mit dem Wort und der Liebe des Vaters, mit dem Auftrag, in Jesus zu sein. Der Heilige Geist soll sich in unserem Leben mit all seinem Reichtum entfalten. Wir möchten Ihnen, Heiliger Vater, danken, für Ihren Dienst, der uns zeigt, dass wir voller Hoffnung leben sollen, um den Reichtum von Christi Liebe zu empfangen, um sie zu leben und um Zeugen zu sein im hier und heute.
• Der dritte Grund ist es, Ihnen als Söhne Don Boscos unsere Sorge für die Jugend von heute zu versichern. Oft wirken sie wie Schafe ohne Hirten. Wir antworten in diesen “Notfällen in der Erziehung”. In einer Welt, voller Widersprüche, versuchen wir den Bedürftigen zu antworten, die Rechte des Einzelnen zu verteidigen. Dabei möchten wir Apostel der Jugend sein. Wir wollen ihnen vermitteln, dass das Leben ein Weg ist zu Menschlichkeit, emotionaler und spiritueller Reife, wie es in der Bibel festgehalten ist. Wir möchten den jungen Menschen das Recht sichern, über Jesus zu erfahren und seinen Plan für ein erfülltes Leben. Wir wollen sie offen machen für die Erfahrungen der Kirche. Außerdem möchten wir ihnen die Schönheit der Berufung mit und zu Gott zeigen, vor allem im priesterlichen Leben.
Besonders bitten wir Sie, Heiliger Vater, während wir Ihnen unsere Gebete für den Nachfolger Petri versichern, um den Segen für unsere geliebte Gemeinschaft, im Besonderen für unsere Mitbrüder im Bischofsamt, die nur einfache Diener des Volkes Gottes sein wollen, Arbeiter im Weingarten des Herrn, die leidenschaftlich das Königreich Gottes suchen. Wir versichern Ihnen unsere Treue, wir drücken unseren Glauben aus in den gekreuzigten und auferstandenen Herrn und wir versprechen Ihnen noch einmal unsere ganze apostolische Verbundenheit.
Möge der Geist des Pfingstfestes, Ihr Herz erfüllen und unsere Herzen mit dem Feuer der apostolischen Leidenschaft Don Boscos, das er in seinem Leitsatz ausdrückt: „Herr gib mir Seelen, alles andere nimm.” Möge Maria, die Gottesmutter und Helferin der Christen, uns allen Mutter, Lehrerin und Führerin sein.
In tiefer Zuneigung und Gehorsam
Don Pascual Chávez Villanueva SDB
Generaloberer der Salesianer Don Boscos Turin, am 24. Mai 2010