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„Eine menschliche Katastrophe“– Gedanken des Leiters der Don Bosco Mission zum Hilferuf aus Sri Lanka

Veröffentlicht am: 28. Mai 2009

"Sicherlich haben Sie in den Nachrichten der letzten Tage von der Flüchtlingskatastrophe auf Sri Lanka gehört. Das vermeintliche Ende des Bürgerkriegs hat hunderttausende Menschen zur Flucht gezwungen. Wir stehen seit Wochen in engem Kontakt zu meinen Mitbrüdern auf der Insel. Ihre über 60jährige Präsenz hat sie zu wichtigen Partnern von internationalen Hilfsorganisationen werden lassen. So hat ihnen die Regierung die Versorgung eines Flüchtlingslagers in Ananda Kumara übertragen.

Unsere Mitarbeiterin Roswitha Maus berichtet uns aus Negombo, der Hauptstadt des Landes:

Alleine im April sind 144.000 Menschen in die 43 auf der Insel verteilten Lager geflohen. Die Flüchtlinge werden im Lager registriert, dürfen dann das Lager aber nicht verlassen. Sie sind quasi hier gefangen. Sie können sich nicht gegenseitig besuchen, auseinandergerissene Familien wissen oft nicht voneinander, Kinder sind getrennt von den Eltern, eine furchtbare Situation.Viele leben in notdürftig zusammengezimmerten Unterständen, tausende schlafen aber noch unter freiem Himmel. In manchen Zelten, die für fünf Personen gedacht sind, leben 18 Menschen. Strom gibt es nicht, die Wasserversorgung ist dürftig, gleiches gilt für die medizinische Versorgung. 80% der Flüchtlinge sind Kinder, Jugendliche und Frauen. Sie haben nur das, was sie am Leib tragen. Hinsichtlich der Verpflegung erhalten sie eine Mahlzeit am Tag. Sie sind auf das angewiesen, was an Nahrungsmitteln von außen hereinkommt. Die Menschen vegetieren praktisch dahin.

Das Lager um das sich die Salesianer kümmern, liegt an der Straße von Vavuniya nach Murunkan. 14.000 Menschen leben hier. Dies ist ein sogenanntes „Long-Term-Camp“. Die Menschen in dem genannten Lager werden ein bis drei Jahre dort bleiben, bis die Entminung der Region abgeschlossen ist.
Man möchte im Lager mehrere Gemeinschaftsküchen einrichten, in denen jeweils Mahlzeiten für 700-800 Personen zubereitet werden können. Zur Zeit sind die Menschen teilweise drei Tage ohne Nahrung. Ferner sollen menschenwürdige Unterkünfte geschaffen werden, die für jeweils zwei Familien mit bis zu 12 Personen gedacht sind. Weiterhin müssen Zufahrtswege eingerichtet werden.
Außerdem sollen sogenannte "Shelter Boxes" zur Verfügung gestellt werden, die folgendes beinhalten: ein Zehn-Personen-Zelt, Bettlaken, Mittel zur Wasserpurifizierung, Kochutensilien, ein Campingkocher sowie einige Werkzeuge und Kochgeschirr. Eine solche Box würde rund 150 Euro pro Stück kosten. Zur medizinischen Versorgung sollen zwei mobile Ambulanzen beschafft werden, dazu sind je ein weiblicher und ein männlicher Arzt nötig und mindestens vier Krankenschwestern.
Die Verantwortung für 14.000 Menschen ist eine große Herausforderung für die Salesianer vor Ort. Sie haben uns in Bonn um finanzielle Unterstützung gebeten, um die Menschen optimal zu versorgen. Neben der Hilfe für die Flüchtlinge liegt mir aber noch ein weiteres Projekt am Herzen. Die Regierung Sri Lankas hat uns um die Versorgung von 500 tamilischen Kindersoldaten gebeten. Sie wären andernfalls wie Kriegsgefangene behandelt worden und in ein Gefangenenlager gekommen. Diese Jugendlichen werden nun in unsere Wohnheime und Berufsbildungszentren auf der Insel integriert.

Pater Pinto, der die Aktivitäten der Salesianer in Sri Lanka koordiniert, schreibt: Wir werden unser möglichstes tun, um ihre körperlichen und seelischen Wunden zu heilen. Schmerzhafter als die körperlichen Verletzungen sind jedoch die Wunden der Seele, die Ängste, die Scham über das eigene Tun. Wir wollen ihnen mit qualifizierten Ärzten und Psychologen zur Seite stehen, aber auch mit Geduld, Liebe und der Botschaft der Versöhnung. Bitte schließt sie in eure Gebete ein.
Obwohl die Einrichtungen in Kandy, Nochchiyagama und Negombo über die nötige Infrastruktur verfügen, müssen die Gebäude erweitert und mehr Erzieher eingestellt werden. Pro Monat müssen etwa 50 Euro für die Versorgung eines ehemaligen Kindersoldaten gerechnet werden.
Diese menschliche Katastrophe, die mir Pater Pinto, Bruder Gabriel und Roswitha Maus schilderten, zeigt die zerstörerische Kraft der politischen Auseinandersetzungen. Sie zeigen mir aber auch sehr deutlich, wie wertvoll unsere Don Bosco Einrichtungen auf der Insel sind. Ich danke den Mitarbeitern, die all ihre Anstrengungen den vielen Flüchtlingen widmen. Ich hoffe und bete, dass sie in den kommenden Wochen die Kraft und Ausdauer haben und ihnen unsere Unterstützung ein motivierendes Zeichen der Solidarität sein kann.
Meine Gedanken sind dieser Tage bei den Menschen auf Sri Lanka. Ich danke Ihnen von ganzem Herzen für ihre Unterstützung.
In Verbundenheit
Jean Paul Muller
Leiter von Don Bosco Mission"

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Johannes Bosco wurde am 16. August 1815 in der Nähe von Turin geboren. Sein berühmtes Zitat: "Fröhlich sein, Gutes tun und die Spatzen pfeifen lassen" spiegelt die für ihn und seine erzieherische Tätigkeit kennzeichnende Grundhaltung [...]

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