Felix ist ein moderner Tagelöhner
Bamberg, August 2011 - Felix Arnold ist das, was man früher einen Tagelöhner nannte: Er jobbt ab und zu und bekommt den Lohn für die Arbeit bar auf die Hand. Der 20-Jährige gehört zu den drei ersten Jugendlichen, die das neue Projekt "Zahltag" des Don-Bosco-Jugendwerks Bamberg nützen. Es will arbeitslose Jugendliche an die Arbeitswelt heranführen.
54 Stunden haben die ersten Tagelöhner beim Bamberger Don-Bosco-Jugendwerk im Juli gearbeitet. Felix Arnold (20) war schon elf Mal da. Er gehört zu den Pionieren des Projektes "Zahltag". Es bietet arbeitslosen jungen Leuten die Gelegenheit, tageweise etwas Geld zu verdienen, ohne sich an den "Arbeitgeber" zu binden.
Den Lohn gibt es auf die Hand: 20 Euro für sechs Stunden, 10 Euro für drei Stunden, außerdem ein Frühstück und ein Mittagessen. Felix hat schon so viel Geld zusammen, dass er sich einen Sportauspuff für seinen Roller leisten kann. Bestellt hat er das gute Stück schon, berichtet er Freude strahlend.
Der 20-Jährige überbrückt bei "Zahltag" die Zeit bis zum Beginn einer Zimmermanns-Lehre, die er voraussichtlich im September beginnt. Er ist also keiner jener "Null Bock"-Leute, für die das Jugendwerk der Salesianer Don Bosco in erster Linie das Projekt ins Leben gerufen hat.
Seit 1. Juli kümmern sich Christian Salomon als Projektleiter und Petra Heckel, im Jugendwerk zuständig für den Hochseilgarten, Events und das Marketing, um das neueste jugendpädagogische Angebot des Ordens. Der Bamberger Gesamtleiter Emil Hartmann geht davon aus, dass es in der Region 150 bis 200 potenzielle Kandidaten für "Zahltag" gibt: Junge Leute, die mit der Schule fertig sind, keine Arbeit oder Ausbildungsstelle haben und in keinem anderen Förderprojekt untergebracht sind. Sie speziell möchte das Jugendwerk mit der Möglichkeit, stunden- und tageweise zu arbeiten, erreichen. Sie sollen erleben, dass es Spaß machen kann, zu arbeiten und Geld zu verdienen. Im Idealfall gelingt es, auch die so genannten hoffnungslose n Fälle in die Arbeitswelt zu integrieren. Das wünschen sich die Projekt-Verantwortlichen.
Niemand, der kommt, müsse fürchten, dass "Drecksarbeit" auf ihn wartet, versichern Hartmann und Solomon. Man schaue schon, was einer gerne macht und wo seine Stärken liegen. Die jungen Leute sollten schließlich so eingesetzt werden, dass sie neben ein paar Euro auch mehr Selbstvertrauen bekommen.
Dienstleistungen für jedermann ist ein Standbein von "Zahltag". Ein weiteres sind drei große Ballons als Werbeträger. Einer wird am Wochenende ein Brautpaar im Landkreis Bamberg überraschen: Freunde haben ihn gemietet.
Für Anlässe aller Art hält man zudem eine mobile Kletterwand samt Kriechhöhle feil. "Zahltag" bringt und betreut die Anlage, die in einem Kfz-Anhänger verstaut werden kann. Das Mobil kostet wenigstens 700 Euro Miete am Tag. Das ist viel Geld für nichtkommerzielle Interessenten, räumt Hartmann ein, ist um einen Lösungsvorschlag aber nicht verlegen: Wenn ein Verein oder eine Schule einen Sponsor für das Klettermobil auftut, dann werde man am Einsatzort auf einem Ballon Werbung für den Geldgeber machen.
Wer an "Zahltag" interessiert ist, meldet sich einfach unter der Telefonnummer 0176/ 19657046.
(Fränkischer Tag, 08.08.2011, Jutta Behr-Groh, Foto: Michael Gründel)
Foto: Christian Salomon ist Projektleiter von "Zahltag".