Frauenpower im Jugendhilfezentrum Don Bosco Sannerz
Sannerz – „Mein Wunsch war schon immer in Don Bosco zu arbeiten.“ Mit diesem Satz und einem lachenden und weinenden Auge verabschiedete sich Anette Deuker von der Wohngruppe Turin. Die Erzieherin mit der lebensfrohen Ausstrahlung erhielt ein dreijähriges Stipendium, um an der FH Darmstadt Sozialpädagogik zu studieren.
Es steht nicht nur auf dem Papier, dass Fort- und Weiterbildung als ständiges und notwendiges Qualitätskriterium im Jugendhilfezentrum (JHZ) Don Bosco Sannerz groß geschrieben wird. Hinter dem Slogan „Damit das Leben junger Menschen gelingt“ verbirgt sich eine Vielfalt an Problemlagen der Jugendlichen, die eine ständige Erweiterung von Kompetenzen der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erforderlich macht. Etwa 80 junge Menschen werden in vier handwerklichen Ausbildungsbereichen ausgebildet. Davon besuchen 24 Jugendliche die Schule für Erziehungshilfe und für etwa 45 Jugendliche steht ein Wohnplatz in einer Wohngruppe oder einer anderen betreuten Form des selbständigen Wohnens zur Verfügung. Für jeden Einzelnen gilt es, den richtigen Weg zu finden., dass sie lernen, ihr „Leben selbst in die Hand zu nehmen“.
Schon zwei andere Mitarbeiterinnen aus den Bereichen Ausbildung und Schule konnten in den letzten Wochen besondere Abschlüsse erzielen.
Kerstin Hermann arbeitet seit ca. zwei Jahren im Ausbildungsbereich Küche und Service als Teilzeitkraft. Ihre Erstausbildung absolvierte sie als Köchin, später qualifizierte sie sich als Hauswirtschaftsleiterin. Im Jugendhilfezentrum hat sie durch diese Doppelqualifikation aber vor allem auch durch ihre freundliche, geduldige und wertschätzende Haltung überzeugt. Kerstin Herrmann macht die Arbeit Spaß, aber sie will mehr und hat es in Angriff genommen: Ende Oktober hat sie ihre Ausbildereignungsprüfung geschafft.
Die „Missio canonica“ und damit die Befähigung zur Erteilung des Religionsunterrichts hat Andrea Dill nach zweijähriger intensiver Weiterbildung erreicht. Sie ist von Haus aus Sozialarbeiterin und arbeitete viele Jahre im Gruppendienst und als Gruppenleitung. Seit vier Jahren ist sie in der Schule des JHZ tätig und vor zwei Jahren wurde ihr die Lehrerlaubnis vom Staatlichen Schulamt für die Unterrichtung an der Schule für Erziehungshilfe erteilt. Religion ist für sie nicht einfach nur ein Fach, das laut Lehrplan zu unterrichten ist, sondern ein Herzensanliegen. Die zweifache Mutter engagiert sich auch im Pastoralarbeitskreis der Einrichtung und bereitet Gottesdienste und Frühschichtandachten mit vor.
Anette Deuker schließlich hat einen ganz anderen Weg eingeschlagen. Die Erzieherin ist seit neun Jahren in der Betreuung im Wohnbereich tätig. Trotz eigener Kinder und einem Pflegekind sowie der Teilzeitbeschäftigung schrieb sie sich an der FH Darmstadt für das Online-Studium Sozialpädagogik ein. Im November überraschte sie die Einrichtungsleitung mit der Nachricht, dass sie für drei Jahre ein Stipendium über das Bundesministerium für Bildung und Forschung erhält. „Ich dachte, ich bin doch schon viel zu alt, um gefördert zu werden“, meint sie. Die Studienstifter und Einrichtungsleiter P. Harings sind da aber anderer Meinung. Auch wenn ihr der Abschied sichtlich schwer fiel, es ist ja nur ein Abschied auf Zeit.
(rk)