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„Jedes arbeitende Kind ist eins zu viel“ – Internationaler Tag gegen Kinderarbeit am 12. Juni 2009

Veröffentlicht am: 12. Juni 2009
„Jedes arbeitende Kind ist eins zu viel“ – Internationaler Tag gegen Kinderarbeit am 12. Juni 2009

Bonn/Kalavasal, den 10. Juni 2009: „Jedes Kind, das arbeitet, ist eins zu viel“, sagt Silvia Cromm, Projektreferentin des Bonner Kinderhilfswerks Don Bosco JUGEND DRITTE WELT entschieden. Vor wenigen Wochen noch war sie in Kalavasal/Indien und hat dort Projekte für ehemalige Kinderarbeiter und Fabriken besucht.
Nach Angaben der Internationalen Arbeiterorganisation ILO arbeiten mehr als 200 Millionen Kinder weltweit. 126 Millionen von ihnen unter ausbeuterischen Bedingungen. Fast ebenso viele besuchen keine Schule. Kinderarbeiter arbeiten in Steinbrüchen und Feuerwerksfabriken, in der Landwirtschaft und als Dienstmädchen in Haushalten, größtenteils in den Entwicklungs- und Schwellenländern Asiens, Afrikas und Lateinamerikas. Aber auch Soldaten, Prostituierte und Drogenschmuggler sind oft Minderjährige.
Kinderarbeit beeinträchtigt die schulische Ausbildung und schädigt viele Minderjährige nachhaltig durch eine körperliche und seelische Überforderung. Sind auch die Zahlen arbeitender Kinder in den letzten Jahren rückläufig und Kinderarbeit in Indien in den meisten Erwerbssektoren seit über 20 Jahren offiziell verboten, muss dennoch viel getan werden.
Schulprogramme und Aufklärungsarbeit verringern Kinderarbeit in Indien
„Das Gebiet um Kalavasal ist durchzogen von Feuerwerks- und Streichholzfabriken“, so Cromm, „Vor einigen Jahren noch arbeiteten zahlreiche Kinder direkt in den Fabriken. Heute trifft man dort fast nur auf erwachsene Arbeiter“. Bewusstseinsbildung, Ausbildungsprogramme und verschärfte gesetzliche Regelungen haben die Anzahl der arbeitenden Kinder in der Region reduziert.
„Aber auch heute noch arbeiten Kinder in den Fabriken, die sich bei Kontrollen in den umliegenden Büschen verstecken“, so Cromm. Besonders hoch sei die Anzahl arbeitender Kinder bei Mädchen unter 14 Jahren. „Sie tragen bei der Arbeit einen Sari, mit dem sich in Indien sonst nur erwachsene Frauen kleiden. Ihr genaues Alter ist dann kaum auszumachen“.
Aber auch Änderungen in der Produktion erschweren genaue Angaben über arbeitende Kinder. Ein Großteil der Produktion wird inzwischen in Heimarbeit geleistet. Offiziell sind es die Eltern, vor allem die Mütter, die die Arbeit ausführen. Wie viele Kinder aber in Wirklichkeit die Arbeiten leisten, lässt sich schwer nachweisen.
In dem Dorf Madankovilpatti besuchte Cromm Familien, die in Heimarbeit Streichholzschachteln mit Streichhölzern füllen. Bezahlt wird nach Stückpreis, umgerechnet 20 Cent für das Abfüllen von 1.000 Schachteln, was geübte Arbeiter in drei Stunden schaffen. „Fast in jedem Haus sieht man Frauen und Kinder mit Streichhölzern arbeiten. Auch wenn die Arbeit vergleichsweise einfach ist, nimmt sie vielen Kindern die Möglichkeit für die Schule zu lernen oder überhaupt eine Schule zu besuchen“.
Doch gerade Schulbildung ist es, die einen Ausbruch aus der Armut möglich macht. Hier setzen die Salesianer Don Boscos mit speziellen Programmen für Kinderarbeiter an. In Kalavasal besuchte Cromm ein Don Bosco Drop-Out-Center, das bis zu 90 ehemaligen Kinderarbeitern das Nachholen des Schulabschlusses der 10. Klasse ermöglicht. „Die Kinder sind alle auf einem unterschiedlichen Lernniveau, deshalb wird der Unterricht individuell an ihren Wissensstand angepasst“, so Cromm. 30% der Schüler, die den Abschluss schaffen, wechseln danach auf eine weiterführende Schule. Doch auch Schüler ohne Abschluss erhalten eine Chance: In speziellen Ausbildungslehrgängen erlernen sie Fähigkeiten, mit denen sie später einen besseren Job erwerben können, z.B. im Druckereihandwerk oder als Elektriker.
Die schulische Wiedereingliederung ehemaliger Kinderarbeiter allein ist nicht genug, um Kinderarbeit langfristig zu bekämpfen. Präventiv leisten die Salesianer deshalb Aufklärungsarbeit und schulische Unterstützung. In 23 Dörfern um Kalavasal wurden im letzten Jahr Programme zur Bewusstseinsbildung durchgeführt. Nicht nur die Kinder, sondern auch die Eltern und Unternehmer werden über die Folgen von Kinderarbeit und die Notwendigkeit von Schulbildung aufgeklärt. In speziellen Förderkursen erhalten die Kinder in den Dörfern zudem Förderunterricht und Hausaufgabenhilfe. Dadurch verringert sich das Risiko, dass sie wegen schlechter Noten und nichtbestandener Prüfungen die Schule abbrechen und schon früh zu arbeiten beginnen. Stipendien-Programme fördern zusätzlich den Schulbesuch von Kindern aus armen Familien.
„Wir dürfen uns von über 200 Millionen Kinderarbeitern weltweit nicht entmutigen lassen“, sagt Cromm, „denn Projekte wie das Drop-Out-Center in Kalavasal zeigen, dass Kinderarbeit nachhaltig bekämpft werden kann, wenn die Eltern aufgeklärt werden und Kindern der Schulbesuch ermöglicht wird“.
Fotos zum Download

(Text: as, Bild: A. Mesli)

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