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Leben mit der Mauer – Jugendliche in Palästina

Veröffentlicht am: 25. August 2009
Leben mit der Mauer – Jugendliche in Palästina

Am frühen Morgen des 13. August 1961 begannen Grenzpolizisten damit, eine Mauer aus Stacheldraht und Betonpfeilern mitten durch Berlin zu ziehen. Heuer jährt sich der Fall der Berliner Mauer zum 20. Mal – ein Freudentag. Leider gibt es auch heute nach dem Fall des Eisernen Vorhangs in Europa noch viele Mauern auf der Welt. Eine besonders grausame Mauer verläuft quer durch das heilige Land und trennt nicht nur Israelis von Palästinensern, sondern auch palästinensische Familien, Gehöfte und Weidegrundstücke.
Ein Mitarbeiter der Don Bosco Mission, Thomas Gerhards, sprach in Bethlehem mit einem jungen palästinensischen Studenten. Jamal steht kurz vor einem erfolgreichen Uni-Abschluss und hat doch allen Grund, die Zukunft zu fürchten. Wenn die Lage in Palästina schon vor dem Mauerbau schlecht war, ist sie nun regelrecht verzweifelt. Ohne Ausbildung haben Jugendliche hier keine Chance.
Jamal erzählt von seinem Leben und den Schwierigkeiten, die die Mauer mit sich bringt: „Ich bin 25 Jahre alt, katholisch und lebe in Bethlehem. Die Salesianer habe ich über die offene Jugendarbeit im Oratorium kennengelernt, das ich als Kind und Jugendlicher gerne besucht habe. Von 1999 bis 2002 habe ich dann die Don Bosco Schule mit Schwerpunkt Elektrotechnik besucht und 2002 abgeschlossen. Zunächst konnte ich keine Arbeit finden oder studieren, weil durch die Intifada und die isolierte Lage von Bethlehem alles versperrt war. Ich konnte dann später an der staatlichen Technischen Hochschule in Hebron ein Studium der Elektrotechnik aufnehmen, das ich hoffentlich Ende des Monats abschließen werde – am 20. Juni ist das Examen.
Neben dem Studium jobbe ich bei einem Obsthändler. Ich bin zuversichtlich, danach eine Arbeit zu finden, am liebsten als Lehrer in einer technischen Schule. Aus meiner Sicht ist die Don Bosco Schule die Nummer Eins im Land und im Vergleich zu den anderen sechszehn technischen Sekundarschulen in Palästina bei Weitem die Beste. Hier bei Don Bosco habe ich viele praktische Kenntnisse erworben, die den anderen Mitstudenten an meiner Uni fehlen. Zum Beispiel sind mir Stromkreislaufdiagramme vertraut und ich kann Schaltungen nach Plan verdrahten und in Betrieb nehmen.
Das Leben hier in Palästina ist nicht einfach: Die Gehälter sind weitaus niedriger als in Israel. Ein Techniker verdient vielleicht um die 300 Dollar pro Monat, aber die Lebenshaltungskosten sind wie in Israel, da praktisch alle Güter von dort eingeführt werden. Wie soll ich da satt werden? In Israel verdient man weitaus mehr – zahlt aber dieselben Preise. Die Grenze darf ich nur mit einer Sondergenehmigung überschreiten, die ich vielleicht einmal im Jahr erhalte. Durch den Bau der Sperrmauer zwischen Jerusalem und Bethlehem wurde auch meine Familie getrennt. Die Besuche hier in Bethlehem sind auch erschwert worden, sodass uns nur das Telefon bleibt. Wenn ich ins Ausland reisen möchte, dann muss ich über Jordanien reisen. Früher haben viele aus Bethlehem in Israel gearbeitet und ein Auskommen gehabt. Das geht heute nicht mehr. Ich glaube kaum, dass sich das bessern wird. Was wir in Palästina am meisten brauchen, ist mehr Bewegungsfreiheit. Das macht mich manchmal ganz schön wütend.“
(Don Bosco Mission)

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