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P. Karl Oerder feiert 50 Jahre priesterlichen Dienst

Veröffentlicht am: 01. Juli 2011
Foto: Walter Möbius

Am Sonntag, den 3. Juli 2011, feiert P. Karl Oerder SDB in Bonn das seltene Fest des Goldenen Priesterjubiläums. Den Festgottesdienst hält Kardinal Raffaele Farina SDB aus Rom, Leiter der Päpstlichen Archive. Der Journalist Marcel Bauer zeichnet die einzelnen Lebensstationen Pater Oerders nach.
Es gibt hierzulande wenige Menschen, die über einen so langen Zeitraum so viel von der Welt aus einer so ungewöhnlichen Perspektive gesehen haben: Karl Oerder hat über 60 Länder der Erde besucht und dabei keinen Kontinent ausgelassen. P. Oerder hat sie nicht wie ein Tourist oder ein Geschäftsreisender besucht sondern eher wie ein Kundschafter von Gottes Gnaden, der in unwegsamem Gelände nach neuen Wegen und Lösungen sucht. Er verstand sich immer als Apostel, „aber einer der in beide Richtungen wirkte: Wenn er irgendwo hinreiste oder von irgendwo heimkehrte, hatte er immer etwas im Gepäck.“
Karl Oerder stammt aus dem Oberbergischen Land. Er wuchs als Kind katholischer Eltern zusammen mit vier Geschwistern auf. Von Hause aus gelernter Chemielaborant ist Karl Oerder von Jugend an geübt im Forschen und Sammeln: „Ich suchte nach kleinen Details und den großen Zusammenhängen,“ sagt er über sich selbst. Von 1942 bis 1947 arbeitete er in einem Sprengstofflabor, wo es häufiger zu tödlichen Unfällen kam. „So erfuhr ich früh wie begrenzt und bedroht das menschliche Leben immer ist.“
1953 trat Karl Oerder in den Orden der Salesianer Don Boscos ein und legte 1956 die Ewigen Gelübde ab. Schon während des Praktikums fielen den Ordensoberen die Kontaktfreudigkeit, die rednerische Begabung und der unbändige Optimismus des Novizen auf. Am 29. Juni 1961 feierte er in Ensdorf in der Oberpfalz seine erste Heilige Messe. Alleiniger Gegenstand seiner Neugier und seiner Interessen waren fortan Kinder, denen man die Hoffnung geraubt hatte, bevor sie noch keimen konnte, kleine geschundene Kreaturen in aller Welt, deren Leben beendet schien, bevor es noch begonnen hatte. Die Welt, wie sie sich P. Oerder erschloss, hatte immer einen begrenzten Blickwinkel. „Seine Perspektive war immer die von unten nach oben.“ Karl Oerder sah die Welt immer mit den Augen eines Kindes.
Über viele Jahrzehnte arbeitete P. Karl Oerder auf allen wichtigen Baustellen seines Ordens. „Ihm wurden schon in jungen Jahren wichtige Ämter anvertraut,“ sagt sein späterer Nachfolger als Missionsprokurator Jean-Paul Muller, „und immer meisterte er sie mit Kreativität und Optimismus.“ Das verwundert insofern, als das Weltbild Karl Oerders, Jahrgang 1928, in den unmittelbaren Nachkriegsjahren mit ihren vermeintlichen Gewissheiten und Frontstellungen geprägt wurde. Auch wenn seine eigenen Überzeugungen nie zu wanken schienen, blieb er immer ein Pragmatiker, der ohne Scheu und mit viel Sympathie auf andere Menschen zuging, besonders auf solche, die andere Überzeugungen hatten.
Karl Oerder beteiligte sich maßgeblich am Wiederaufbau der der Norddeutschen Ordensprovinz der Salesianer Don Boscos. Von 1964 bis 1978 war er Provinzvikar und Provinzial seines Ordens. Eine wichtige Rolle spielte er beim 21. Generalkapitel des Ordens im Jahre 1978, als die Salesianer Don Boscos ganz beflügelt vom Geist des Konzils zum ersten Mal ihren Blick auf Afrika richteten. Als Moderator der Konferenz erteilte Oerder gegen Ende der Tagung dem einzigen anwesenden Afrikaner das Wort. Während die Delegierten schon dabei waren ihre sieben Sachen für die Heimfahrt zu packen, lud Pater Jacomo Ntamitalizo seine „geliebten Mitbrüder“ mit einigen wenigen Sätzen nach Afrika ein. Das vermeintliche „Schlusswort“ sollte eine wichtige Wende in der Ordensgeschichte einläuten, denn heute ist der Salesianerorden an sozialen und humanitären Brennpunkten in 25 afrikanischen Ländern aktiv.
Von 1978 bis 2003 leitete Karl Oerder die Don Bosco Mission in Bonn. Gleichzeitig war er Pfarrer in St. Winfried mitten im Bonner Diplomatenviertel, was ihm half zahlreiche Kontakte über die kirchlichen Kanäle hinaus in die säkulare Welt zu knüpfen. Zusammen mit den kirchlichen Hilfswerken stieß er viele bahnbrechende Sozial- und Ausbildungsprojekte in aller Welt an. Als Gründungsmitglied von „Don Bosco JUGEND DRITTE WELT“ baute er die Zusammenarbeit mit öffentlichen Geldgebern wie dem Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) oder der Europäischen Union auf. Mit den Jahren verfügte er über ein enges Netz beruflicher Verbindungen und privater Freundschaften, die sich als sehr segensreich für seine Projektpartner in aller Welt erwiesen.
Als Missionsprokurator unternahm er zahllose Reisen nach Asien, Afrika und Lateinamerika, nach dem Fall des Eisernen Vorhangs auch nach Osteuropa. Seine Erfahrungen als „Globetrotter“ hat er in vielen Büchern und selbst gedrehten Filmen festgehalten. Im Mittelpunkt stehen immer Kinder in allen Lebenslagen. Um deren Schicksal zu schildern und womöglich zu wenden, war ihm kein Weg zu weit und zu beschwerlich.
Mit seinem alten Freund Prof. Dr. Walter Moebius sucht Karl Oerder im süd- und mittelamerikanischen Regenwald nach den Resten der Ureineinwohner des Subkontinents. Die „Indigenes“ sind seine letzte große Leidenschaft. Ihn ärgert als intimer Kenner der Materie, dass in den modernen Medien mit ihren missionskritischen Ansätzen viel Unsinn über Ureinwohner Amerikas und die frühe Missionstätigkeit berichtet wird. Er will noch dafür sorgen, dass einige von vielen Fehl- und Vorurteilen ausgeräumt werden. Karl Oerder hat offenbar nicht die Absicht sich „vorzeitig“ aufs Altenteil zu begeben.
(Marcel Bauer)
Foto: Walter Möbius

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