„Projekt Bären-Chance“
Lizenz zum Schuleschwänzen? Mit einem sehr ungewöhnlichen Konzept möchte das Don Bosco Jugendwerk Nürnberg gemeinsam mit dem Förderzentrum im Stadtteil Muggenhof Schüler/-innen der achten Klasse erreichen, die gerne mal der Schule fernbleiben oder sich nicht auf den Unterricht konzentrieren können.
Die Jugendlichen dürfen zu bestimmten Zeiten die ungeliebte Schule gegen die Fahrradwerkstatt des Jugendwerks tauschen. Doch gelernt wird selbstverständlich auch hier. Leitgedanke des Projekts ist, es den Teilnehmer/-innen über das Medium Fahrradwerkstatt leicht zu machen, wieder Interessen und Aktivitäten zu entfalten. Die meisten Jugendlichen besitzen schließlich ein Fahrrad; der Gegenstand des Lernens ist in der Werkstatt mithin nicht so abstrakt wie im Klassenzimmer. Die gemeinsame Arbeit an den Fahrrädern ist geeignet, um – quasi nebenbei – Schlüsselkompetenzen wie Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit, zielgerichtete Arbeitsplanung und Arbeiten im Team zu trainieren. Doch natürlich steht auch die Vermittlung von fachlichen Fertigkeiten auf dem Programm: Materialkunde, der Umgang mit Spezialwerkzeugen und Kleinmaschinen sowie Arbeitsschutzregeln. Die Projektmitarbeiterin ist nicht nur Sozialpädagogin, sie verfügt durch ihre jahrelange Erfahrung in einer Fahrradwerkstatt auch über genaue Sachkenntnise.
Das Konzept ging auf. Alle vorgesehenen sechs Plätze konnten mit Schüler/-innen besetzt werden, die das Angebot, während der Unterrichtszeit in der Fahrradwerkstatt zu arbeiten, begeistert annahmen. Die drei Mädchen und drei Jungen zeigen großes Engagement, obwohl genau das von Ihnen verlangt wurde, was sie beim regulären Schulbesuch verweigert hatten. Volle Aufmerksamkeit von 08:00 bis 13:00 Uhr, Kooperation und Leistungsbereitschaft. Anfangs wurden die Jugendlichen noch von einer Betreuungsperson der Schule begleitet, später was das nicht mehr erforderlich. Die Werkstattleiterin band die Schüler/-innen von Anfang an eng in die Arbeitsabläufe ein. So hatten sie schnell handfeste Erfolgserlebnisse, die natürlich die ohnehin schon vorhandene Motivation noch weiter entfachte. Am Ende stellten sich alle Teilnehmer/-innen einer Prüfung, die sie ausnahmslos bestanden. Die Ereignisse in der Werkstatt wurden abschließend in einer Feedbackrunde von Schüler/-innen, Werkstattleitung und Schulbetreuung gemeinsam reflektiert und rundum positiv bewertet. Der Name des Projektes ist übrigens begründet durch die direkte Nähe des Förderzentrums zur sogenannten Bärenschanze.
(Michael Batz)
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