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Provinzial P. Josef Grünner SDB nimmt Stellung zur Diskussion um die Jugendgewalt

Veröffentlicht am: 29. Januar 2008
Provinzial P. Josef Grünner SDB nimmt Stellung zur Diskussion um die Jugendgewalt

Wie sehen Sie die aktuelle Diskussion um das Thema Jugendgewalt in der Öffentlichkeit? Wird hier überhaupt noch sachlich argumentiert?

P. Josef Grünner: Wie das Thema Jugendgewalt derzeit und vor allem zu Beginn des Jahres von Politikern öffentlich behandelt wird und wurde, wird zu Recht von vielen Seiten kritisiert. Es ist unverantwortlich, ein so differenziertes und sensibles Problem gnadenlos für Wahlkampfzwecke einzusetzen. Auf Kosten von Minderheiten werden Ängste geschürt und mit der Forderung nach härteren Strafen für gewalttätige junge Migranten soll dem Bedürfnis nach Sicherheit Rechnung getragen werden. Dieses Handeln ist meiner Meinung nach auch ein Ausdruck von Hilflosigkeit im Umgang mit schwierigen jungen Menschen.

In den Medien wurden verstärkt Forderungen nach einer Verschärfung des Jugendstrafrechts laut. Was fordern Sie als Ordenschrist und Provinzial einer der größten Ordensgemeinschaften, die sich weltweit für die Belange von Jugendlichen einsetzt?

P. Josef Grünner: Als Christen dürfen wir solchem Handeln natürlich nicht tatenlos zusehen. Das Evangelium fordert uns auf, dem jeweiligen Menschen gerecht zu werden, d. h. ihn nicht einfach nur für sein Fehlverhalten zu verurteilen, sondern auch nach den Ursachen seines Handelns zu fragen und mit ihm einen angemessenen Weg zu suchen, der Gewalt überwinden und künftig vermeiden hilft. Schärfere Bestrafungen sind dabei für Jugendliche sicher keine große Hilfe und schon gar kein Fortschritt. Schon Don Bosco hat sich übrigens vor gut 150 Jahren in Turin erfolgreich gegen ein damals bereits verbreitetes „repressives System“ im Umgang mit jungen Menschen gewandt. Er war überzeugt, dass viele jugendliche Straftäter nur deshalb auf eine schiefe Bahn gerieten und davon nur schwer wieder weg kamen, weil sie keine guten Lebens- und Entwicklungsbedingungen und keine Perspektiven hatten, weil sie nicht geliebt und nicht geachtet waren, weil sie nur bestraft und abgeschoben statt erzogen und gebildet wurden.

Wie hätte Don Boscos Antwort auf den Ruf nach härteren Strafen für jugendliche Straftäter heute gelautet?

P. Josef Grünner: Seine Antwort auf die Jugendprobleme seiner Zeit war eine präventive Pädagogik mit einem ganzheitlichen Ansatz: er setzte auf schulische Bildung und berufliche Qualifikation; er pflegte einen familiären Stil im Umgang mit den Jugendlichen, der von Vertrauen und Liebe geprägt war; er förderte aktive gemeinsame Freizeitgestaltung in seinen Häusern wie Musik, Sport und Spiel als Mittel gegen Langeweile; er gab der christlich geprägten Werteerziehung als Grundlage für ethisches Handeln einen hohen Stellenwert. Sein Ziel war es, die Jugendlichen zu verantwortungsbewussten Menschen zu bilden. Ich denke, dass sein Ansatzpunkt nach wie vor aktuell ist und auch weitaus angemessener und hilfreicher als der medienwirksame politische Ruf nach einer Verschärfung von Strafen und Sanktionen für gewaltbereite Jugendliche.

Sie sprechen von einer präventiven Pädagogik. Wie setzten die Salesianer Don Boscos dieses Konzept konkret um?

P. Josef Grünner: Wir haben in unserer Deutschen Provinz insgesamt etwa 35 Niederlassungen, in denen wir im Geist und Stil Don Boscos zusammen mit vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für junge Menschen da sind in unterschiedlichen Bereichen der Erziehung und Bildung junger Menschen. In etlichen unserer Einrichtungen arbeiten wir mit sehr schwierigen und belasteten jungen Menschen, in manchen auch mit jugendlichen Straftätern, die dort aber nicht eingesperrt sind, sondern in kleinen Gruppen intensivpädagogisch betreut und fachlich begleitet werden. Wir wollen gerade auch diesen bessere Zukunftschancen ermöglichen, indem wir ihnen einen Schulabschluss und/oder eine berufliche Ausbildung oder zumindest eine Teilqualifikation anbieten. Zum Programm in solchen Gruppen, z.B. im Jugendhilfezentrum „Don Bosco Helenenberg“ bei Trier, gehören auch Trainings zum Aggressionsabbau, viel Sport, Maßnahmen zur Stabilisierung der Persönlichkeit und zur Einübung des Sozialverhaltens. Das scheint uns eine wirksame Hilfe, damit das Leben der jungen Menschen gelingt.

Weitere Informationen zum Jugendhilfezentrum Helenenberg finden Sie hier: http://www.bistumsblatt.paulinus.de/archiv/0804/blickpkt.htm

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