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“Time to say goodbye”: Hildegard Jäger verlässt das Don-Bosco-Gymnasium und wird Schuldezernentin

Veröffentlicht am: 14. Juli 2010
Hildegard Jäger

Es war eine kleine Revolution, als im Februar 2001 der Schulkonferenz des Don-Bosco-Gymnasiums (DBG) Hildegard Jäger als Nachfolgerin von Alois Dautzenberg vorgestellt wurde. Zum ersten Mal sollte die Schulleiterstelle extern besetzt werden und dazu noch mit einer Frau. Dabei waren doch gerade erst zwei Jahre vergangen, dass sich das ehemalige Jungengymnasium für die Aufnahme von Mädchen geöffnet hatte.

Widerstand von allen Seiten, nicht gegen ihre Person, die ja niemand kannte, sondern gegen die Entscheidung an sich, die für viele überraschend kam. Begleitet wurde das Ganze auch noch von einem breiten medialen Spektakel, das den Protest der SV, den Unmut vieler Lehrerinnen und Lehrer sowie Teile der Elternschaft dankbar aufgriff.

Wahrlich keine guten Startvoraussetzungen für die sympathische Bochumerin mit den Fächern Englisch, Geschichte und Pädagogik, deren Wurzeln in Essen und mit der Familie ihres Manns sogar ein Stück weit in Borbeck liegen. Aufgewachsen in Katernberg, legte Hildegard Jäger 1970 ihr Abitur an der Luisenschule in der Essener Innenstadt ab. Nach dem Studium der Anglistik, Geschichtswissenschaft und Publizistik an der Ruhr-Universität Bochum absolvierte sie ihr Referendariat in Wattenscheid. Ab Februar 1977 unterrichtete sie am traditionsreichen Gymnasium am Ostring in Bochum, stieg dort bis zur stellvertretenden Schulleiterin auf und leitete vor ihrem Wechsel an das DBG zuletzt sogar kommissarisch die Schule. Neben Beruf und Familie mit drei Söhnen blieb da nur wenig Zeit für Hobbys; doch eines blieb seit 1985 bestehen - die Begeisterung fürs Laufen.

Mit der Berufung ans Don-Bosco-Gymnasium 2001 musste die begeisterte Ausdauersportlerin nun auch auf schulischem Terrain einen langen Atem beweisen. „Im ersten Jahr möchte ich zunächst beobachten,“ sagte Hildegard Jäger bei ihrem Einstand im Kollegium. Man sah sie in dieser Anfangszeit oft am Rande stehen, für viele auf den ersten Blick nicht präsent– eben beobachtend. Doch mit Ausdauer, Beharrlichkeit, Einfühlungsvermögen, großer Beratungs- und Sachkompetenz, einem Führungsstil, der es auch bei Konflikten jedem ermöglichte sein Gesicht zu wahren, mit Offenheit, Ruhe und ständiger Gesprächsbereitschaft gelang es ihr, die Skepsis mancher Kollegiumsmitglieder zu überwinden. Ihre Türe stand immer offen, unzählige E-Mails und SMS tauschte sie sogar an Wochenenden und in den Ferien mit Lehrern, Eltern und Schülern aus. Und so fragen sich heute viele, warum die beliebte Schulleiterin das Don-Bosco-Gymnasium nach neun Jahren wieder verlässt. Bei der Bekanntgabe ihres bevorstehenden Wechsels schämten sich auch einige ihrer Tränen nicht.

Ihre Antwort ist so klar und konsequent wie ihr bisheriger Lebensweg: „Ich habe schon zu Beginn meiner Amtszeit am Don-Bosco-Gymnasium gesagt, dass ich mir diese Aufgabe für das nächste Jahrzehnt vornehme. Nach nun 35 Jahren im Schuldienst möchte ich noch einmal eine andere Aufgabe übernehmen und dabei die vielfältigen und intensiven Erfahrungen, insbesondere aus den letzten Jahren, mit einbringen.“ Und so tritt Hildegard Jäger zum 1. August eine Dezernentenstelle in der Qualitätsanalyse für Schule im sauerländischen Arnsberg an.

Hildegard Jäger, die die zweitlängste Amtszeit aller bisherigen Schulleiter am DBG hat, blickt auf ein erfolgreiches Direktorat in Borbeck zurück. Gemeinsam mit dem ehemaligen Direktor des St. Johannestiftes – P. Otto Nosbisch – bildete sie ein kongeniales Führungsduo, das sich gleichsam blind ergänzte. Das von ihrem Vorgänger eingeführte Schulleitungsteam – bestehend aus den Studiendirektoren – band sie ebenfalls in die Vorüberlegungen und Entscheidungen zur Gestaltung des Schullebens ein.

Dazu gehören für Hildegard Jäger auch zahlreiche Aktivitäten außerhalb des Unterrichtes. Ob kulturelle, kreative, musische, sportliche oder religiöse Angebote - das Engagement des Kollegiums, von Eltern und Schülern in diesen Bereichen fand bei ihr große Unterstützung. Hildegard Jäger nahm mit ihrer Familie mehrmals an der Familienwintersportfahrt in den Weihnachtsferien teil. Sie initiierte mit ihrem Schulleiterkollegen vom Antoniuskolleg – der zweiten salesianischen Schule in NRW - gemeinsame Fahrten des Kollegiums nach Turin (2002), der Heimat Don Boscos, und Benediktbeuern (2005), zur Ausbildungsstätte der Salesianer. Auch an Kursfahrten der Oberstufe und schulischen Sonderfahrten nahm sie als begleitende Lehrkraft gerne teil.

Höhepunkte ihres Direktorates waren sicherlich die Ausrichtung der internationalen salesianischen Sportspiele 2007 in Duisburg mit fast 1400 Jugendlichen, der große Charity-Lauf „Miles for more“ im gleichen Jahr, die Feierlichkeiten zum 40jährigen Schuljubiläum 2006, sowie der Umbau der Pausenhalle 2008. Doch nicht nur darauf blickt Hildegard Jäger gerne zurück: „Die großen Ereignisse – wie Leuchttürme ragen sie aus dem Alltag heraus; aber genau so wichtig sind die vielen kleinen Begegnungen mit Schülerinnen und Schülern, oftmals in äußerst schwierigen Situationen, die manchmal lang andauernde und intensive Begleitung solcher „Sorgenkinder“, die Freude darüber, wenn diese es dann doch geschafft haben, ihr Tief zu überwinden und sogar ihre Schullaufbahn erfolgreich zu beenden.“

Dem Don-Bosco-Gymnasium wünscht sie, „dass es auch in Zukunft für viele Kinder und Jugendliche mehr sein wird als eine Lernstation, an der man Wissen und Einsichten tankt – dass es ein Haus bleiben wird, in dem nicht nur mit dem Kopf, sondern auch mit dem Herzen gelernt wird. Dann ist mir – trotz demographischen Wandels – um den Bestand des DBG nicht bange.“

Vom DBG nimmt sie nach neun Jahren „viele, viele Eindrücke mit, die mich geprägt haben, nicht nur als Lehrerin und Schulleiterin – auch als Mensch in Kontakt mit sehr vielen Menschen, die mir Freunde geworden sind. Meinem Nachfolger, Lothar Hesse, wünsche ich Gottes Segen, viel Unterstützung in der Schulgemeinde und immer eine glückliche Hand in wichtigen Entscheidungen – eine erfüllte und erfüllende Tätigkeit, wie ich sie neun Jahre lang erleben durfte.“

Hildegard Jäger selbst bleibt dem Don-Bosco-Gymnasium weiter verbunden und hat dabei auch schon einige Termine fest ins Auge gefasst. „Natürlich werde ich zu den großen Ehemaligentreffen kommen, aber auch zu den regelmäßigen Kollegiumstreffen zweimal im Jahr; zu Konzerten und ganz sicher zu den Hausmusikabenden und Schulfesten; mit allen, die ich selbst unterrichtet habe, möchte ich in den kommenden Jahren das Abitur feiern; dank der modernen Kommunikationsmittel auch regelmäßig Sorgen, Nöte und Freuden des Alltags teilen mit allen, die dies wünschen.“
Eine erste Möglichkeit zum Wiedersehen gibt es bereits am Ende der Ferien. Im Innenhof des DBG findet am 28. August ab 19.00 Uhr das große Ehemaligentreffen statt.

(Georg Schrepper)

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