Über 300 Gäste beim diesjährigen Don Bosco Forum in Bonn
Bonn, 24. Januar 2011 - Kardinal Oscar Rodriguez Maradiaga aus Honduras in Mittelamerika sieht in der Globalisierung die Gefahr, dass zwischen Ländern und Kulturen neue Mauern und Zäune errichtet und zwischen Armen und Reichen tiefe Gräben gezogen würden. Auf dem Don Bosco Forum in Bonn sagte er, es sei ein Irrtum zu glauben, dass das wirtschaftliche Wachstum allen Menschen zugutekomme. Das Beispiel der neuen Technologien zeige, dass Arbeitskraft und Kreativität der Armen nach wie vor schamlos ausgebeutet würden, um die Reichen – egal ob diese im Norden oder im Süden dieser Welt lebten - weiter und besser zu bedienen. Der Norden beute zudem nicht nur die materiellen Ressourcen des Südens aus, sondern sauge auch verstärkt dessen menschliche Ressourcen ab.
Der Zusammenbruch des Finanzsystems habe gezeigt, dass viele Banken und Großteile der Wirtschaft auch hierzulande nicht Arbeitnehmern und Kleinsparern verpflichtet seien sondern Großunternehmen und Aktionären. Aus dem Desaster seien keine Lehren gezogen worden, denn immer noch strebe das System nach Maximierung des Profits statt auf die Beschaffung und Sicherung von Arbeit. Kardinal Rodriguez bedauerte, dass in der weltweiten Debatte um eine gerechte Verteilung der irdischen Güter die Stimme der Kirche derzeit kaum Gehör finde, weil sie durch den Missbrauchsskandal großen Schaden erlitten und ihre moralische Autorität vielfach in Frage gestellt werde. Sünde und Versagen dürften für die Kirche aber kein Grund sein sich aus ihrer Verantwortung zu verabschieden. Seine eigene Ordensgemeinschaft, die Salesianer Don Boscos setzten in ihrem Einsatz für eine bessere und gerechte Welt bei der Jugend an, indem sie vielen jungen Menschen über Bildung und Ausbildung eine persönliche Perspektive böten.
Br. Jean-Paul Muller SDB, Vorstandsmitglied von Don Bosco JUGEND DRITTE WELT, der zu diesem Forum eingeladen hatte, erinnerte die über 300 Gäste des Forums daran, dass sich weltweit nicht nur 16.000 Ordensleute für arme und benachteiligte Mitmenschen einsetzten, sondern fast eine Millionen haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter. Davon zeugten auch die 31 Jugendlichen aus aller Welt, die auf Einladung von JUGEND DRITTE WELT nach Bonn gekommen seien, um ihre Erfahrungen in der Jugendarbeit auszutauschen. Sie hätten ihren Anteil daran, dass in ihren Heimatländern Jugendliche aus dem Teufelskreis der Armut aussteigen könnten. Möglich war die parallel laufende Jugendkonferenz aufgrund der finanziellen Unterstützung der Stadt Bonn und der Stiftung Internationale Begegnung der Sparkasse in Bonn.
Muller verwies darauf, dass die Jugend der Auslöser und Motor der tunesischen Revolution gewesen sei, was zeige, dass junge Menschen sich nicht mehr mit verkrusteten Machtstrukturen abfänden, die ihnen jede Aussicht auf ein menschenwürdiges Leben verweigerten. Über alle Schranken der Kultur und Konfessionen hinweg vereine junge Menschen die Sehnsucht nach einer gerechten und solidarischen Welt. Dafür stünden auch die zahlreichen Volontäre von Don Bosco Mission ein, die in 26 Ländern der Erde arbeiteten. Diese Freiwilligen trügen viel dazu bei, das Motto der Jugendkonferenz „My World - One World?!“ zu verwirklichen.
(Marcel Bauer)