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Unbezahlbare Starthilfe für Jugendfirma

Veröffentlicht am: 26. Mai 2011
Freiwillige Helfer der SMC

Bamberg, 19. Mai 2011 – Vom Verlierer zum Unternehmer? Ausgeschlossen ist das nicht mit dem neuesten Vorhaben des Don Bosco Jugendwerks. Es hat die Jugendfirma „Zahltag“ ins Leben gerufen, die voraussichtlich ab 01. Juli mit besonderen Dienstleistungen auf den Markt geht: Sie bringt und baut eine neun Meter hohe Kletterwand und eine 30 Meter lange Kriechhöhle zum Einsatzort ihrer Kunden und vermarktet sechs Großballons als stationäre Werbeträger. Bei der Verwirklichung seiner Idee erhielt der Gesamtleiter des Jugendwerks, Emil Hartmann, Starthilfe von 130 Unternehmensberatern der Siemens Management Consulting (SMC).
Eineinhalb Tage lang vertauschen die im Schnitt 32 Jahre alten Akademiker ihre Büros in München mit Baustellen unter freiem Himmel im Bamberger Teufelsgraben. Statt Kostüm und Anzug trugen sie Jeans und T-Shirts und sie erlebten beim Mauern und Pflastern, Streichen und Sägen, Zimmern und Nähen, Flechten und Baggern nach wenigen Stunden das Ergebnis ihrer Arbeit. Anders als in ihrem Berufsalltag, wo sie in erster Linie Papier produzieren.
„Ich finde das schön, weil man den unmittelbaren Erfolg sieht“, sagte Wirtschaftsinformatiker Volker Albrecht (36), der aus Dörfleins stammt, die Arbeit der Salesianer aus seiner Zeit als Zivildienstleistender kennt und zum wiederholten Mal an einem Sozialprojekt seines Arbeitgebers SMC mitmachte. Andrea Wittmann (31) aus Gundelsheim ist studierte Psychologin und arbeitet als Personalerin bei Siemens. Im Josefsheim war sie zum Nähen einer Ballonhülle eingeteilt, unter Anleitung natürlich. Auch sie schätzt solch ungewöhnliche Einsätze: Einerseits schweiße das ein Team zusammen, andererseits sei es wichtig, Arbeitszeit für benachteiligte Jugendliche und eine sinnvolle, dauerhafte Sache zu investieren. Gutes in Gemeinschaft zu tun findet auch der Betriebswirschafter Martin Lüers (34) gut. Das sei besser, als nur Geld zu spenden.
Albrecht, Wittmann und Lüers sind drei der 130 Helfer, die Albrecht Wild für das Don Bosco Jugendwerk organisiert hat. 2002 war er schon einmal mit einer Gruppe von Siemens-Managern im Josefsheim aktiv; damals legten sie das Freigelände an und bauten u.a. den therapeutischen Hochseilgarten. Neun Jahre später leitete Wild erneut eine unbezahlbare Starthilfe für ein Salesianer-Projekt. Von allen Aufgaben, die an ihn herangetragen worden seien, sei das die reizvollste gewesen, sagt der ehemalige Siemens-Manager.
Wild befindet sich inzwischen im Vorruhestand, ist aber geschäftsführender Vorstand der Active Help Kinderfonds Stiftung geblieben, die SMC im Jahr 2000 ins Leben gerufen hat. Sie führt regelmäßig Aktivprojekte durch, bei denen Sozialengagement und Team-Erlebnisse für die Beschäftigten Hand in Hand gehen. Die größte Herausforderung ist es laut Wild, unterstützenswerte Vorhaben zu finden, die so umfangreich sind, das 130 Leute ausgelastet sind.
Emil Hartmann konnte Wild „helfen“ und genug weitere Baustellen bieten, über die Starthilfe für „Zahltag“ hinaus. Auf diese Weise kamen z.B. der Jugendhilfezirkus Giovanni zu einem Küchencontainer, der Basketballplatz zu einer Tribüne und die Fußballwiese zu einer Flutlichtanlage.
Für Hartmann wie Wild stand der „Zahltag“ im Vordergrund. Die Firma soll von Jugendlichen betrieben werden und nach dem Tagelöhner-Prinzip funktionieren: Am Ende eines Arbeitstages gibt es das Geld auf die Hand. Der Lohn soll wenig mehr sein als das, was die jungen Leute von der Arbeitsagentur bekommen würden, wenn sie dort gemeldet wären. Die, die die Salesianer ab Juli erreichen wollen, sind nirgends erfasst, sagt Hartmann. Es seien die jungen Frauen und Männer, die im Grunde gar nichts tun – die nicht mehr schulpflichtig sind, nicht arbeiten, sich auch nicht arbeitslos melden, in keinem der bestehenden Förderangebote unterzubringen sind. 100 im Alter von 16 bis 23 Jahren dürften nach seiner Schätzung in Stadt und Landkreis Bamberg leben.
Nach dem Motto des Ordensgründers Don Bosco gibt es für die Salesianer keine hoffnungslosen Fälle. Sie sagen, jeder junge Mensch sei es wert, dass man sich um ihn bemüht. Deshalb wurde die Idee der Tagesjobs bei „Zahltag“ geboren. „Lieber arbeiten die einen Tag als gar keinen“, so Hartmann. Er hegt die Hoffnung, dass das Erfolgserlebnis und das selbst verdiente Geld am Ende jedes Arbeitstags doch einige der Jugendlichen erkennen lässt, dass eine längerfristige Tätigkeit ihre Vorzüge hat und sie eines Tages bereit sind, einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz anzutreten.
(aus:Fränkischer Tag, 19.05.2011)

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