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VIKTOR-FRANKL-PREIS FÜR SALESIANERKARDINAL UND CARITAS-WELTPRÄSIDENT RODRIGUEZ
Viktor-Frankl-Preis für Salesianerkardinal und Caritas-Weltpräsident Rodriguez
Kardinal Óscar Andrés Rodríguez Maradiaga SDB in Wien: „Wir müssen den Abgrund überwinden zwischen jenen, die über wirtschaftliche Ressourcen verfügen und denen, die große menschliche Ressourcen haben.
“Einen eindringlichen Appell, die staatliche Entwicklungshilfe massiv aufzustocken und in einer globalisierten Welt solidarisch zu leben, hat Salesianerkardinal und Caritas-Weltpräsident Oscar Rodriguez Maradiaga bei seinem Wien-Besuch von 26.-28. Oktober 2008 gefordert.
Montagabend nahm Rodriguez im Wiener Rathaus den "Viktor-Frankl-Preis" aus den Händen von Elli Frankl entgegen. Die Witwe des 1997 verstorbenen Begründers der Logotherapie, Viktor Frankl, sagte: „Ich möchte Ihnen danken, Sie beschenken andere Menschen.“ Laudatoren waren der italienische Salesianer und Frankl-Schüler Don Eugenio Fizzotti SDB und Salesianerbischof Ludwig Schwarz SDB sowie der österreichische Caritas-Präsident Franz Küberl. Der Große Preis des Viktor-Frankl-Fonds wird für ein Lebenswerk im Bereich einer "sinnorientierten humanistischen Psychotherapie" vergeben. Ausgezeichnet werden Persönlichkeiten, die in Wissenschaft, Lehre oder Therapie international rezipierte, hervorragende Leistungen erbracht haben.
Der Erzbischof von Tegucigalpa (Honduras), sprach auch bei einer europäischen Caritas-Konferenz im Kardinal-König-Haus. Rodriguez äußerte die Befürchtung, dass die OECD-Staaten ihre schon in den 1970er-Jahren eingegangene Verpflichtung, 0,7 Prozent ihres Bruttonationaleinkommens für Entwicklungszusammenarbeit auszugeben, angesichts der Finanzkrise aufweichen würden. Derzeit stellten die Staaten im Schnitt ohnehin erst 0,28 Prozent zur Verfügung. Der Kardinal erinnerte an die vor einem Monat in New York abgehaltene UN-Ministerkonferenz über die Erreichung der Millenniums-Entwicklungsziele bis 2015. Die bisherige Bilanz sehe sehr mager aus. Die globalisierte Welt sei geteilt. Es gebe jene, die massiv profitierten, und jene, die verloren hätten. Den Verlierern werde durch die immer schärferen Abschottungsmaßnahmen der Gewinner zudem noch verboten, aus ihrem Elend zu flüchten. In dieser Situation sei es das Bemühen der Kirche und vieler in der Zivilgesellschaft Engagierter, zu einer Globalisierung der Solidarität zu gelangen, sagte der für den "Global Marshall Plan" tätige Caritas-Weltpräsident. Es gehe um eine gerechte Verteilung der Güter, so dass wirklich niemand ausgeschlossen werde.
Als besonders großes Problem bezeichnete Rodriguez den Klimawandel, der starken Einfluss auf die weltweite Armutsentwicklung hat: "Der Klimawandel macht viel vom Fortschritt in den Entwicklungsländern zunichte". Als Beispiel nannte der Kardinal den verheerenden Hurrikan "Mitch", der 1998 Zentralamerika verwüstete und dabei in seinem Heimatland Honduras 50 Jahre Fortschritt in der Entwicklung rückgängig gemacht habe. Mittlerweile hätten sich die Warnungen von Wissenschaftlern bestätigt, dass solche, von extremen Wetterverhältnissen verursachte Katastrophen zunehmen würden.
Rodriguez forderte deshalb die Regierungen auf, insbesondere im Bereich des Klimawandels über die Millenniumsziele hinaus aktiv zu werden. "Der Klimawandel betrifft alle Menschen, doch die Armen werden von den Auswirkungen ungleich härter getroffen", so der Kardinal: "Es ist paradox, dass gerade die Ärmsten für die von den anderen verursachten Umweltverschmutzung bezahlen müssen". Die internationale Gemeinschaft habe sich dazu bekannt, den Ausstoß von Treibhausgasen bis 2020 um 25 bis 40 Prozent und bis 2050 um 80 Prozent zu senken.
Gründe für ein mögliches Scheitern der Millenniums-Entwicklungsziele sieht der Kardinal hauptsächlich in einem akuten Mangel an Vorstellungskraft über die gemeinsame Zukunft. Dabei übte er Kritik, dass im allgemeinen Denken immer noch die Einteilung in "Dritte Welt" und "Erste Welt" existiere. Die Idee von der "One World" (Eine Welt) müsse sich durchsetzen.
(sw)