Weite Reise ins Ungewisse
Sankt Augustin, August 2011 - "Ja, die Aufregung ist nun da" geben Barbara Walter und Konrad Meier aus Niederpleis mit einem Lächeln zu. Kein Wunder, denn wenn sie am 16. August in Frankfurt in das Flugzeug steigen, startet für das junge Paar das vermutlich größte Abenteuer ihres Lebens. Die 22-jährige Soziologin und der 23-jährige Technikjournalist haben sich entschieden, ein Jahr in die Entwicklungshilfe zu gehen.
Wohin es gehen sollte? Das war dem Paar nachrangig, erklärt Konrad Meier: "Uns interessiert bei der Wahl zunächst das Projekt und die Arbeit mit Menschen, weniger das Zielland, denn jedes andere Land ist schön." Über die Don Bosco Mission in Bonn und gefördert durch das Projekt "weltwärts" des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung wurde ein Projekt der Salesianer Don Boscos in Vijayawada im Südosten Indiens gefunden.
Eine Stadt, in der auf einer Fläche etwas kleiner als Troisdorf nach Hochrechnungen weit mehr als eine Millionen Menschen, mehr als in Köln, leben. Dreh- und Angelpunkt ist der Bahnhof, ein wichtiger Knotenpunkt der Region, erklärt Konrad Meier: "Dort werden wir mit Straßenkindern arbeiten, die rund um den Bahnhof leben oder mit den Zügen von Stadt zu Stadt reisen. Auch Kinder, die unterwegs ihre Eltern verloren haben, werden in dem Projekt betreut."
Doch was das Paar genau erwarten wird, sei kaum vorstellbar, erklärt Barbara Walter: "Wir wurden in drei Wochenend-Seminaren vorbereitet und haben ein zweiwöchiges Praktikum bei den Salesianern Don Boscos absolviert" - "und auf den Kulturschock vorbereitet, dass man seine Erwartungen herunterschraubt und ganz kleine Schritte macht", ergänzt ihr Freund Konrad. Keine Erwartungen zu haben, sei am besten, sagt Barbara Walter, "denn es kommt sowieso alles ganz anders."
Nach monatelangen Vorbereitungen wie Schutzimpfungen, Malaria-Prophylaxe und den üblichen Visa-Formalitäten sind nun auch bereits die großen Rucksäcke gepackt. Mit im Gepäck: Eine große gelbe Tasche. "Die ist ganz wichtig" zeigt Barbara Walter auf die Tasche und ihren Berg an kleinen Memorys, Spielsachen und kleinen Gesellschaftsspielen, die ihnen Freunde auf einer Abschiedsparty als Spenden für das Projekt geschenkt haben.
"Wenn es irgendwie geht, werde ich meine Laufschuhe mitnehmen - auch wenn ich sie vermutlich gar nicht gebrauchen kann" lächelt Barbara Walter, während ihr Freund Konrad am liebsten auch seine Gitarre mit ins Gepäck nähme und scherzt: "Zur Not baue ich mir da unten irgendwie eine." Auf jeden Fall im Rucksack sind Taschenlampen, Kopfbedeckungen und eine große Reiseapotheke.
"Stromausfälle gehören dort zur Tagesordnung und im Sommer kann es passieren, dass das Trinkwasser nur zwei Stunden am Tag fließt" hat Konrad Meier recherchiert. Dafür gebe es etliche Internet-Cafes rund um den Bahnhof, aus welchen man per Email, Telefonie oder sogar Videotelefonie Kontakt nach Deutschland halten werde.
Von dort aus wird das Paar auch seine Internet-Blogs pflegen und berichten, wie man von Deutschland aus ihre Arbeit mit Spenden unterstützen kann: www.einjahrindien.de (Konrad Meier) und www.strassenkinder.de/zehntausendkilometer/ (Barbara Walter)
(Extra-Blatt, 09.08.2011)