Wenn ich groß bin werde ich …? Girls- und Boysday in Sannerz
Ursprünglich war der bundesweite Girlsday als Schnuppertag für Mädchen in typischen Jungenberufen gedacht, um bei jungen Frauen ein stärkeres Interesse für technische und handwerkliche Berufe zu wecken. Die Jungs beschwerten sich, denn auch sie wollten die Möglichkeit nutzen, bereits ab der 7. Klasse Einblick in die Berufswelt zu erlangen – und natürlich einen Tag schulfrei haben. „Typisch Jungs - typisch Mädchen“, das ist in der Arbeitswelt in vielen Bereichen noch immer klar eingeteilt, zumindest in den Köpfen. Noch haben wir zu wenig Erzieher in Kindertageseinrichtungen und Grundschulen. Mädchen in der Tischlerei oder Schlosserei sind die Ausnahme, obwohl sie oft die Besten sind.
Im Jugendhilfezentrum Don Bosco Sannerz ist die Berufsorientierung ein wichtiges Thema, insbesondere für die Schüler der Förderklasse im letzten Schuljahr. In den vier Ausbildungsbereichen Holz, Metall, Farbe und Küche wird an je zwei Tagen der Woche gearbeitet. Nicht nur das Handwerk kennenlernen, sondern vor allem auch Schlüsselqualifikationen für die Ausbildung werden hier trainiert. Pünktlichkeit und Ausdauer stehen ganz oben an und nicht weniger wichtig ist das angemessene Verhalten gegenüber Ausbildern und Kollegen und der Umgang mit Kritik.
Hanna Schreiber, Anke Glock, Tim Steinbacher, Mika Bergmann, Josefine Bode, Anna Korder, Katrin Müller und Martino Dorn wollten den Berufsorientierungstag im Jugendhilfezentrum Don Bosco verbringen. Sie besuchen die 6. und 7. Klasse unterschiedlicher Schulen aus dem Umfeld der Einrichtung. Hanna wollte die pädagogische Arbeit der Schule für Erziehungshilfe kennenlernen, Tim und Mika interessierten sich mehr für die Ausbildungstätigkeit in der Metallwerkstatt, Josefine und Anke backten Kuchen in der Ausbildungsküche, Katrin und Martino wurden von dem Auszubildenden Jens Förster in der Holzwerkstatt angeleitet. Sonja Richter, die in der Schule der Einrichtung vorwiegend für Englisch und Mathematik verantwortlich ist, begleitete die Schüler durch den Tag, führte durch die Einrichtung und vermittelte in die Arbeitsbereiche. Pater Harings lud die jungen Menschen zu Frühstück und Mittagessen in die Kantine ein, so dass sie insgesamt ein rundes Bild von einem ganz normalen Arbeitstag in Sannerz mitnehmen konnten. „Berufsorientierung kann nicht früh genug starten, denn diese Entscheidung wird Euer Leben sehr nachhaltig prägen,“ motiviert Pater Harings. In eigener Sache wünscht sich der Einrichtungsleiter, dass die jungen Menschen ihre Erfahrungen und Erlebnisse im Jugendhilfezentrum in die Schulen transportieren, denn „wir haben hier keine Verbrecher, sondern Jugendliche, die aus unterschiedlichen Gründen aus der gesellschaftlichen Bahn gefallen sind. Wir wollen, dass das Leben junger Menschen gelingt. Dafür brauchen wir engagierte und motivierte Mitarbeiter, aber auch Euch, die Ihr einen Tag ohne Vorbehalte und Vorurteile mit unseren Jungs verbringt.“
(Regina Kriegsmann)
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