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Mutiger Missionar und Glaubensvorbild

"Ich bin gekommen, zu dienen und dafür das Leben zu geben."
(Primizspruch/nach Mt 20,28)

 

40 Jahre nach seiner Ermordung in Meruri (Brasilien) ist das Seligsprechungsverfahren für den Salesianerpater Rudolf Lunkenbein eröffnet worden. Mit Unterstützung des Bischofs von Barra do Garças, Protógenes Luft, wird nun geprüft, wie der gebürtige Oberfranke gelebt hat, welchen Ruf er bei den Gläubigen genießt und welche Wunder auf seine Fürsprache zurückzuführen sind.

Rudolf Lunkenbein starb, weil er sich mit großem Engagement für die Rechte der Bororo-Indianer einsetzte. In den 70er Jahren kam er als Missionar nach Meruri (Bundesstaat Mato Grosso) und kämpfte seitdem dafür, dass den Ureinwohnern weder ihr Land noch ihre Lebensrechte genommen wurden. So initiierte er auch eine Landvermessung, um zu verhindern, dass weiße Siedler das Gebiet der Indianer mehr und mehr okkupierten. Dass dieses Vorhaben auf starken Widerstand stoßen würde, ahnte er bereits im Mai 1976. In einem Brief an seine Eltern schrieb er: "In ein bis zwei Monaten wird das Indianergebiet vermessen und dann wird die ganze weiße Bevölkerung gerichtlich aufgefordert, das Gebiet zu verlassen. In diesen Tagen kann es dann sein, dass es zu Schüssen kommt, einige haben schon gedroht." Und er behielt recht. Am 15. Juli 1976 - also nur wenige Monate später - fuhren etwa 60 Großgrundbesitzer nach Meruri und erschossen Pater Rudolf Lunkenbein sowie den Indianer Simão. Auch für ihn ist ein Seligsprechungsverfahren eröffnet worden.

Diese Seite möchte über diesen mutigen Missionar informieren - über sein Leben, sein Wirken und das Seligsprechungsverfahren.

 

Lebensstationen

Engagement für die Bororo-Indianer

Seligsprechungsprozess

Weiterführende Links

 

Lebensstationen

  • 01.04.1939 Geburt in Döringstadt bei Bamberg
  • 01.09.1952 Aufnahme in das Progymnasium der Salesianer in Buxheim
  • 1958 Beginn des Noviziats in São Paulo (Brasilien)
  • 31.01.1960 erste Profess
  • 1963-1965 Studium der Philosophie in Campo Grande (Brasilien) sowie pädagogisches Praktikum in der Mission in Meruri (Bundesstaat Mato Grosso)
  • 1965-1969 Theologie-Studium in Benediktbeuern
  • 29.06.1969 Priesterweihe in Benediktbeuern
  • 06.07.1969 Primiz in der Heimatgemeinde Döringstadt
  • 1970 Rückkehr nach Meruri
  • 1973-1976 Direktor der Salesianischen Mission in Meruri
  • 15.07.1976 Ermordung
  • 17.07.1976 Bestattung in Meruri (mit dem Zeichen eines Häuptlings des Bororo-Stammes)

 

Engagement für die Bororo-Indianer

Bei den Bororos wird auch heute noch mit viel Respekt und Hochachtung von Rudolf Lunkenbein gesprochen. Sein Engagement wirkt weiterhin fort. Zwei Jahre war Lunkenbein Mitglied des "Missionsrats für Indigene Völker (CIMI)", ab 1974 Direktor der "Colônia Indígena de Meruri". Seine Arbeit für und mit den Bororo-Indianern zeichnete sich dadurch aus, dass er ihnen stets auf gleicher Augenhöhe begegnete und versuchte, die Bororo-Kultur zu verstehen und manche Elemente auch in die Liturgie zu integrieren. 1974 nahmen die Bororos den Salesianerpater sogar in ihren Stamm auf und gaben ihm den Namen "Goldfisch".

Seine Ermordung verfehlte das ursprüngliche Ziel der Großgrundbesitzer, denn die Landvermessung wurde trotzdem durchgeführt. Für die Bororos überlebenswichtig: Als Pater Lunkenbein als Missionar nach Meruri reiste, hatten die Bororos beschlossen, keine Kinder mehr zu bekommen und auszusterben. Sie hatten Angst, ihre Nachkommen nicht mehr ernähren zu können. Grund und Boden waren ihnen größtenteils von den weißen Siedlern genommen worden, die dort Sojabohnenplantagen errichteten. Lunkenbein gab ihnen neue Hoffnung und neuen Mut. An seinem Grab versprachen die Bororos, weiterzuleben. Bis die brasilianische Regierung allerdings die Indianerschutzgebiete freigab, vergingen noch Jahre. Erst 1988 verabschiedete die Bundesverfassung das Recht der Indios auf ihre traditionell besetzten Gebiete. Seitdem hat sich die Lage der Ureinwohner verbessert: Fünf Reservate mit einer Gesamtfläche von etwa 140.000 Hektar Land stehen ihnen zu. Außerdem können die Kinder zur Schule gehen, viele Bororos studieren und werden von den Salesianern durch Stipendien gefördert. Begleitend dazu gibt es an der Don Bosco-Universität in Campo Grande ein eigenes Institut zur Erforschung der Kultur indigener Völker.

Die Erinnerung an Pater Rudolf Lunkenbein wird in Meruri aufrechterhalten. Pater Gildásio Mendes dos Santos, der Provinzial der Provinz Mato Grosso, schrieb dazu an Pfingsten 2016: "Ich erinnere mich an die Worte eines jugendlichen Bororo, der unter Tränen sagte: 'P. Rudolf hat unser Volk und unser Land gerettet. Er liebte unsere Kinder. Er hat für uns gekämpft, gerade als wir in großer Gefahr lagen, unser Land, unsere Kultur, unser Leben und unsere Träume zu verlieren'."

 

Seligsprechungsprozess

Im Frühjahr 2016 besuchte Pierluigi Cameroni die Bororos in Meruri. Er ist für die Salesianer in Rom der für die Selig- und Heiligsprechungen zuständige Postulator. Von seinen Begegnungen dort tief bewegt half er mit, die erforderlichen Dokumente für eine Seligsprechung zusammenzutragen. Der Bischof von Barra do Garças, Protógenes Luft, nahm daraufhin das formale Gesuch an, den Seligsprechungsprozess zu eröffnen. Eine Arbeitsgruppe wird jetzt alle weiteren Schritte prüfen und in die Wege leiten.

Das Kirchenrecht sieht vor, ein Seligsprechungsverfahren frühestens fünf Jahre nach dem Tod zu eröffnen. Ausnahmen bestätigen die Regel - wie im Falle von Mutter Teresa oder Papst Johannes Paul II. Die Dauer der Prüfung ist zeitlich offen.

 

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