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ZUM WELTFRAUENTAG: STARKE FRAUEN SCHAFFEN NEUE PERSPEKTIVEN FÜR IHRE FAMILIEN
Zum Weltfrauentag: Starke Frauen schaffen neue Perspektiven für ihre Familien
Stolz und selbstbewusst steht Nisha in ihrem Schönheitssalon in der indischen Millionenstadt Pune. Maniküre, Hairstyling, Gesichtspflege, all das bietet sie heute ihren Kunden an. Und der Umsatz lässt sich zeigen: „Endlich habe ich es geschafft, selbst für meinen Lebensunterhalt aufzukommen und meinen beiden Kindern eine fundierte Schulbildung zu ermöglichen“, so Nisha.
Das war nicht immer so. Eine Schule hat Nisha nie besuchen dürfen. Sie wurde als junges Mädchen gegen ihren Willen verheiratet und arbeitete bis zum Tode der Schwiegereltern als deren Dienstmädchen.
Vor drei Jahren noch war sie als Tagelöhnerin sieben Tage die Woche in wechselnden Haushalten tätig. Als Alleinversorgerin – ihr Mann ist seit einem tragischen Bahnunglück schwerstbehindert – kämpfte sie tagtäglich neu um das Überleben ihrer Familie. Die Hoffnung auf ein Leben jenseits des Slums und auf die Möglichkeit, ihren Töchtern eine bessere Zukunft geben zu können, hatte sie schon längst aufgegeben.
Über ihre Nachbarin lernte die heute 36-Jährige die Selbsthilfegruppen kennen, die von den Salesianern Don Boscos in den Slums von Pune ins Leben gerufen wurden und von dem Bonner Hilfswerk JUGEND DRITTE WELT unterstützt werden. „Plötzlich war ich nicht mehr allein und hatte eine Perspektive“ erinnert sich Nisha. Dass sie Rechte hat, die es einzufordern gilt, und dass sie selbst dazu beitragen kann etwas zu ändern, das lernte sie dort. Man bot ihr an, eine Ausbildung zur Kosmetikerin zu machen. „Das war die Chance für mich“, so Nisha. Als ausgebildete Kosmetikerin eröffnete sie zwei Jahre später ihren eigenen Schönheitssalon. Sie hat gelernt, wie man ein Geschäft führt, und jede Menge Fachwissen über Kosmetik und Gesundheit erworben. Die Kleinkredite, die sie im Rahmen der Selbsthilfemaßnahmen aufgenommen hat um Ausbildung und Laden zu finanzieren, zahlt sie nun Monat für Monat zurück.
„Die Geschichte von Nisha ist nur eine von vielen“, so Salesianer-Pater Savio Silveira, der das Programm der Salesianer Don Boscos, bestehend aus Selbsthilfegruppen für Frauen, mit Ausbildungsmöglichkeiten, Bewusstseinsbildung und der Vergabe von Kleinkrediten, betreut. 900 Frauen haben sich in 35 Gruppen zusammengetan. „Der Aufbau eines Gemeindewesens kann nur dann gelingen, wenn Frauen aktiv an dem Prozess beteiligt werden“, so Pater Savio. Von dem Einkommen, das die Frauen erzielen, profitiert die ganze Familie. Zudem erkennt eine Frau, die selbst eine Ausbildung gemacht hat, die Notwendigkeit, ihre eigenen Kinder in die Schule zu schicken.
Alte Traditionen stehen positiven Entwicklungen wie diesen häufig im Wege. Auch wenn die indische Verfassung die Gleichheit von Frau und Mann garantiert, sieht das in der Realität meist anders aus. Diskriminierungen sind an der Tagesordnung. Während über 70 Prozent der Männer in Indien lesen und schreiben können, ist es bei den Frauen nur jede zweite. Alle drei Minuten wird eine Gewalttat gegen eine Frau begangen. Die Täter sind meist Familienangehörige - Väter oder Ehemänner. Immer noch werden viele Mädchen vor oder unmittelbar nach der Geburt getötet.
Durch die Erfolge des Frauenförderprogramms haben die Menschen in Pune verstanden, dass Frauen, die ihre Rechte auf allen Ebenen wahrnehmen, entscheidend dazu beitragen können die Lebensumstände zu verbessern. „Mit der Unterstützung des Projekts setzen wir Entwicklungsprozesse in Gang und wirken nachhaltig auf eine verbesserte Stellung der Frau ein“, so Hans-Jürgen Dörrich, Geschäftsführer von Don Bosco JUGEND DRITTE WELT. Die Erfahrungen in Pune haben gezeigt, dass Frauenförderung ein fester Bestandteil von Hilfsmaßnahmen sein muss, um Nachhaltigkeit in der Entwicklungszusammenarbeit zu gewährleisten.
(Annegret Spitz)
www.jugend-dritte-welt.de