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Zwei Lungenflügel der Kirche

Veröffentlicht am: 14. Februar 2012
Zwei Lungenflügel der Kirche

Benediktbeuern, 8.2.2012 - Der Erfurter Bischof Joachim Wanke rief zur verstärkten Zusammenarbeit von Seelsorge und Caritas auf. „Der Glaube an Gott und die Nächstenliebe sind gleichsam die zwei Lungenflügel mit denen die Kirche atmet“, sagte er bei einer Tagung des Arbeitskreises der Theologen der bayerischen Caritas im Kloster Benediktbeuern, „Eine Pfarrgemeinde, die nur den Gottesdienst feiert, aber die konkrete Nächstenliebe an ihrem Ort vergisst, würde den Auftrag Jesu vernachlässigen. Auf der anderen Seite braucht kirchliche Sozialarbeit eine solide Frömmigkeitsgrundlage“. Durch ihr Tun verkündige und bezeuge die Caritas die Liebe Gottes. Wanke rief die Pfarrgemeinden dazu auf, sie müsse mit „den Augen der Liebe Gottes“ auf alle Menschen blicken und ihnen Heimat anbieten.
Der Arbeitskreis der Theologen der bayerischen Caritas und das Institut für Praktische Theologie der Philosophisch-Theologischen Hochschule der Salesianer in Benediktbeuern hatten vor zehn Jahren eine jährliche Tagung gegründet. Bisherige Themen waren unter anderem die spirituellen Grundlagen der Caritas, mögliche Qualitätskriterien des christlichen Glaubens für die Sozialarbeit und eine kritische Betrachtung der Ökonomisierung des Sozialbereichs. Das Thema in dieser Woche hieß: „Geduld mit Gott. Suchende und fragende Menschen als Potential in der Caritas.“ Nach Auffassung von Professor Dr. Martin Lechner aus Benediktbeuern, der die Tagungen vorbereitet, müssen in der Caritas keine hundertprozentigen Katholiken arbeiten. Die Caritas solle auch Mitarbeitern Möglichkeiten der Mitarbeit bieten, die „vielleicht einen kleineren Glauben haben, als es die Kirche gerne hätte, aber mit ihrem großen fachlichen Können und ihrer Liebesfähigkeit Menschen helfen und in ihrem Tun, Zeugen der Liebe Gottes zu den Menschen werden.“ Die Kirche und die Caritas müssten ihren Mitarbeitern noch mehr spirituelle Angebote machen. Die Krankenhausseelsorgerin Dr. Therese Winter aus Garmisch-Partenkirchen riet der Kirche, in einem weitgehend säkularen Umfeld mit ihrer Seelsorge sensibel auf die Menschen zuzugehen und nicht sofort mit fertigen Antworten zu kommen. Allerdings solle sie sich auch kenntlich machen: „Nur wer in der Mitte des Glaubens steht, kann auch an die Ränder gehen“, betonte Winter. Professor Dr. Lothar Bily sagte, die Kirche dürfe nicht nur jene zur Mitarbeit an ihrer Sendung einladen, die „alle Kriterien des Katholischen peinlich genau erfüllen. Wenn Menschen guten Willens uns die Zusammenarbeit anbieten dann dürfen wir unsere Hand nicht einfach zurückziehen.“

(Bernd Hein, Caritas)

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