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tagwerk – anpacken – schaffen: Straffällig gewordene Jugendliche tun sich, der Gesellschaft und der Natur Gutes

Veröffentlicht am: 08. Dezember 2009
tagwerk – anpacken – schaffen: Straffällig gewordene Jugendliche tun sich, der Gesellschaft und der Natur Gutes

Benediktbeuern – Sechs junge Männer arbeiten anstelle von Sozialstunden oder Arrest im Rahmen des Projektes „tagwerk“ fünf Tage für den Klima- und Naturschutz im Benediktbeurer Moor. Insgesamt leistet jeder straffällig gewordene Jugendliche bei diesem Projekt rund 200 Stunden ab.
„tagwerk“ richtet sich an Jugendliche aus der Region, die durch einen Gerichtsentscheid zu Sozialstunden oder Arrest verpflichtet wurden und an dieser Stelle „ihr Tagwerk“ leisten sollen. Es wurde von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) entwickelt. Ein weiterer Förderer ist u.a. das Don-Bosco-Stiftungszentrum. Durch umwelt- und naturpädagogische Bildungsarbeit bekommen Jugendliche hier die Chance, sich über Erfahrungen in der Natur mit ihrem eigenen Leben auseinanderzusetzen. Träger und Entwickler des Projektes sind das Zentrum für Umwelt und Kultur Benediktbeuern e.V. (ZUK), aus salesianischer Tradition und ökologischem Interesse heraus engagiert, und die Brücke Oberland e.V., freier Träger der Familien- und Jugendhilfe.
Die Teilnehmer erleben, wie sie sich aktiv bei der Erhaltung einzelner Tier- und Pflanzenarten, der Förderung des weltweit gefährdeten Lebensraums Moor und damit auch überregionalem Klimaschutz wirksam engagieren können. Aber was macht man eigentlich zehn Stunden pro Tag, eine Woche lang im Moor bei Wind und Wetter? Die jungen Männer bekommen die Möglichkeit, mit erfahrenen Handwerkern zusammenzuarbeiten und von ihnen zu lernen: das Arbeiten wie den guten Umgang. Im Moor werden alte Entwässerungskanäle auf einer ausgewählten Fläche mit Dämmen gestaut. Das stoppt den Abbau des Torfes und fördert das weitere Wachstum von Moorpflanzen. Als Baumaterial für die Dämme fällen die jungen Männer Moorfichten unter Anleitung eines Forstwirtes. Das Holz wird dann im Sägewerk und in der Schreinerei des Klosters Benediktbeuern weiterverarbeitet und anschließend zu einem Damm verbaut.
Das Benediktbeurer Moor fungiert als Refugium für vom Aussterben bedrohte Pflanzen- und Tierarten wie die Kreuzotter und dient als Rastplatz für Zugvögel wie den scheuen Schwarzstorch. Ein intakter Moortorf puffert das alljährliche Loisachhochwasser und speichert als einziger Lebensraum beständig den Kohlenstoff des Kohlendioxyds in den sich seit Jahrtausenden wachsenden und überlagernden Torfschichten.
Kernthema ist jedoch die Wechselwirkung von Individuum und Gesellschaft. Die hier aktiven jungen Menschen erfahren, wie ihr Handeln auf die Gesellschaft und das gesamte Ökosystem wirkt, und wie dieses gute Handeln auf sie selbst rückwirkt. Schließlich hängt der Erfolg des Projektes davon ab, ob alle Arbeitsschritte sorgfältig und mit Blick auf die Folgearbeiten erledigt wurden. Wie im Ökosystem alles seinen Platz hat, müssen auch die jungen Leute ihren Platz in der Gemeinschaft und der Gesellschaft finden.
Der erste Durchgang des Projektes im Frühjahr 2009 zeigte, dass diese Arbeit Menschen nachträglich zum Guten verändern kann. So wurden fünf von sechs Teilnehmern aus der Arbeits- und Perspektivlosigkeit entweder in Arbeitsstellen oder weiterführende Maßnahmen zur Wiedereingliederung vermittelt. Der Erfolg kann sich sehen lassen, denn im drohenden Arrest oder Jugendstrafvollzug wären die jungen Männer sicherlich nicht soweit gekommen.
Die beiden Trainer Oliver I. Hoffmann, Sozialpädagoge im ZUK (FH), und Matthias Fischer, Erlebnispädagogen (ZQ) von der Brücke Oberland, sind gleichermaßen von der Maßnahme überzeugt wie von der Wirkung beeindruckt. Ein Teilnehmer antwortete auf die Frage, wie es ihm bei Tagwerk gefallen habe, nur mit: „Hat mir gut gefallen, aber ich erzähle dir nichts. Du musst es selbst erleben!“

(mf, oh)

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