„Fahrt hinaus, dahin wo es tief ist“ - Interview zum Umzug vor der Schließung Calhorns

Veröffentlicht am: 24. Juni 2020

Calhorn - Zum 31. Juli wird die Jugendbildungsstätte der Salesianer Don Boscos „Haus Don Bosco“ in Calhorn geschlossen und die Mitbrüdergemeinschaft dort aufgelöst. Einen Monat vor der Schließung berichtet der Direktor der Gemeinschaft, P. Bernhard Seggewiß, im Interview, wie der Stand der Umzugsarbeiten ist und wie die weiteren Schritte aussehen.

P. Seggewiß, wie läuft derzeit der Umzug in Calhorn?
Wir haben die Zeit der Corona-Krise gut nutzen können, um eine ausführliche Inventurliste des Hauses Don Bosco zu erstellen. Darin sind alle Mobilarteile, die Einrichtung der Kapelle, der Küche, jeder Kerzenständer und jedes Kreuz aufgeführt. Die Liste ist sehr detailliert und wir können darin eintragen, wer was bekommt oder wer Interesse an den verschiedenen Gegenständen angemeldet hat. Ein großes Wegekreuz, das uns 1975 einmal ein Pfarrer geschenkt hat und das auf dem Außengelände steht, ein Mühlsteinaltar und eine Don Bosco-Stele werden beispielsweise vom Dominikus-Savio-Haus in Jünkerath übernommen. Die Jugendbildungsstätte dort nimmt auch einige der Betten aus unserem Gästehaus, und auch vieles von der Kücheneinrichtung. Die Einrichtung unserer Kapelle und der Altar werden für die neue Kapelle der Mitbrüdergemeinschaft in Chemnitz verwendet. Den Transport habe ich bereits organisiert. Für andere Gegenstände, wie Werkzeuge, gibt es ebenfalls schon Interessenten. Aber vieles wird leider auch entsorgt werden müssen.

Wie sehen die nächsten Schritte für Sie und Ihre Mitbrüder aus?
Am 7. Juli bringe ich den ältesten Mitbruder unserer Gemeinschaft, P. Aloys Weber, nach Köln. Er hat auch schon viele Sachen gepackt. Br. Ferdinand Behrmann wird ebenfalls nach Köln umziehen Am 17. Juli ziehen dann P. Walter Körbes und ich nach Jünkerath.. P. Elmar Koch und Br. Andreas Mansfeld, als Leiter und Verwaltungsleiter der Jugendbildungsstätte, bleiben bis Mitte August, um das Letzte noch aufzuräumen. Zum 30. Juni werden die meisten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Jugendbildungsstätte und des Hauses Don Bosco ausscheiden. Unser Auszubildender aus dem Bereich Hauswirtschaft kann seine Ausbildung Gott sei Dank im St. Leo Stift, einem Alten- und Pflegeheim in Essen(Oldenburg), beenden. Er hat noch ein Jahr Ausbildung vor sich. Dadurch konnte das St. Leo Stift einen neuen Ausbildungsplatz für die Zukunft einrichten und freut sich sehr darüber.

Wie verabschieden Sie sich jetzt in Calhorn? Die Verabschiedungsfeier, die für den 14. Juni geplant war, musste ja leider abgesagt werden.
Wir können uns jetzt gar nicht verabschieden. Es ist nur im kleinsten persönlichen Kreis möglich. Da ich Pfarrer der katholischen Gemeinde in Essen/Oldenburg bin, habe ich zum Abschied noch einmal das Pfarrhaus-Team nach Calhorn eingeladen. Wir Mitbrüder machen am 29. Juli als Abschiedstour einen Tagesausflug nach Hamburg. Ursprünglich wollten wir am 29. März ein Konzert in der Elbphilharmonie besuchen, aber das ist leider ausgefallen. Zum Abschied habe ich der Pfarrgemeinde und anderen Interessenten einen ausführlivhen Brief geschrieben, der unter www.kirche-essen.com nachgelesen werden kann. Von den Ehrenamtlichen und den Gemeindemitgliedern werden wir uns am 30. Januar im Rahmen des Don Bosco Festes in Essen (Oldenburg) verabschieden.

Mit welchem Gefühl gehen Sie jetzt?
Die Entscheidung, Calhorn zu schließen, fiel schon im Februar 2019. Da waren natürlich Unsicherheiten spürbar. Für die Bevölkerung ist es ein harter Schlag. Wir haben seit 2007 an der Zukunft von Calhorn gearbeitet. Aber es ist leider nichts gelungen. Da musste ich als Direktor der Gemeinschaft wie die Jünger einsehen, dass wir die ganze Nacht gefischt und nichts gefangen haben. Jesus sagte dann zu ihnen: „Fahrt hinaus, dahin wo es tief ist.“ (Lk, 5, 1-11). Für uns Salesianer bedeutet das, dass wir Calhorn aufgeben müssen. So können wir Mitbrüder aus Calhorn jetzt die Gemeinschaft in Jünkerath verstärken, wo seit Oktober 2019 vier Mitbrüder gestorben sind. Durch die Versetzung von P. Koch nach Essen-Borbeck ist dort zumindest wieder ein Mitbruder jünger als 60 Jahre. Das macht die personelle Situation der Deutschen Provinz deutlich. Es ist daher der richtige Weg für uns.
Ich selbst werde in Jünkerath die Aufgaben als Direktor-Vikar der Gemeinschaft und in der Pfarrgemeinde als Vicarius-Kooperator übernehmen und mich dort in den verschiedenen Bereichen der Seelsorge einbringen. Ich bin froh, dass ich mit 66 Jahren nicht mehr die letzte Verantwortung tragen muss.

Interview: RefÖA/hmb