Haiti: Schulabschluss für Straßenkinder

Veröffentlicht am: 06. September 2010
Haiti: Schulabschluss für Straßenkinder

In Port-au-Prince ist nach acht Monaten ein Stück Normalität eingekehrt

Bonn/Port-au-Prince, den 6. September 2010.- Fast acht Monate nach dem verheerenden Erdbeben haben in Port-au-Prince 48 Straßenkinder erfolgreich einen Ausbildungskurs in unterschiedlichen Handwerksberufen abgeschlossen. Nach drei Jahren intensiver Schulung erhielten 25 Mädchen ein Diplom als Schneiderin, Friseurin oder Kosmetikerin, 23 Jungen eines als Schreiner, Elektriker, Schlosser oder Schneider. „Damit ist in Haiti wieder ein Stück Normalität eingetreten“, sagte der Leiter des Straßenkinderprogramms P. Pierre Lephène SDB bei der Abschlussfeier.

Bei dem Erdbeben vom 12. Januar 2010 sind nach Angaben der Vereinten Nationen mindestens 250.000 bis 300.000 Menschen umgekommen, 1,2 Millionen wurden obdachlos. Bei dem Beben wurden auch Einrichtungen der Salesianer Don Boscos zerstört. Dabei starben 250 Kinder, die sich an jenem Spätnachmittag in den Unterrichtsräumen befanden. Auch drei Mitglieder des Salesianerordens kamen um. Der Gründer und langjährige Leiter des Straßenkinderzentrums, der gebürtige Italiener P. Attilio Stra, wurde schwer verletzt.

In der haitianischen Hauptstadt gibt es nach amtlichen Schätzungen an die 4.000 Straßenkinder, wobei die Dunkelziffer wesentlich höher sein dürfte. Vor 30 Jahren begann P. Attilio Stra in Port-au-Prince mit einem Programm für Straßenkinder, das weltweit wegweisend sein sollte: Normalerweise leben in den Auffangheimen des Ordens 900 Kinder und Jugendliche von acht bis 15 Jahren. Ein Fünftel davon sind Mädchen, von denen viele sich zuvor aus Not prostituiert hatten. In den beiden Zentren Lakou und Lakay finden Straßenkinder sichere Schlafplätze. Außerdem erhalten sie dort eine warme Mahlzeit. „Die jüngeren Kinder lernen Lesen und Schreiben, die älteren machen eine handwerkliche Ausbildung“, berichten die Don Bosco Hilfswerke in Bonn.

Inzwischen arbeiten in der verwüsteten Stadt auch wieder die „kleinen Schulen“, die vor Jahren mit Hilfe von Don Bosco Bonn an 54 Standorten errichtet wurden. Unter freiem Himmel oder in einer Wellblechhütte unterrichten hier alphabetisierte Väter und Mütter je 20 bis 30 Kinder stundenweise im Lesen und Schreiben. Der Unterricht ist kostenlos, die Lehrer erhalten Lebensmittel als Lohn.

(Annegret Spitz)