Kostenloses Mittagessen in der Corona-Krise

Veröffentlicht am: 24. April 2020

Essen – Seit dem Vormittag steht Steffen Dietrich in der Küche und bereitet das Mittagessen für rund 20 Personen zu. Vor ihm auf dem Herd köcheln seit fast zwei Stunden schon Hähnchen und Zwiebeln im Topf. Gleich wird er den Sud abkippen und mit Erbsen, Spargel, Champignons und Brühe mischen, wie er erläutert. Auf dem Speiseplan des gelernten Kochs, der sich seit fast einem Jahr ehrenamtlich für den Don Boscos Club in Essen-Borbeck engagiert, steht an diesem Tag nämlich „Hühnerfrikassee“.

Das Essen holen sich die Jugendlichen und Eltern dann selbst in der Einrichtung ab – aufgrund der aktuellen Lage ist das natürlich zeitlich getaktet, wie der 29-Jährige betont. Über das Angebot zeigten sich viele der Eltern dankbar und erleichtert, denn gerade den alleinerziehenden Müttern fehle die Zeit zum Kochen, sagt Steffen Dietrich. Die Corona-Krise mache den Alltag für sie nicht leichter. Aus diesem Grund hat sich die Einrichtung also überlegt, nun täglich von Montag bis Freitag für die Familien zu kochen. Das Essen ist kostenlos und kann bei Leiterin Susanne Bier über den Messenger Whatsapp vorbestellt werden.

Die Arbeit geht auf vielfältige Weise weiter

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Die Leiterin der offenen Kinder- und Jugendeinrichtung hatte auch die Idee für das Projekt. „Gerade benachteiligte Familien trifft die Krise hart“, wie Susanne Bier mitbekommt. Viele von ihnen sind auf die Tagesbetreuung des Clubs angewiesen, der nun seit mehreren Wochen aufgrund der Corona-Epidemie geschlossen ist. Doch dem Engagement der Sozialpädagogin für die Kinder, Jugendlichen und Eltern tut die aktuelle Situation keinen Abbruch. 

Zunächst haben Susanne Bier und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mehrere Videos gedreht, in denen Basteltipps, Tanzchoreographien, Sportprogramme und Kochrezepte vorgestellt wurden, die den jungen Menschen als Anregung für die Zeit daheim dienen sollten. Auch laufe die Hausaufgabenbetreuung ebenfalls über Skype weiter. „Gerade für die Jugendlichen aus den Abschlussklassen ist das jetzt wichtig“, erläutert die Sozialpädagogin.

Team mit vielseitigem Know-how

Das aktuelle Koch-Projekt ist in diesem Sinne nur eine von vielen Ideen, die Susanne Bier und ihr Team dazu nutzt, um an den jungen Menschen dranzubleiben. Und schon jetzt merkt die 54-Jährige, dass durch die Aktion auch der Kontakt zu den Eltern besser wird. „Sie vertrauen uns mehr.“ Praktisch sei zudem, dass die Sozialpädagogin bei den vielfältigen Maßnahmen und Ideen auf das Know-how ihres Teams zurückgreifen kann: Ein Ehrenamtlicher ist beispielsweise sehr videoaffin, Steffen Dietrich ist praktischerweise Koch.

„Die Idee habe ich dankend angenommen“, sagt der 29-Jährige, der aufgrund der Krise aktuell ohnehin nicht arbeiten gehen kann und so glücklich über die Beschäftigung sei sowie darüber, etwas für den Club zu tun. „Es war klar, dass ich das nicht abschlage.“ Als Kind und Jugendlicher hat Steffen Dietrich selbst regelmäßig die Einrichtung besucht, jetzt sei er gern bereit, etwas zurückzugeben. „Ich bin dem Club sehr verbunden.“

 

Text: RefÖA/pac, Fotos: Don Bosco Club Essen