Kroatische Mission feiert Jubiläum

Veröffentlicht am: 19. November 2020

Ingolstadt – Auf 50 Jahre blickt die Kroatenseelsorge im Bistum Ingolstadt zurück. Gefeiert wurde das Jubiläum in der Ingolstädter Pfarrei Mailing, wo das Zentrum der Kroatischen Mission ist. Doch Kroatenseelsorge Pater Mato Krizic ist im ganzen Bistum unterwegs. Auch in Neumarkt, Altdorf bei Nürnberg und in Weißenburg betreut der Salesianer Don Boscos die kroatischen Katholiken und ebenso Gläubige aus Bosnien-Herzegowina.

Dolmetscher und Helfer

Angefangen hat es 1970 in Ingolstadt mit dem kroatischen Diözesanpriester Martin Sentić, der bis 1997 für seine Landsleute im Bistum der Seelsorger war. Die Messfeiern fanden anfangs im Ingolstädter Liebfrauenmünster statt, erinnert sich Ana Bacani, die 1973 nach Deutschland kam. Sie folgte ihrem Ehemann nach, der bei Audi arbeitete. Sie selbst war über das kroatische Arbeitsamt zu dem damals in Ingolstadt mit einem Werk ansässigen Unterhaltungselektronik-Unternehmen Telefunken vermittelt worden, um wieder mit ihrem Gatten zusammenleben zu können. „Meine Mutter hat mir geraten, im fernen Deutschland zu schauen, wo es eine Kirche gibt“, erzählt sie. Und so kam sie in die kroatische Mission von Sentić. „Der Pfarrer war für uns alles“, berichtet sie. „Er war Dolmetscher, weil wir kaum Deutsch sprachen, und hat uns in allen Fragen weitergeholfen.“

Salesianer wird Seelsorger im Bistum

Die Gemeinde war damals klein, es gab rund 20 bis 30 Mitglieder. Viele kamen im Laufe der Zeit dazu, vor allem wuchs die Gemeinde im Zuge der Jugoslawienkriege in den 1990er-Jahren, als viele Kroaten ihr Land verließen. Auch als Kroatien im Jahr 2013 Mitglied der EU wurde, kamen viele Familien in die Region und schlossen sich der Gemeinde an. Nachfolger von Sentić wurde 1998 Pater Ivo Nedić. Damit begann die Ära der Salesianer Don Boscos in der Kroatenseelsorge im Bistum.

„Zuvor war“, so berichtet Krizić, „ein kroatischer Salesianer in Siegen tätig.“ Doch dieser Ordensmann war auf verlorenem Posten, weil es keine deutschsprachigen Mitbrüder in der Nähe gab. So beschloss der Orden, für die Kroatenseelsorge in Ingolstadt einen Priester zur Verfügung zu stellen. Damals gab es in der Donaustadt Don Bosco Schwestern und in München waren Salesianer Don Boscos.

Nedić baute die Seelsorge weiter aus, erzählt Bacani. Er verstärkte die Familienarbeit und gründete eine Musikgruppe. Nedić blieb bis 2005, dann kam Pater Niko Šošić, der die Mission bis 2012 leitete. Er wohnt heute in Zagreb. Sein Nachfolger wurde Krizić. „Die Jugendarbeit hat einen großen Stellenwert“, sagt Bacani zur gegenwärtigen Situation. „Und es konnten auch viele Jugendliche für die Gemeinde gewonnen werden.“

Konzelebration zum Jubiläum

Zu dem Jubiläum waren viele gekommen. Da wegen der Corona-Regelungen die Anzahl der Gottesdienstbesucher beschränkt ist, wurden zwei Messen in der Mailinger Pfarrkirche St. Martin gefeiert. Die beiden Vorgänger von Pater Krizić konnten wegen der Corona-Krise nicht kommen – auch der Provinzial der kroatischen Salesianer Don Boscos, Pater Tihomir Sutalo, der als Hauptzelebrant eingeplant war, hatte wegen der Pandemie abgesagt. Stattdessen war Dr. Tomislav Markić gekommen, der Beauftragte der kroatischen Bischofskonferenz für die Kroatenseelsorge in aller Welt.

Bei der zweiten Messfeier konzelebrierten unter anderem Domkapitular Monsignore Paul Schmidt, der für das Bistum Eichstätt teilnahm, Pfarrer Dr. Clemens Hergenröder als Vertreter des Dekanats Ingolstadt und der Pfarrer von Mailing, Ulrich Flashar. In seiner Predigt erinnerte Hauptzelebrant Markić daran, dass es in der Bibel immer wieder um Exodusgeschehen geht – dass Menschen ihr Land verlassen und neue Heimat finden müssen. Es sei schön, dass die Kroaten hier im Bistum Eichstätt so gut aufgenommen würden.

Dankbar zeigte sich auch Domkapitular Schmidt. Er gratulierte der Gemeinde und beglückwünschte sie, dass sie so lebendig sei. Als Geschenk erhielt Schmidt von einem Ehepaar in kroatischer Tracht etwas Landestypisches: eine Flasche Sliwowitz mit einem gehäkelten Flaschenüberzug.

Nach der Eucharistiefeier wurde im Mailinger Pfarrsaal weiter gefeiert. Eine aus deutsch-kroatischen Jugendlichen bestehende Gruppe gestaltete den Nachmittag musikalisch. Pater Krizić erhielt als Dankeschön vom Beauftragten für die Kroatenseelsorge ein Bild des selig gesprochenen Kardinals Alois Stepinac, ein Opfer des kommunistischen Regimes in Ex-Jugoslawien.

Text und Fotos: Raymund Fobes