Lebensbilder erster deutschsprachiger Salesianermissionare: Neue Benediktbeurer Schriftenreihe erschienen

Veröffentlicht am: 31. August 2020

Benediktbeuern – Seit der ersten Entsendung am 11. November 1875 nach Argentinien wurden bis 2019 in 150 Aussendungen mehr als 11.000 Salesianer in alle Welt als Missionare entsandt. Anlässlich des 100. Todestages von P. Josef Thannhuber (1880–1920) erinnert Missionsprokurator P. Josef Grünner in einer neuen Ausgabe der "Benediktbeurer Schriftenreihe" an sieben Missionare aus dem deutschen Sprachgebiet. Ihre Berufung entzündete sich am missionarischen Feuer ihres Ordensgründers Johannes Bosco (1815–1888), das sie bis nach Kolumbien und Brasilien führte, wo sie ganz in seinem Geist glaubensstark, einsatzfreudig, volksnah und überzeugend das Evangelium verkündeten.

P. Grünner, Anlass für die Veröffentlichung der neuen Schriftenreihe ist der 100. Todestag P. Josef Thannhubers in diesem Jahr. Was hat Sie dazu motiviert, seine und die Geschichte seiner sechs Mitbrüder zu erforschen?

P. Josef Grünner: Bei Gesprächen mit Mitbrüdern aus anderen Kontinenten und bei Besuchen, z. B. in Brasilien, ist mir immer mehr bewusst geworden, wie sehr Salesianer aus dem deutschen Sprachraum als Missionare am Aufbau des Don Bosco Werkes in verschiedenen Teilen der Welt beteiligt waren, wie engagiert und nachhaltig ihr Einsatz im Geist Don Boscos war und wie dankbar man noch heute für ihr Wirken ist, obwohl es schon lange zurückliegt.

Es gibt zwar zum Teil schriftliche Zeugnisse wie Briefe und Berichte von ihnen oder über sie, aber die Erinnerung droht mit größerem zeitlichem Abstand zu ihrem Leben sowohl an den Wirkungsorten wie auch in der Heimat in Vergessenheit zu geraten. Dem soll mit den kurzen Lebensbildern begegnet werden. Denn diese Männer haben oft unter sehr schwierigen Bedingungen mit vollen Einsatz Großes geleistet und viel Gutes insbesondere für ärmere Menschen, vor allem auch für Kinder und Jugendliche, getan und bewirkt. Die Erinnerung an sie ist ein Ausdruck der Dankbarkeit für ihren überzeugenden Dienst. Zugleich können die beeindruckenden Lebensgeschichten auch für heute Mut machen, sich mit Leidenschaft für das Evangelium weltweit einzusetzen. Trotz veränderter Umstände und Bedingungen für die missionarische Arbeit braucht es diese Bereitschaft ebenso.

Lebensbilder erster deutschsprachiger Salesianermissionare in Brasilien und Kolumbien

 

glaubensstark, einsatzfreudig,
volksnah, überzeugend

Lebensbilder erster deutschsprachiger
Salesianermissionare in Brasilien
und Kolumbien

Autor: P. Josef Grünner SDB
100 Seiten, Format: DIN A 5

Benediktbeurer Schriftenreihe
zur Lebensgestaltung im Geiste
Don Boscos, Heft 50

Erscheint Ende August 2020

Sie schreiben über sieben Missionare, deren Geschichte und Zeugnis eher weniger bekannt ist. Welches Lebensbild hat Sie besonders beeindruckt?

P. Josef Grünner: Ich habe diese sieben Mitbrüder ausgewählt, weil sie alle in einer Zeit zu Don Bosco und den Salesianern gefunden haben, als es die Ordensgemeinschaft in Deutschland noch nicht gab und das Don Bosco Werk in der Schweiz und im heutigen Österreich erst seinen Anfang nahm. Mich hat interessiert, wie diese jungen Männer über Don Bosco und seine Arbeit erfuhren, wie ihr Berufungsweg verlief und was sie motivierte, als junge Erwachsene zum Studium und Ordenseintritt nach Italien und von dort dann direkt nach Brasilien oder Kolumbien zu gehen.

Mir ist aufgefallen, dass sie fast alle aus kinderreichen Familien stammten, dass sie zunächst einen Beruf erlernten und mitten im Leben standen, dass sie dann eine andere Berufung in sich spürten, deshalb als „Spätberufene“ das Gymnasium nachholten und den Weg als Salesianerpriester und Missionar einschlugen.

Die Lebensbilder finde ich alle in ihrer Verschiedenheit und aufgrund der je persönlichen Geschichte beeindruckend: Sei es der Weg aus dem Münsterland oder aus Niederbayern und Schwaben nach Italien; sei es die mühevolle Tätigkeit als Missionar in abgelegenen Gebieten bei den Indianern in Mato Grosso, im Amazonasgebiet in Brasilien oder in besonderen Zentren für Aussätzige in Kolumbien; sei es der tragische Tod von P. Thannhuber und P. Fuchs und ebenso von P. Knoop, der sich in Kolumbien am Aussatz infizierte und seine letzten Lebensjahre isoliert von den Mitbrüdern und der Umwelt in Essen im Ruhrgebiet verbringen musste; sei es der lebenslange Einsatz für die ärmeren Menschen in der weiten Ferne.

Wie aktuell ist ihr Erbe und ihre Botschaft auch für eine missionarische Kirche heute?

P. Josef Grünner: Die vorgestellten Salesianermissionare waren vom theologischen Denken ihrer Zeit und vom missionarischen Aufbruch im 19. Jahrhundert geprägt. Sie sind unter ganz anderen Voraussetzungen und Lebensbedingungen als heute, auch mit einem damals anderen Verständnis von Mission, mit viel Mut und Gottvertrauen, mit radikalem Einsatz und großer Hingabebereitschaft dem Ruf Jesu Christi persönlich gefolgt, in die weite Welt zu gehen, um den Menschen das Evangelium zu bringen.

Es zeichnen sie missionarische Eigenschaften aus, die sie mit der salesianischen Spiritualität wohl verinnerlicht haben. Dazu zählen ihre Vorliebe für die einfachen, oft ausgegrenzten Menschen und die vorrangige Sorge um eine gute Erziehung und Bildung von deren Kindern und Jugendlichen, ein bodenständiger Glaube und eine lebensnahe Verkündigung der Frohen Botschaft, eine optimistische Lebenseinstellung, ein großes Vertrauen auf die Gottesmutter Maria als Helferin, eine Bereitschaft zum Wagnis und Einsatz des Lebens sowie zum immer wieder neuen Aufbruch und Beginn, zur Schaffung von besseren Lebensbedingungen für die Indigenen oder Ausgegrenzten, auch zum unmittelbaren, entschiedenen Einsatz für ihre Würde und Rechte.

So waren diese Missionare glaubwürdige Bringer der christlichen Botschaft, nicht von oben herab und mit Überredung oder Druck, sondern durch tätige Liebe und echte Menschensorge nach dem Bespiel des Guten Hirten.

Diese Eigenschaften und Haltungen scheinen mir für eine missionarische Kirche auch heute gültig und wichtig. Wir tun gut daran, dieses Erbe zu würdigen, zu schätzen und weiterzutragen.

Interview: RefÖA/kh

 

Die neue Ausgabe der Benediktbeurer Schriftenreihe kann ab Ende August zum Preis von EUR 3,50 im Don Bosco Shop bestellt werden: www.donboscoshop.de.