Salesianer verabschieden sich aus Buxheim

Veröffentlicht am: 27. Juli 2020

Buxheim – Die offizielle Verabschiedung der letzten drei Buxheimer Salesianer-Pater fand coronabedingt in nichtöffentlichem Rahmen statt. Die Eucharistiefeier in der Buxheimer Pfarrkirche St. Peter und Paul übernahm der Generalvikar des Bistums Augsburg, Domkapitular Msgr. Harald Heinrich. Seitens des Ordens nahm Pater Reinhard Gesing, Provinzial der Deutschen Provinz der Salesianer Don Boscos an der Feier teil. „94 Jahre Salesianer in Buxheim, das ist nicht belanglos, das ist Geschichte“, so ordnete Gesing den Abschied ein. „Wir hätten die 100 Jahre gerne voll gemacht, aber es hat sich anders ergeben.“ Die Salesianer hätten „in all den Jahren in Gemeinde und Pfarrei viel Gutes erfahren dürfen“.

„Man muss auch weggehen können“, meinte Generalvikar Heinrich. „In Buxheim bleibt der Geist des heiligen Don Bosco lebendig erhalten, auch wenn die Salesianer weggehen.“ Gemeinde und Pfarrgemeinde seien hier von diesem Geist geprägt, konstatierte in seinen Abschiedsworten auch Pater Erhard Staufer, der scheidende Direktor.

Menschen, die das Marianum geprägt hat

Stellvertretend für die in den bald 100 Buxheimer Jahren im Marianum geprägten Menschen erinnerte er an den Schüler und späteren Indianer-Missionar Pater Rudolf Lunkenbein. Im brasilianischen Mato Grosso kämpfte er für die Rechte der indigenen Bevölkerung. Wie er selbst dies in einem Brief an seine Eltern schon befürchtet hatte, wurden er und der Indianersprecher Simao im Juli 1976 von einer Gruppe der eigentlich illegalen „Großgrundbesitzer“ im Ort Meruri erschossen.

Im Januar 2020 erst wurde der Prozess zur Seligsprechung des einstigen Buxheimer Schülers eröffnet. Auch ein ehemaliger Lehrer am Marianum, Pater Karl Schmidt, der von seinen Schülern und Mitbrüdern als „die Herzensgüte in Person“, aber prinzipientreuer Christ empfunden wurde, steht für Staufer exemplarisch für das Marianum: Schmidt, der „furchtlos und unduldsam gegenüber dem Nationalsozialismus“ auftrat, überlebte die Konzentrationslager Sachsenhausen und Dachau; er starb 1968 nach Jahren als Religionslehrer an Münchner Berufsschulen.

Pater Staufer erwähnte in seinen Abschiedsworten dankbar das konfessionsübergreifende Miteinander am Marianum. Ein Faktum, das auch der evangelische Dekan Christoph Schieder im Gespräch gerne bestätigte.

Ein Rückblick

Dass der schon etwas ältere Slogan der Salesianer „Werte leben“, eine Maxime Don Boscos, eher zufällig ganz aktuell im Image-Bild des seit 1996 vom Schulwerk der Diözese Augsburg betriebenen Gymnasiums wieder auftaucht, ist für Staufer Ausdruck des immer vorhandenen Geistes Don Boscos. Veränderungen hatte die Schule auch in aktueller Zeit viele mitgemacht: 1980 wurde das Marianum für externe Schüler geöffnet, 1983 erfolgte die Öffnung für Mädchen, 1985 wurde ein mathematisch-naturwissenschaftlicher Zweig des Gymnasiums eingeführt. Und im ablaufenden Schuljahr wurde eine Runderneuerung vorgenommen, die eine moderne Schule weiter in die Zukunft führen soll.

Als Vertreter des Heimatdienstes, „also direkter Nachbar der Salesianer in der Kartause Buxheim“, erinnerte Professor Johannes Hoyer an die eigene Schulzeit im Marianum. Mit einem „herzlichen Pfüad Gott“ betonte er: „Es wird immer einen Anlass zum Wiedersehen in Buxheim geben.“

Landratsvertreter Michael Helfert und auch Buxheims Bürgermeister Wolfgang Schmidt sowie Herbert Reutemann für die Pfarrgemeinde bedankten sich beim Orden und seinen Vertretern für die „immer sehr gute harmonische Zusammenarbeit auf allen Ebenen“. So waren die Buxheimer Pfarrer zum Beispiel seit 1958 durchwegs Salesianer.

Text: P. Staufer; Fotos: Walter Müller