Stellungnahme anlässlich der DOK-Befragung zum Thema sexueller Missbrauch in Ordensgemeinschaften

Veröffentlicht am: 26. August 2020

München, 26.08.2020 – Die Deutsche Ordensobernkonferenz (DOK), ein Zusammenschluss der Höheren Oberen der Ordensgemeinschaften und Kongregationen in Deutschland, hat am heutigen Mittwoch, 26. August 2020 die Ergebnisse einer Ende 2019 durchgeführten Mitgliederbefragung zum Thema sexueller Missbrauch in Ordensgemeinschaften in Deutschland veröffentlicht. 

Für Hintergrundinformationen und Einzelheiten zu der Erhebung verweisen wir auf die Veröffentlichung der DOK vom heutigen Tag.

 

Ergebnisse der bisherigen Aufarbeitung bei den Salesianern Don Boscos

Seit dem Bekanntwerden der Missbrauchsfälle im Jahre 2010 hat die Deutsche Provinz der Salesianer Don Boscos immer wieder über Erfahrungen von Missbrauch und Gewalt an Minderjährigen durch Ordensangehörige und Mitarbeiter in ihren Einrichtungen in Deutschland, vor allem in den sechziger, siebziger und achtziger Jahren, berichtet und sich intensiv mit der Aufarbeitung der Fälle sexualisierter Gewalt beschäftigt. Gleichzeitig wurden verschiedene Maßnahmen eingeleitet, um den Betroffenen in ihrem Leid Unterstützung und Hilfe zuteilwerden zu lassen.

Einen Überblick über die einzelnen Veröffentlichungen finden Sie hier.

Mit Blick auf die heute vorgestellten Ergebnisse der Befragung der DOK aktualisieren wir die Ergebnisse der bisherigen Aufarbeitung der Fälle sexuellen Missbrauchs bei den Salesianern Don Boscos wie folgt:

Seit dem 17. Februar 2010 bis heute haben sich 188 Personen bei den von der Ordensleitung eingesetzten internen wie externen Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartnern gemeldet, um verschiedene Formen sexueller Gewalt anzuzeigen, die ihnen in einer salesianischen Einrichtung zugefügt wurde. Die meisten Vorfälle ereigneten sich in den 50er-, 60er-und 70er-Jahren, einige auch in den 80er-Jahren und später.

In Bezug auf die Opfer von Missbrauch beteiligen sich die Salesianer Don Boscos an dem von der Deutschen Bischofskonferenz 2011 eingeführten Verfahren zu Leistungen in Anerkennung zugefügten Leids und folgen den von der unabhängigen Zentralen Koordinierungsstelle empfohlenen Zahlungen. Dieses Verfahren wird derzeit nach Veröffentlichung der MHG-Studie im September 2018 und auf Basis der Erfahrungen der zurückliegenden Jahre seitens der Deutschen Bischofskonferenz fortentwickelt.

Seit 2011 wurden im Rahmen des von der Deutschen Bischofskonferenz eingeführten Verfahrens von Betroffenen insgesamt 128 Anträge auf „Leistungen in Anerkennung des Leids, das Opfern sexuellen Missbrauchs zugefügt wurde“ gestellt und in Zusammenarbeit mit der Zentralen Koordinierungsstelle (ZKS) bearbeitet.

In den weitaus meisten Fällen wurden die Anträge anerkannt und wurde der finanziellen Empfehlung der ZKS gefolgt. Denen, die das wünschten, wurde therapeutische Aufarbeitung ermöglicht.

Insgesamt wurden knapp 570.000 Euro als Anerkennung gezahlt; hinzu kamen noch 125.000 Euro für Therapien und andere Formen der Unterstützung. Die Zahlungen erfolgten aus den privaten Einkünften der Ordensgemeinschaft.

Maßnahmen der Sensibilisierung und Prävention

In den vergangenen Jahren wurden in den Einrichtungen der Deutschen Provinz der Salesianer Don Boscos zudem verschiedene Maßnahmen der Sensibilisierung und Prävention initiiert und mit Priorität umgesetzt, um auf allen Ebenen eine Kultur des Hinschauens, des Handelns und des achtsamen Miteinanders zu fördern. Bei der Erarbeitung und Implementierung von neuen Schutzkonzepten und -maßnahmen gemäß den heutigen wissenschaftlichen Standards lassen wir uns auch extern beraten.

So legte die Deutsche Provinz der Salesianer Don Boscos die im Jahr 2010 erstmals veröffentlichten Richtlinien zum präventiven Kinder-, Jugend- und Mitarbeiterschutz – angefangen bei den Strukturen und Standards einer Prozesskette über eine Selbstverpflichtungserklärung ihrer Mitarbeitenden bis zu einem Katalog von verpflichtenden Fortbildungen und Schulungen – im Herbst 2019 in aktualisierter Form vor.

Weitere Maßnahmen zur Aufarbeitung wie die Fortschreibung der Schutzkonzepte und die permanente Schulung aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie der Mitglieder der Ordensgemeinschaft in unseren pädagogischen Einrichtungen haben eine hohe Priorität und werden konsequent umgesetzt. Die externe Sichtung der Personalakten ist in Vorbereitung.

Mit diesen Schritten wollen wir sicherstellen, dass ein geschützter Raum für Kinder und Jugendliche in unseren Einrichtungen existiert, der es ihnen ermöglicht, sich ganzheitlich zu entwickeln.

 

München, den 26.08.2020
Deutsche Provinz der Salesianer Don Boscos