Deutsche Provinz der
Salesianer Don Boscos

Deutsche Ärztin übt herbe Kritik an Hilfsmaßnahmen in Haiti – Barbara Höfler: Vermittlung von Adoptionen ist oft „Geschäftemacherei“

Veröffentlicht am: 28. Januar 2010

Port-au-Prince/Bonn, 28. Januar 2010: Die Kölner Ärztin, Barbara Höfler, übt herbe Kritik an den Hilfsmaßnahmen für die Erdbebenopfer in Haiti. Höfler lebt seit zehn Jahren in Port-au-Prince lebt, wo sie mit Hilfe der Salesianer Don Boscos mit einer Ambulanz Straßen- und Slumkinder medizinisch versorgt. Die angelaufenen Hilfen seien zwar wichtig und notwendig für das Überleben der Menschen, erfolgten aber oft zu spät und ohne jede Rücksprache mit örtlichen Organisationen. In die Cité Soleil, den größten Slum von Port-au-Prince, wagten sich aus Angst vor lokalen Banden keine Hilfsorganisationen. Die Ärmsten der Armen seien damit von der Nahrungsmittel- und Wasserverteilung ausgeschlossen. Die Ärztin, die seit vielen Jahren ohne Personenschutz in dem Elendsviertel arbeitet, hält die Sicherheitsbedenken für völlig übertrieben.
Staatliche Stellen hätten ihre Arbeit erst ansatzweise wieder aufgenommen. Daher herrsche vielfach ein organisatorisches Chaos: Eingeflogene Ärzte würden nicht eingesetzt und Hilfsgüter steckten am Flughafen fest, weil sich niemand zuständig fühle. Andererseits kritisierte die Ärztin das Gebaren mancher Hilfsorganisationen, die ohne jede Kenntnis von Land und Leuten entscheiden möchten, was in Haiti richtig oder falsch sei. Höfler verwies auf die Erfahrung der haitianischen Caritas, die Zweigstellen in allen katholischen Pfarreien des Landes unterhalte und hervorragende Arbeit an der Basis leiste.
Scharf kritisierte Höfler die Berichterstattung vieler Medien: Was sich in Haiti abspiele sei eine echte Tragödie und keine Mitleidsnummer. “Das Elend von Millionen Menschen wird auf das Schicksal einzelner Kleinkinder reduziert,“ so die Ärztin. Dabei sei es überaus fraglich, ob es sich bei den Kindern, die man vorübergehend in Heimen und Lagern aufgenommen habe, wirklich um Waisenkinder handele: „Die meisten Adoptionen haitianischer Kinder sind reine Geschäftemacherei,“ sagte Höfler.
Die Kölner Ärztin unterstützt die Arbeit der Salesianer Don Boscos in den Armenvierteln der haitischen Hauptstadt. Viele Einrichtungen des Ordens wurden durch das Erdbeben zerstört. Auf Einladung der Don Bosco Mission in Bonn weilt Dr. Barbara Höfler derzeit in Deutschland, um weitere Hilfsmaßnahmen mit der Zentrale des katholischen Sozialordens abzustimmen. Interviewtermine sind möglich (Anfragen bitte an Tel: +49 228 539 65-0)

(dbm)
Bild: Dr. Barbara Höfler mit Kindern in der Cité Soleil. Copyright www.achim-pohl.de