Deutsche Provinz der
Salesianer Don Boscos

Dr. Amanda Ramm führt Stifter durch die Schlossanlage Schleißheim

Veröffentlicht am: 01. Oktober 2010

Am Freitag, 19. September, ab 14 Uhr durfte ich mit einer Gruppe von Stiftern zwei Stunden aus der bayerischen Geschichte erleben, wie sie kaum spannender und interessanter erzählt werden konnte. Wir sahen die eindrucksvolle Größe und Schönheit der Räume, die Farben-pracht der Decken- und Wandgemälde, die herrliche Vielfalt der Stuckverzierungen. Nichts, auch nicht die kleinste verschönerte Fläche, wurde in diesem Prachtbau dem Zufall überlas-sen. Selbst beim Blick über den Garten mit seinen Wasserspielen, der sich in der ganzen Breite des Hauptschlosses bis zum kleinen Schloss Lustheim hinzog, war man überwältigt von der Komposition des Gartenarchitekten. Es waren nur wenige Stellen, wo uns Frau Dr. Ramm versammelte, um uns die großen Zusammenhänge zu erläutern. Wir sahen nicht vielerlei in dem Schloss, aber wo auch immer wir uns um sie versammelten, da hörten wir spannende Geschichten.

Beim Modell der geplanten Anlage wurde klar, wie ehrgeizig die Pläne des Fürsten „von Got-tes Gnaden“ waren: Manche Schlossflügel konnten aus finanziellen Gründen nicht realisiert werden. Für wen wurde dieser gewaltige Aufwand an Mitteln, an bezahlten Künstlern aus verschiedenen europäischen Ländern, für wen all dieser Luxus betrieben? Es gab damals nur eine Antwort: Für den, der Gott besonders nahe zu stehen glaubte, den von Gottes Gnaden erwählten Fürsten.
Dieses Denken, dass für Landesherren nur das Beste gut genug wäre, fand seinen Höhepunkt unter Ludwig XIV. von Frankreich, dessen Vorbild auch andere europäische Fürsten, auch ein Max Emanuel von Bayern in Schleißheim nachzuahmen versuchte.
Harmonie galt als etwas, das Gott widerspiegelte. Sie zeigte sich in den kleinsten Verzierun-gen bis zur gesamten Anlage. Dort, wo sie nicht vorhanden war, wurde sie künstlich herge-stellt.

Zum Beispiel war der Empfang der Besucher an den beiden Treppenaufgängen bis ins Kleins-te reglementiert. Der Rang des oben an der Ballustrade Stehenden zeigte dem Gast, wie hoch oder wie gering er eingeschätzt wurde.

Das Lichtermeer bei abendlichen oder nächtlichen Festen erforderte einen ungeheueren Aufwand an Kerzen. Eine Kerze hatte zur damaligen Zeit einen Wert vom Wocheneinkom-men eines Tagelöhners.

Selbst bei der Wartezeit vor einer Audienz waren die Besucher „gezwungen“, die in strengs-ter Ordnung und Harmonie aufgehängten Gemälde zu studieren, um letztlich den Besitzer dieser Kunst bewundern zu müssen.
Die Kapelle des Schlosses war Ort des Gebetes, des Messopfers, wo sich Adel und Bedienste-te zwar trafen, aber selbst dieser geheiligte Raum mit seinen Logen und zugewiesenen Sitz- und Stehplätzen diente schließlich dazu, Rang und Stand und vor allem die Gunst, die jemand gerade beim Fürsten genoss, allen kundzutun.
Noch viele weitere spannende Einzelheiten gab uns Frau Dr. Ramm aus ihrem reichen kunst-geschichtlichen Wissen mit auf den Weg. Die zwei Stunden ihrer Führung vergingen für uns wie im Flug.

(rt)