Deutsche Provinz der
Salesianer Don Boscos

Hoffnungsstark! Gegen Ausgrenzung von Jugendlichen

Veröffentlicht am: 01. Februar 2010

München – Mit der offiziellen Eröffnung des „Projekts LIFE“, einer Wohngruppe für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in München, und einem Festgottesdienst mit dem neuen Generalvikar der Erzdiözese München und Freising, Prof. DDr. Peter Beer, haben die Salesianer Don Boscos in München am Freitag, 29. Januar, und Sonntag, 31. Januar, das Hochfest ihres Ordensgründer Johannes Bosco (1815-1888) gefeiert.

Zum Auftakt ihres Festwochenendes eröffnete die katholische Ordensgemeinschaft am Freitagabend eine Wohngruppe für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Im Beisein zahlreicher Gäste aus Politik, Kirche und Gesellschaft wurden die elf jungen Männer im Jugendwohnheim Salesianum in München-Haidhausen willkommen geheißen. Das neue Projekt, das bereits im August vergangenen Jahres angelaufen ist, bietet elf jungen Migranten, Asylbewerbern und Flüchtlingen, die aufgrund von Krieg, Verfolgung, Vertreibung, Hunger oder Naturkatastrophen ihre Heimat verlassen mussten und ohne ihre Familie nach München kommen, Unterstützung und Hilfe bei der Organisation und Bewältigung ihres Alltags in fremder Umgebung. Die Jugendlichen erhalten Unterstützung bei der Klärung von rechtlichen Fragen, beim Ausfüllen von Anträgen, Behördengängen und beim Erlernen der deutschen Sprache. Zu den weiteren Angeboten zählen die pädagogische und seelsorgliche Begleitung bis zum Erreichen eines Schulabschlusses, die Vermittlung von Lehrstellen oder anderen Qualifizierungsmaßnahmen sowie eine Gesundheitserziehung. Ziel des Projekts ist es, die jungen Menschen bei ihrer Lebens- und Zukunftsgestaltung zu begleiten, sie zu stärken und ihnen zu einem gelingenden Leben zu verhelfen.
P. Franz-Ulrich Otto: „Junge Menschen nicht auf Standstreifen des Lebens abstellen“ Unter dem Thema „Hoffnungsstark! Gegen Ausgrenzung von Jugendlichen.“ hatten die Salesianer vor der offiziellen Eröffnung zu einer Vesper mit anschließender Podiumsdiskussion in die Pfarrei St. Wolfgang eingeladen. „In Anlehnung an das europäische Jahr gegen Armut und soziale Ausgrenzung wollen wir die wachsende Armut junger Menschen, auch in Deutschland, klar und deutlich benennen“, erklärte P. Franz-Ulrich Otto SDB, Provinzialvikar der Salesianer Don Boscos und Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft Katholische Jugendsozialarbeit, das bundesweite Motto der diesjährigen Don Bosco Festwoche.
In den Jugendhilfeeinrichtungen seines Ordens habe man gerade in den vergangenen Jahren zunehmend mit Jugendlichen zu tun, die ausgebremst oder auch ausgegrenzt seien.
„Ein immer größer werdender Teil hatte leider nie die Chance, angenommen zu sein und wertgeschätzt zu werden“, so der 59-Jährige, der als Gründe für die neu entstandene Jugendnot vor allem auch einen zunehmenden Werteverlust in der Gesellschaft nannte. Kritik übte der Salesianer aber auch an Reformen und Einsparungen im Sozialwesen der vergangenen Jahre, an oft falscher Priorisierung und Verengung der Zielsetzung aller Bemühungen um die Integration in Arbeitsprozesse. „Und deswegen dürfen wir nie zulassen und hinnehmen, dass irgendein junger Mensch auf dem Standstreifen des Lebens abgestellt wird – auch von keinem Gesetzgeber“.
Podiumsdiskussion: „Begegnungen überwinden alle Widerstände“
In einer anschließenden Podiumsdiskussion, die vom Geschäftsführer der Landesarbeitgemeinschaft Katholische Jugendsozialarbeit, Michael Kroll, moderiert wurde, wurde das Thema des Abends in unterschiedlichen Facetten ausgeführt. Auf dem Podium diskutierten
Arnd Brechmann, Vorstand der Christoph-Metzelder-Stiftung „Zukunft Jugend“; Prof. Dr. Egon Endres, Präsident der katholischen Stiftungsfachhochschule München; Prälat Hans Georg Lindenberger, Diözesancaritasdirektor, sowie P. Dr. Bernhard Vondrasek SDB vom Don Bosco Flüchtlingswerk Österreich. Die Podiumsteilnehmer berichteten, wo sie in ihrem persönlichen Umfeld und ihrer Arbeit Ausgrenzung erleben, was Zugehörigkeit für sie bedeutet und was sie „hoffnungsstark“ werden lässt.
P. Dr. Bernhard Vondrasek, Vorsitzender des Don Bosco Flüchtlingswerks Österreich,
konnte dabei sehr gezielt von seinen Erfahrungen in einem Wohnprojekt der Salesianer
Don Boscos in Österreich berichten. Der Salesianer erzählte von den Schwierigkeiten, die
es bei der Integration der Jugendlichen gegeben habe: „Unsere Wohngruppe ist mitten in einem Villen-Viertel in Wien untergebracht. Was meinen Sie, wie die Menschen dort reagiert haben, als das Projekt bekannt gemacht wurde?“, so Vondrasek, der dazu ermutigte, Kritikern offen zu begegnen und entgegenzutreten. „Begegnungen von Mensch zu Mensch überwinden alle Widerstände“, erklärte der Salesianer.
Als einen Hauptgrund von Ausgrenzung sahen alle Podiumsteilnehmer eine mangelnde Teilhabe an Bildungschancen. „Das deutsche Bildungssystem versagt vor allem im Bereich Sprachbefähigung. Die Sprache ist eine Schlüsselqualifikation. Wenn es hier hapert, können Jugendliche noch so intelligent sein, dann haben sie keine Chance. Hier fehlt es an Weichen in unserem Bildungssystem“, fasste Prälat Hans Georg Lindenberger zusammen.
Der Diözesancaritasdirektor rief ebenso wie der Präsident der katholische Stiftungsfachhochschule, Prof. Dr. Egon Endres, dazu auf, verstärkt sozialpolitisch aktiv zu werden.
Bildung sei ein wichtiger Schlüssel, der immer wieder Wahlkampfstereotype sei, aber dann nicht umgesetzt werde, so Arnd Brechmann, Vorstand der Christoph-Metzelder- Stiftung „Zukunft Jugend“. Der Banker hatte zum Schluss des Abends noch eine kleine Überraschung im Gepäck. Der 46-jährige Essener, der am Don-Bosco-Gymnasium in Essen-Borbeck sein Abitur abgelegt hat, überbrachte gemeinsam mit Malte Metzelder nicht nur die Grüße von Stiftungsgründer und Fußballprofi Christoph Metzelder, sondern auch eine gute Nachricht: Im Namen der Christoph-Metzelder-Stiftung „Zukunft Jugend“ sicherte Brechmann dem „Projekt LIFE“ dank einer Spende des Juweliers WEMPE seine finanzielle Unterstützung zu. Eine Nachricht, die auch bei dem Direktor des Salesianums, P. Stefan Stöhr SDB, gut ankam. Er freute sich über die große Hilfe der Stiftung und dankte im Namen der Jugendlichen und des Ordens.
Generalvikar Prof. DDr. Peter Beer: „Don Bosco als Vorbild nehmen“
Das Hochfest ihres Ordensgründers Johannes Bosco (1815-1888) feierten die Salesianer Don Boscos in München am Sonntag mit einem Festgottesdienst in der Pfarrei St. Wolfgang. Hauptzelebrant war der neue Generalvikar der Erzdiözese München und Freising, Prof. DDr. Peter Beer. In seiner Predigt ging Beer, der die Salesianer Don Boscos und ihren Einsatz für die Jugend bestens aus seiner Zeit als Honorarprofessor an der Philosophisch- Theologischen Hochschule des Ordens in Benediktbeuern kennt, auf das diesjährige Motto des Don Bosco Festes ein: „Hoffnungsstark. Gegen Ausgrenzung von Jugendlichen“. Gerade Jugendliche machten in unserer heutigen Gesellschaft oft die Erfahrung von Ausgrenzung und Vorverurteilung, weil sie nicht in irgendein vorgefertigtes Schema passen. „Ausgrenzung schafft Kälte und nimmt Lebensmöglichkeiten“, sagte der Generalvikar und rief dazu auf, Don Bosco als Vorbild zu nehmen.
Nach dem Festgottesdienst feierten knapp 600 Gäste, Freunde und Mitglieder der großen Don Bosco Familie im Münchener Jugendwohnheim Salesianum. Nach einem gemeinsamen Mittagessen und Kaffeetrinken wurde im Theatersaal ein letztes Mal das bäuerliche Lustspiel „Gaunerpech“ von Carl Borro Schwerla aufgeführt.
(kh)