Deutsche Provinz der
Salesianer Don Boscos

Junge Menschen für herausragendes Engagement geehrt

Veröffentlicht am: 03. Oktober 2010

7. Preisverleihung der Stiftung Filippas Engel auf Schloss Sayn

Sayn/München. „Die Jugend von heute liebt den Luxus, hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt mehr vor älteren Leuten und diskutiert, wo sie arbeiten sollte.“ Dies meinen viele Menschen und so formulierte es bereits der Philosoph Sokrates, etwa 450 Jahre vor Christus. Am Samstag, 25. September 2010 wurde auf Schloss Sayn bei Koblenz das Gegenteil bewiesen:

Junge Menschen aus Deutschland, Österreich und Belgien, die sich in herausragender Weise für gemeinnützige Projekte in der ganzen Welt einsetzen, wurden mit dem Preis „Filippas Engel“ ausgezeichnet.

Die siebte Preisverleihung der Stiftung Filippas Engel fand vor rund 150 geladenen Gästen, darunter viele Gewinner der vergangenen Jahre, im Festsaal von Schloss Sayn statt. Durch das Programm führte der bekannte Journalist und TV-Moderator Marco Schreyl, ein Freund der Sayner Fürstenfamilie.

Gabriela Fürstin zu Sayn-Wittgenstein-Sayn, Stiftungsvorstand und Mutter Filippas, freut sich über das großartige Engagement der jungen Preisträger: „In diesem Jahr konnten wir vierzehn Preise mit insgesamt 24.000 Euro an Einzelpersonen und Gruppen vergeben, die sich dafür einsetzen, dass aus dieser Welt ein besserer Ort wird.“ Die jeweiligen Preisgelder stehen den Preisträgern zur freien Verfügung. Zusätzlich werden zur Förderung einiger Projekte Förderpreise vergeben.

Im September 2001 verstarb die erst 21-jährige Prinzessin Filippa zu Sayn-Wittgenstein bei einem Verkehrsunfall in England. Einige Monate später fanden Fürst Alexander und Fürstin Gabriela die Tagebücher ihrer Tochter. Nach reiflicher Überlegung kamen Eltern, Ehemann und Geschwister zu dem Entschluss Auszüge aus den Tagebüchern zu veröffentlichen. Die Familie war überzeugt, mit dem Buch anderen Menschen in ähnlichen Situationen helfen zu können, ihr Schicksal anzunehmen. Die vielen Briefe, die Filippas Eltern noch heute erreichen, zeigen, dass es richtig war.

Mit dem Erlös des Buches, das schnell zum Bestseller wurde, gründete die Familie 2003 im Don Bosco Stiftungszentrum die Stiftung „Filippas Engel". Einmal im Jahr vergibt die Stiftung seither den Preis „Filippas Engel“ an junge Menschen aus ganz Europa, die sich auf außergewöhnliche Weise für soziale, ökologische oder kulturelle Projekte eingesetzt haben. Seit Gründung der Stiftung konnten Preisgelder in Höhe von 115.550 Euro vergeben werden.

Die Stiftung Filippas Engel versteht sich als eine Stiftung für die Jugend Europas. Zentrales Anliegen ist es, aufzuzeigen, wie engagiert, selbstlos und vielfältig sich „die Jugend von heute“ mit ihren Fähigkeiten für die Verwirklichung ihre Träume zur Verbesserung der Welt einsetzt.

Haupt- und Förderpreis (5.000 Euro)

Theresia Orsini-Rosenberg (26) aus Kärnten arbeitete acht Monate ehrenamtlich als Physiotherapeutin in einem Kinderhospital in Kambodscha, einem der ärmsten Ländern der Welt. Durch den Einsatz dort noch unbekannter Therapien und die Schulung von Eltern und Personal konnte sie bereits wesentliche Verbesserungen erzielen. Während eines weiteren einjährigen Aufenthalts möchte die junge Österreicherin nun als Leiterin der Physiotherapieabteilung eine wissenschaftliche Studie zur positiven Wirkung von Atemtherapie durchführen. So soll auf breiter Ebene der Entwicklungsfortschritt erkrankter Kinder aufgezeigt werden können. Damit sich auch die Behandlungsmöglichkeiten junger Patienten im Kinderkrankenhaus in Siem Reap (Kambodscha) nachhaltig verbessern, plant Theresia zusätzlich die Einrichtung eines Schulungszentrums für einheimisches medizinisches Personal und Studenten. www.angkors-kinder.de

Hauptpreise (je 2.500 Euro)

Sabatina James (28) aus Pakistan engagiert sich mit ihrem Verein für muslimische Frauen in Deutschland, die von Zwangsheirat bedroht sind oder Gewalt in der Familie erfahren. Die 28-Jährige begleitet die Frauen und unterstützt sie in vielfältiger Hinsicht. Sabatina James ist eine Frau, die sich für die Würde des Menschen und sein Recht auf Selbstbestimmung einsetzt. Weil Sabatina nicht den streng muslimischen Kodex beachtete, sich einer Verheiratung entzog, von ihrem Glauben abwandte und christlich taufen ließ, ist sie für ihre eigene Familie eine unerwünschte Person, die um ihr Leben fürchten muss. Doch Sabatina James geht ihren eigenen Weg – nicht zuletzt, um auch anderen Frauen mit ähnlichem Schicksal Mut zu machen. www.sabatina-ev.de

Jan Bildhauer (24) aus Königsfeld gründete nach einem Freiwilligeneinsatz in einem
Aids-Waisenhaus in Südafrika das Projekt „Go Ahead!“, eine Initiative, die die Energie, den Enthusiasmus und den guten Willen junger Menschen nutzt. Durch die Unterstützung von Bildungsprojekten soll Jugendlichen im südlichen Afrika, denen durch Aids und Armut jegliche Perspektive im Leben geraubt wurde, eine Zukunftsperspektive ermöglicht werden. Durch die Rückbindung des Projektes an zehn deutsche Hochschulen und den geförderten interkulturellen Austausch entsteht ein Miteinander, in dem alle Beteiligten voneinander „lernen“ können – neben der konkreten Hilfe wohl das Wichtigste in einer globalen Welt. www.goahead-organisation.de

Maria Anna Salm und Victoria Trott (beide 24) aus Schwaigern führen seit einigen Jahren das Projekt „Courage!“ fort, das ihre Brüder zusammen mit Freunden 2005 gegründet haben. Courage! e. V. nimmt sich geistig behinderter Kinder in Afrika an und ermöglicht ihnen betreute Ferien im eigenen Land. Hier erfahren sie, wie sie durch den Zusammenhalt, den Austausch und das Spiel mit Gleichbetroffenen trotz aller Grenzen und Einschränkungen im Alltag noch eine Menge Spaß haben können. Aus Courage! e. V. schöpfen sie neuen Mut und Kraft zum Weiterleben. www.courage-africa.org

Maria Grundberger (29) aus München engagiert sich seit ihrem 17. Lebensjahr in
der Schwangeren-Konfliktberatung. Dabei wählt sie auch unkonventionelle Mittel wie zum Beispiel eine „Gehsteig-Beratung“ vor einer Abtreibungsklinik, um mit betroffenen Frauen nach gemeinsamen Perspektiven für das Leben Ausschau zu halten. Die gelernte Hebamme hat, trotz vieler Anfeindungen, stets ihre Überzeugung für ihre Arbeit beibehalten. www.alfa-ev.de

Daniela Mattern (30) gründete 2004 das „Projeto Alavanca Brasil“ (PAB) im Elendsviertel São Remo im Westteil von São Paulo, eine Initiative, die durch Bildung, Gemeindeentwicklung und Erwerbsförderung zur Verbesserung der Lebensbedingungen in den Favelas der brasilianischen Großstadt beiträgt. Durch mannigfache Einzelprojekte erreicht sie hier Veränderungen vor Ort, die greifen. Ihre eigene Qualifikation als Betriebswirtschaftlerin setzt sie begeistert für diese Ziele ein
– sowohl zeitlich unbegrenzt als auch nachhaltig. www.projeto-alavanca.org

Ehren- und Förderpreise Soziales (je 1.000 Euro)

Jochen Hartmann (21) und seine Kommilitonen der Organisation „WHU Studenten helfen e.V.“ (WHUSH) der Otto Beisheim School of Management in Vallendar engagieren sich seit 2004 ehrenamtlich für unterschiedlichste soziale Projekte im In- und Ausland. Der Verein hat sich zum Ziel gesetzt, das gemeinnützige, soziale Engagement innerhalb der Studentenschaft langfristig zu fördern und nachhaltig Hilfe zu leisten, wo diese benötigt wird. So qualifizieren sich diese Studenten nicht nur als Betriebswirtschaftler, sondern auch als Menschen mit Herz. Ihre hier gesammelten Erfahrungen werden mit Sicherheit ihr Leben entscheidend prägen. www.whush.de

Irene Stütz (21) und das Team des SALE Wien – junge Menschen, die fast alle ein Jahr als Volontäre in Don-Bosco-Projekten auf der ganzen Welt ehrenamtlich tätig waren – sind ein besonderes Beispiel dafür, wie Menschen durch ein soziales Engagement im Rahmen eines Freiwilligendienstes im Ausland auch vor Ort mit offenen Augen ihre Alltagsrealität wahrnehmen. In Wien ist daraus ein Jugendzentrum für Kinder mit Migrationshintergrund entstanden, das umfassende Angebote entwickelt hat. Durch die Erfahrungen mit den Jugendlichen werden die Angebote kontinuierlich weiterentwickelt. Ein Beispiel, das an vielen Orten Schule machen sollte. www.salefueralle.at

Lisa Bell (21) aus Eynatten in Belgien arbeitete elf Monate lang im Rahmen des Freiwilligendienstes „weltwärts“ in einem Mädchenheim in Kathmandu (Nepal). Die 21-Jährige, die eine Ausbildung als Schwesternhelferin hat, konnte in dem Heim in vielfältiger Weise helfen. So unterrichtete sie Kinder in Deutsch und Chinesisch, gab Gitarrenunterricht und brachte ihnen bei, mit dem Computer umzugehen. Auch nach ihrer Rückkehr aus Kathmandu setzt sie ihr vorbildhaftes Engagement für das Mädchenheim fort. wwin.wordpress.com

Ehrenpreis Soziales (500 Euro)

Anna Vikky (22) aus Düsseldorf gründete 2009 die Social Media Non-Profit-Organisation „2aid.org.e.V.“. Ihre Idee war es, die Möglichkeiten sozialer Netzwerke wie Twitter, Facebook und studiVZ konkret im Kampf gegen globale Armut zu nutzen. Die Unterstützer werden von der Auswahl der Projekte bis zu ihrer Realisierung einbezogen. Was vor Jahren undenkbar war, wird hier Realität: Eine virtuelle Vernetzung schafft ein neues Bewusstsein, aus dem konkrete soziale Projekte entstehen, wie z.B. 2010 drei Brunnen in Uganda. Ein überzeugendes Beispiel, wie die Nutzung der neuen Kommunikationstechnologien die Welt ein wenig „besser“ werden lässt. www.2aid.org

Ehren- und Förderpreis Kultur (1.000 Euro)

Fetije Kryeziu (24) aus Bendorf-Sayn liebte die Musik schon als kleines Mädchen. Als ihre heute siebenköpfige Familie vor 22 Jahren aus dem Kosovo floh, war an Musikunterricht aufgrund des geringen Einkommens der Familie nicht zu denken. Fetije, die heute als Arzthelferin tätig ist, träumte schon lange davon, mit ihren Geschwistern und Freunden das nachzuholen, was ihnen als Kinder nicht möglich war: zu singen und zu musizieren. So begann sie ein Musical zu schreiben und stellte eine Gruppe aus Freunden – 32 Akteure aus neun Nationen – zusammen, die gemeinsam einen großen Traum teilten: ein eigenes Musical aufzuführen. Intensive Vorbereitungen und Proben folgten, bis es endlich soweit war. Durch ihr spannendes Projekt wurden junge Menschen unterschiedlicher Kultur und Religion zu einer neuen Gemeinschaft vereint. Dies zeigt, dass mit gutem Willen und einem gemeinsamen
Ziel Integration gelingen kann.

Ehrenpreis Kultur (500 Euro)

Gabriel de l‘Escaille (26), Christoph Stolberg (28) und die Jugendlichen von „Young friends of the countryside“ (YFCS) haben es sich zum Ziel gesetzt, den ländlichen Raum in Europa in seiner Schönheit und Vielfalt zu erhalten und nachhaltig weiterzuentwickeln. Das gemeinsame Engagement verbindet und lässt im Austausch neue Ideen entstehen, die zur Bewahrung dieses kulturellen Erbes beitragen können. Das Projekt zeigt deutlich auf, wie eine Vernetzung über die eigenen Grenzen hinaus neue Perspektiven öffnet. www.yfcs.eu

Ehren- und Förderpreis Ökologie (1.000 Euro)

Felix Finkbeiner (13) aus Paehl hatte einen Traum. Der 13-Jährige wollte in Deutschland eine Million Bäume pflanzen, um nachhaltig zu einer Verbesserung des Klimas beizutragen. „Stop Talking – Start Planting!“ ist das Motto der Schülerinitiative „Plant for the Planet“, deren Initiator der 13-jährige ist. Binnen drei Jahren konnte sein Ziel realisiert werden. Doch Felix und seine Mitstreiter setzen ihre Aktion fort. Bis zum Jahr 2020 wollen sie ein weltweites Netzwerk errichten, in dem eine Million Menschen sich für den Klimaschutz einsetzen. Sie träumen nicht nur ihr Leben, sondern leben ihren Traum. www.plant-for-the-planet.org

Ehrenpreis Ökologie (500 Euro)

Daniel Müller (13) aus Lehmen interessierte sich bereits mit vier Jahren für Insekten und Schmetterlinge. Zusammen mit seinem Großvater bestimmte er die verschiedensten Arten, beobachtete sie und züchtete sogar selbst Tiere, die er später in ihrer natürlichen Umgebung aussetzte. Seine eigenen Kenntnisse weiterzugeben hat ihn dazu motiviert, eine Broschüre über die Schmetterlinge an der Untermosel zu veröffentlichen. Ein ökologisches Engagement, das Anerkennung verdient.