Deutsche Provinz der
Salesianer Don Boscos

Laute Kunst für stille Momente

Veröffentlicht am: 22. Juli 2019

Bamberg – Höllenlärm bricht aus, Späne fliegen, als sich die Kettensägen in die Baumklötze arbeiten. Die Rinde fällt, das blanke Eichenholz wird sichtbar. Nein, schnöde Scheite für den häuslichen Kamin ergibt das Ganze beileibe nicht! Hier entstehen Kunstwerke der besonderen Art, geschaffen von internationalen Eliteschnitzern.

Die ersten Zuschauer haben sich schon an diesem Freitagmorgen (12.07.2019) am Don Bosco Jugendwerk Wolfsschlucht eingefunden. Für sie hält Emil Hartmann ein Döschen mit blauen Ohrenstöpseln bereit. Tatsächlich ist bei dem Kreischen der Kettensägen – jede einzelne mit 120 Dezibel – kein Wort mehr zu verstehen. Egal! Denn das, was die sechs Künstler da so virtuos treiben, macht atemlos.

Zeichen nach außen setzen

„Wir wollen in unserem 100. Jubiläumsjahr ein Zeichen nach außen setzen. Mit jeder Figur, die hier entsteht, kann man etwas über Don Bosco erfahren“, erklärt Emil Hartmann, der Gesamtleiter aller Einrichtungen des Don Bosco Jugendwerks in Bamberg. So taugt diese laute Säge-Kunst künftig für stille Momente in der Stadt. Denn an jedem Haus des Jugendwerks wird eine der fertigen Skulpturen ihren Platz finden und zum Innehalten einladen.

Diese Art von Kunst, die in den USA ihre Wurzeln hat, ist eher von Männern dominiert. Kein Wunder, da so eine Motorsäge locker sechs, sieben Kilo auf die Waage bringt. „Man braucht Kraft, aber man wächst mit den Aufgaben!“, sagt denn auch die einzige Frau in dieser Herrenriege, Res Hofmann. Die 37-jährige, überaus zierliche Fränkin aus Schlüsselfeld im Landkreis Bamberg schwingt ihre Kettensäge wie nichts. Ruckzuck ist ihr Eichenstamm entrindet, dann beginnt die Feinarbeit für die figürliche Darstellung mit exakten Proportionen und Gesichtszügen: Ein klassischer Don Bosco mit zwei Kindern soll für das Comboni-Haus an der Oberen Karolinenstraße entstehen. Der heilige Jugendfreund als „Kümmerer“, der zu seinen Schützlingen sagt: „Es ist mir völlig egal, welche Probleme oder Fähigkeiten ihr mitbringt. Hauptsache ihr seid jung, das genügt mir, um euch gern zu haben. Ich bin für euch da.“

Bis einschließlich Sonntag (14.07.2019) hat Res Hofmann Zeit, ihrem Don Bosco förmlich Leben einzuhauchen. Für die gelernte Krankenschwester und Autodidaktin kein Problem. Denn seit sie vor vier Jahren das Kettensägenschnitzen als Passion und Beruf entdeckt hat, entwickelte sie sich im Rekordtempo in die internationale Elite dieser Kunst – inklusive Meisterschaften und Auszeichnungen.

Meister ihres Faches

Ihr gelang es, für dieses Kettensägen-Symposium an der Wolfsschlucht weitere Meister ihres Faches zu gewinnen: Riccardo Villacis und Marcelo Chuguin aus Ecuador, Martin Reichmann und Christian Schmidt aus Thüringen sowie Michael Tamoszus aus Baden-Württemberg.

In Schutzkleidung und -schuhen hantieren sie allesamt routiniert mit der Kettensäge. Dabei hat sich beispielsweise Martin Reichmann eine wahrlich schwierige Aufgabe gestellt: „Don Bosco macht Handstand im Apfelbaum“, erklärt der ausgebildete Holzbildhauer sachlich knapp und verweist auf spezielles Werkzeug wie den Stechbeitel, den er speziell für die filigranen Teile seiner Skulptur benötigt.

Michael Tamoszus orientiert sich an seinem selbstgefertigten Mini-Modell: „Don Bosco balanciert auf einer Kugel“, Christian Schmidt wagt sich sägend an eine große, beschützende Hand des Don Bosco. Alle sechs haben sich jedenfalls im Vorfeld mit dem Heiligen und dem Bamberger Jugendwerk dessen Namens auseinandergesetzt. Res Hofmann spricht auch für ihre Kollegen, wenn sie lobt: „Wenn ich sehe, welche Chancen sonst benachteiligte Kinder hier bekommen, ist das faszinierend!“
 

Text: Marion Krüger-Hundrup/Mediengruppe Oberfranken, Fotos: Emil Hartmann
 
 
  
Video-Eindrücke dieser besonderen Schnitzaktion

 

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