Deutsche Provinz der
Salesianer Don Boscos

Neun Monate nach dem Erdbeben in Haiti

Veröffentlicht am: 23. November 2010

Ende November stehen die Präsidentschaftswahlen an. Der amtierende Präsident Preval darf nach zweimaliger Amtszeit laut Gesetz nicht mehr kandidieren, daher hat er fünf Kandidaten seiner populistischen Partei ins Rennen um seine Nachfolge geschickt. Insgesamt kandidieren 19 Anwärter auf das Präsidentenamt.
Die Lage der durch das Erdbeben obdachlos gewordenen Menschen ist nach wie vor schockierend. Man schätzt die Zahl der in Lagern und Zelten lebenden Menschen auf eine halbe Million. Die Regierung bleibt in dieser Sache weitgehend untätig, Hausbauprogramme sind nur in kleinem Maße angelaufen.
Auch die Salesianer Don Boscos (SDB) sind von der schlimmen Lage betroffen. In ihren übriggebliebenen Einrichtungen in Cap Haitien, Fort Liberté im Norden oder Les Cayes im Südwesten steigen die Schülerzahlen. Dies stellt die Salesianer und ihre Mitarbeiter vor enorme Herausforderungen: zusätzliches Unterrichts- und Ausbildungsmaterial muss beschafft werden, bauliche Veränderungen müssen z.T. vorgenommen werden und zusätzliches Personal eingestellt werden, um die gestiegene Anzahl von Kindern und Jugendlichen in den Einrichtungen aufnehmen zu können.
Die Arbeit der SDB im Erdbebengebiet in den vergangenen neun Monaten
Thorland:
Auf der großen Freifläche der früheren Jugend- und Bildungsstätte der SDB in Carrefour, siedeln sich unmittelbar nach dem Erdbeben 15.000 Menschen in Zelten an. Koordiniert von den Salesianern und den Don Bosco Schwestern (FMA) werden die Familien mit Hilfe anderer ausländischer Nichtregierungsorganisationen mehrere Monate mit dem Nötigsten versorgt. Die Familien erhalten von Don Bosco substantielle Hilfe für einen Neuanfang. Die Salesianer kümmern sich vor allem um die Kinder und Jugendlichen, denen sie sinnvolle Freizeitaktivitäten anbieten.

Die Technische Berufsschule ENAM:
Das große Gelände im Zentrum von Port-au-Prince im Stadtteil La Saline war vom Erdbeben extrem stark beschädigt worden. Hier befanden sich vor dem Erdbeben die technische Berufsschule ENAM (Ecóle National des Arts et des Metiers), eine Bäckerei, das Werk der Kleinen Schulen (OPEPB), das Straßenkinderzentrum Foyer Lakay sowie ein Wohnhaus der Salesianer. Von den Salesianern konnte nun ein 5 ha großes Grundstück erworben werden, auf dem in Zukunft eine neue technische Schule entstehen soll.

Straßenkinderzentrum Lakou/Lakay:
Die erste Anlaufstelle für Straßenkinder in Port-au-Prince ist Lakou – der Hof. Hier konnten nach dem Erdbeben die zerstörten Umgebungsmauern sowie die zerstörten Wände der Gebäude wieder aufgebaut werden. Im Foyer Lakay, wo die Jugendlichen leben, zur Schule gehen und eine Ausbildung erhalten, waren vor allem die Werkstätten beschädigt sowie die Umgebungsmauern zerstört. Diese werden sukzessive wieder aufgebaut, sind aber noch nicht fertiggestellt.

OPEPB (Oevre des petits ecoles de Pere Bohnen) –
Zum Werk der Kleinen Schulen gehörten auf dem weitläufigen Gelände in La Saline mehrere Schulkomplexe, Werkstätten, Bäckerei, Schulküche- sowie Kantine. Ein Schulkomplex wurde komplett zerstört, unter ihm über 200 Jugendliche sowie junge Erwachsene begraben, die zu dieser Zeit an einer Fortbildungsmaßnahme teilnahmen. Um die vorher bestehenden 70 Schulklassen ansatzweise zu ersetzen, wurden in den letzten Monaten in Holzbauweise 21 vorübergehende Klassenzimmer gebaut, der Schulunterricht wurde im April wieder aufgenommen.

Grund- und Sekundarschule sowie Internat Gressier:
Acht Zelte ersetzen die völlig in sich zusammengefallene Grund- und Sekundarschule von 2004. Derzeit werden 180 Kinder und Jugendliche in Gressier unterrichtet. Aufgrund der prekären Wohnsituation der Internatsschüler in Gressier nach dem Erdbeben, die in kleinen Campingzelten lebten, wurden als erste Maßnahme acht kleine provisorische Häuser für jeweils 10 Schüler errichtet, die übergangsweise als Wohnheim dienen. Die Grund- und Sekundarschule soll allerspätestens bis zum Schuljahr 2012 in einem Neubau wieder eröffnet werden.

Cholera in Haiti
Im Oktober ist die Cholera nördlich der Haupstadt PaP in Saint-Marc ausgebrochen. Die Krankenhäuser sind überfüllt, bereits 220 Tote sind zu beklagen, mehr als 3000 Menschen sind erkrankt. Hauptursache soll der verunreinigte Fluß Artibonite sein, aus dem täglich tausende Menschen Wasser entnehmen.
Die Salesianer bleiben dennoch optimistisch. Wichtig ist nun vor allem, dass die Aufklärungskampagnen weiter aktiv in den Medien verbreitet werden und keine Panik ausbricht. Die Don Bosco Einrichtungen sind nicht betroffen, die Mitarbeiter sind angehalten, die Situation genau zu beobachten und entsprechend schnell zu reagieren.

(cm)

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