Deutsche Provinz der
Salesianer Don Boscos

Praktikums-Austausch mit Tschechien

Veröffentlicht am: 09. November 2010

Berufsschüler aus Jirkov, einer Stadt in unmittelbarer Nähe von Chomutov in der Tschechischen Republik, lernten Ende Oktober die Ausbildung im Don Bosco Jugendwerk in Burgstädt und Hartmannsdorf kennen. Im Austausch-Praktikum wollen die sechs jungen Leute aus dem Nachbarland ihr Fachwissen erweitern. In Jirkov werden sie zu Schlossern und Näherinnen ausgebildet. Im dreiwöchigen Auslandsprojekt erfahren sie, wie die Lehrzeit für künftige Metallbearbeiter und Raumausstatter im Don Bosco Jugendwerk abläuft.
„Ich bin glücklich, dass ich am Austausch teilnehmen darf“, sagt Ondra Kviz. Drei Jahre habe er gelernt, wie Maschinen repariert werden. Danach habe er sich für die Berufsausbildung in Jirkov entschieden, so der 19-Jährige. Dass er im ersten Lehrjahr für den Auslandsaustausch ausgewählt worden sei, finde er toll. „Die deutschen Lehrlinge haben moderne Technik zum Drehen und Fräsen“, erklärt er begeistert. Er wolle so viel wie möglich über Bedienung und Arbeitstechniken erfahren. Tomas Hebr ist sicher, dass ihm das Arbeiten an neuen Maschinen und die neue Umgebung interessante Erfahrungen bringen werden. Bisher sei er nur einmal durch Deutschland gefahren, erzählt der 21-Jährige. Er sei deshalb auch auf Burgstädt und die Umgebung gespannt sowie auf das Zusammensein mit deutschen Jugendlichen. „Wir werden gut auskommen. Die Verständigung mit Fachbegriffen aus unseren Arbeitsbereichen hat schon am ersten Tag funktioniert“, meinten Marcus Schmidt (21) und Florian Dietze (17), die sich neben der eigenen Ausbildung um die Gäste kümmern.
„Es wird spannend“, glaubt Petra Chanove. Die Tschechin ist 24 Jahre alt, im dritten Jahr ihrer Ausbildung zur Näherin, und sie hat bereits an einem Austausch teilgenommen. Das Praktikum reize sie aus verschiedenen Gründen. Sie mag eine abwechslungsreiche Freizeit und findet deutsche Städte sehenswert. Vor allem aber will sie ihre Chancen für die Zukunft verbessern. „Arbeitsplätze gibt es in Städten wie Jirkov oder Chomutov im Braunkohlebecken von Most hauptsächlich im Bergbau, im Elektrizitätswerk oder in der Schwerindustrie. Näherinnen haben es schwer, einen Job zu finden“, berichtet sie. Ihre Hoffnung sind Firmen, die Näharbeiten für die Autoindustrie ausführen. Fertigkeiten, die zum Ausbildungsprogramm der Burgstädter Raumausstatter gehören, scheinen ihr dafür wichtig. „Wir werden mit den Praktikanten den Umgang mit Kettelmaschinen üben und Polsterarbeiten mit Schaumstoff anfertigen“, versichert Ausbilder Jens Pfoh.
Beides, das Kennenlernen neuer Arbeitstechniken und -abläufe sowie von Sprache und Kultur des Gastlandes, sei für die Jugendlichen wichtig, betont Don-Bosco-Aubildungsleiterin Syndi Winter-Stein. Grundlage für den Austausch sei eine Vereinbarung mit der tschechischen Bildungseinrichtung, die seit 2005 bestehe. „Wir haben mithilfe der IHK eine Partnerschule im Ausland gesucht, die zu uns passt. Denn unsere Auszubildenden, die zumeist lernbeeinträchtigt oder sozial benachteiligt sind, müssen lernen, mutiger auf Neues zuzugehen. Dabei helfen Auslandspraktika“, sagt sie. Für die Sprach- und kulturelle Betreuung gibt es Fördermittel. 2011 soll das Austauschprogramm noch erweitert werden. „Bürokräfte und Mediengestalter müssen mit der englischen Sprache vertraut sein. Deshalb suchen wir Partner in England“, so Winter-Stein.
(rt, Freie Presse, 21. Oktober 2010)