Berlin-Marzahn: Ein Neuanfang im Osten

Veröffentlicht am: 21. Mai 2021

Berlin – In Berlin pulsiert das Leben. Die Stadt veränderte sich in den letzten Jahrzehnten ständig. Ebenso bewegt war die Präsenz der Salesianer Don Boscos in der heutigen deutschen Hauptstadt seit 1934 bis heute. Verschiedenste Standorte zeugen davon, dass die Ordensgemeinschaft den Notwendigkeiten entsprechend die Standorte wechselte. "Nicht ein schöner Ort, sondern die Erfordernisse junger Menschen bestimmen, wo wir uns aufhalten", fasst Pater Franz-Ulrich Otto zusammen, der die Arbeit der Ordensgemeinschaft in Berlin besonders seit 2005 aktiv mitgestaltete.

Damals zog es die Salesianer Don Boscos nach Schließung ihrer Einrichtung 2004 in Wannsee in den Osten Berlins: In den Fokus war Marzahn-Hellersdorf gerückt, ein Berliner Bezirk mit vielen Problemen, in dem - anders als zum Beispiel in Kreuzberg - eher wenige soziale Initiativen ansässig waren. „Das war und ist die richtige Stelle – bis heute“, sagt Pater Franz-Ulrich Otto.

Charakteristisch für den Bezirk war zudem die Tatsache, dass 90 Prozent der dort lebenden Menschen noch nie mit Religion in Verbindung gekommen waren. Auch die politische Situation war angespannt: Die Linken sowie die AfD hatten ähnlich viele Sitze in der Bezirksverordnetenversammlung. „Die Polarisierung zwischen links und rechts und dazwischen wir“ – so bringt der Salesianer die Ausgangssituation auf den Punkt.

 

Neustart im Berliner Osten

Durch den Kontakt und die Zusammenarbeit der Salesianer Don Boscos in Heiligenstadt mit den dort ansässigen Schwestern der hl. Maria Magdalena Postel entstand zu dieser Zeit auch die Idee, gemeinsam ein Projekt in Berlin zu starten. So wurde die „Manege gGmbH“ ins Leben gerufen, unter deren Dach die Salesianer gemeinsam mit den Schwestern die pädagogische Arbeit in Marzahn entwickelten. Doch die Anfänge waren auch von Herausforderungen gekennzeichnet.

Berlin Historie

Die Zurückweisung kirchlicher Initiativen seitens der Behörden wurde an vielen Punkten sichtbar.

Die positive Entwicklung, die die Arbeit vor Ort nahm, verdanken die Salesianer Don Boscos auch einer Reihe sehr glücklicher Zufälle. Pater Franz-Ulrich Otto erinnert sich zum Beispiel an ein Gespräch mit dem damaligen Bezirksbürgermeister. Der Grund für das Treffen war ein Gebäude der Stadt, das der Orden für die Arbeit nutzen wollte. „Ich habe zunächst totale Ablehnung und offene Konfrontation erlebt“, erinnert sich Pater Otto. Doch nach Gesprächen fand man dann doch schnell Gemeinsamkeiten und es entwickelte sich eine konstruktive Zusammenarbeit.

Später handelte Pater Otto noch den Kauf des dahinter liegenden Gebäudes, des ehemaligen Hochbauamtes, aus. Damals erschien ihnen das Gebäude für ihre Arbeit aber eigentlich als viel zu groß: „Heute ist es eher zu klein“, weiß der Salesianer, der bis Sommer 2021 hier als Direktor tätig war.

 

Entscheidende Weichen stellen

Auch die Arbeit mit den öffentlichen Stellen erwies sich damals aus ähnlichen Gründen schwierig. Aus ideologischen Gründen, aber auch aufgrund von schlechten Erfahrungen lehnten viele die Zusammenarbeit mit kirchlichen Einrichtungen ab. „Wir bekamen keinen Fuß in die Tür.“ Wider Erwarten genehmigte das Jobcenter Ende 2005 jedoch eine vierwöchige Maßnahme für zehn Jugendliche im Don-Bosco-Zentrum Berlin.

Womit jedoch niemand rechnen konnte: Die Jugendlichen liefen kurz vor Heiligabend erneut zum Jobcenter und baten um eine Verlängerung der Maßnahme. Das war dann auch der Wendepunkt in der Zusammenarbeit mit dem Jobcenter, die mittlerweile laut Pater Otto „super“ sei. Als der Behörde dann ein Leiter vorstand, der die Salesianer durch seine Zeit in Südamerika kannte und sehr schätzte, intensivierte sich die Zusammenarbeit noch weiter und man entwickelte gemeinsam neue Konzepte und Ideen.

Mithilfe von politischen Kontakten wurde zudem die gesetzliche Grundlage für die Arbeit mit den Jugendlichen verbessert. Modellprojekte wurden darauf aufbauend ins Leben gerufen, die sich gerade an junge Menschen richten, die Schwierigkeiten beim Übergang von Schule in Beruf haben und meistens ohne Schulabschluss sind. Sie gehören zu der Hauptzielgruppe der Einrichtung.

 

 

„Hunger auf Bildung“ erzeugen

Besonderes Augenmerk des Don-Bosco-Zentrums in Berlin lag von Anfang an auf den jungen Menschen, die obdachlos sind, mit familiären Konflikten zu kämpfen haben, finanzielle Nöte haben oder arbeitslos sind. In der Einrichtung kümmert sich ein Team aus Pädagogen, Lehrern, Psychologen, Werkanleitern und anderen Fachpersonen um die Jugendlichen und bietet sehr vielfältige, auf die Bedürfnisse dieser Zielgruppe zugeschnittene Angebote an.

Bis heute machen die Salesianer unter dem Dach der „Manege gGmbH“ gemeinsam mit den Schwestern der hl. Maria Magdalena Postel Jugendarbeit in Berlin-Marzahn.

Text: Patrizia Czajor/Katharina Hennecke, Fotos: Manege gGmbH

Zur Website der Manege gGmbH Berlin

 

Don Bosco in Berlin – Stationen von 1934 bis heute