Altbewährtes neu genießen

Urlaubsimpuls von Br. Nils Flitter - Radtour

Ich komme gerade aus meinem diesjährigen Sommerurlaub zurück. Bei der Planung im Frühjahr wurde mir relativ schnell klar, dass frühzeitige und gleichzeitig zuverlässige Planungen aufgrund der Corona-Pandemie in diesem Jahr wieder einmal nicht wirklich möglich waren. Insofern reifte in mir recht schnell der Gedanke, wieder einmal in meine norddeutsche Heimat zu fahren. Von Ernüchterung oder Enttäuschung überhaupt gar keine Spur: Vielmehr verspürte ich große Vorfreude und eine ziemlich heitere Gelassenheit. So schön es auch sein mag, im Urlaub gänzlich Neues kennenzulernen und den eigenen Horizont zu erweitern: Es kann mindestens genauso guttun, Altbewährtes auszukosten und das neu zu genießen, was man früher schon als schön und bewundernswert schätzen und lieben lernen durfte.

Staunen und Dankbarkeit

Mein Elternhaus steht am Rand der Lüneburger Heide, und da liegt es auf der Hand, sich aufs Rad zu setzen. Das kann man entweder als ehrgeizige, sportliche Aktivität ansehen, von der man im Zweifel verschwitzt und ausgepowert zurückkommt. Man „darf“ aber auch ruhig ein E-Bike nehmen und guten Gewissens in einen höheren Modus schalten, während man links und rechts die faszinierende Natur in der Weite des Landes betrachtet und aus dem Staunen fast gar nicht mehr herauskommt. So konnte ich auf verschiedenen Touren in einer eigentlich doch schon gut bekannten Gegend auch noch viel Neues entdecken. Seien es die kleinen Wege durch Felder, Wiesen und Wälder, abgelegene, alte Bauerndörfer oder auch urige Cafés, wo es zur genussvollen Stärkung eine wohlverdiente Pause mit selbstgebackenem Kuchen gibt.

Den Augenblick als Geschenk auskosten

Zugegeben: In diesem Jahr war der Sommer ja teilweise wieder etwas verregnet, aber mit dem entsprechenden Wetterbericht und einer kleinen Portion Humor kann man ja doch schon die Zeiten am Tag finden, in denen es trocken ist. Und wenn ich anschließend wieder mit einem guten Buch auf dem Sofa sitze, wenn es draußen erneut zu regnen beginnt, dann kann ich mich gleich doppelt freuen: Dass ich trocken geblieben bin und dass ich trotzdem schon draußen war. Um Sonne zu tanken, um mich zu bewegen, um mir den Wind um die Nase wehen zu lassen, um irgendein Ziel anzusteuern oder – manchmal noch viel „besser“ – um einfach nur so drauf los zu fahren.

Ent-Spannung und Ent-Pflichtung

Br. Nils Flitter

Für mich bedeutet Urlaub, dass ich keine Termine habe und – das ist manchmal gar nicht so einfach – mir am besten auch keinen Freizeitstress mache. Es geht um Ent-Spannung und Ent-Pflichtung. Ich darf ausschlafen, mich in den Tag hineintreiben lassen, eine kleine Radtour oder einen Spaziergang unternehmen, immer ein gutes Buch griffbereit haben, insgesamt die Schlichtheit des Tages in seiner Natürlichkeit in vollen Zügen genießen. Es gibt so viele alltägliche und scheinbar selbstverständliche Dinge, für die ich dankbar sein kann und darf. Und interessant ist ja auch: Je weniger ich gehetzt bin, desto mehr kann ich mit offenen Augen durch die Welt gehen und mich an den vielen kleinen Schönheiten links und rechts vom Wegesrand erfreuen.

Br. Nils Flitter