Eine Pause einlegen

Urlaubsimpuls von Pater Elmar Koch - Hafen

Eine ältere, offensichtlich mit ihrem Leben sehr zufriedene Bauersfrau erzählte mir vor ein paar Jahren stolz, dass sie noch nie Urlaub gemacht habe. Es sei doch hier auf dem Land so schön, da brauche man nicht wegfahren, um Urlaub zu machen. Ist Urlaub denn nur etwas für Städter, dachte ich? Und wenn man eine solche Zufriedenheit ausstrahlt wie diese Frau, dachte ich weiter, hat sie vielleicht am Ende Recht. Aber – es gibt auch Menschen, die auf dem Land leben und ihren Urlaub weit weg verbringen und es gibt Städter, die ihren Urlaub auf dem Balkon über alles lieben. Also einfach nur Typsache?

Urlaub daheim oder doch in die Ferne schweifen?

Damit wollte ich mich nicht zufriedengeben. So machte ich mir eine Tabelle. Was spricht für einen Urlaub Zuhause und was spricht für einen Ortswechsel. Dabei kamen mir einerseits so wichtige Gründe in den Sinn wie: Tapetenwechsel, etwas Neues entdecken oder neue Impulse für sein Leben bekommen, aber andererseits auch so wichtige Aspekte wie: auch im Urlaub nicht auf die Lieblingsspeisen und Getränke verzichten wollen oder endlich einmal Zeit haben, fernsehen oder zocken, so lange man will; unendlich lange ausschlafen und den Tag mal so richtig vertrödeln oder auch: alles, was man so gerne zu Hause macht, in aller Ruhe machen oder endlich einmal Zeit haben für die Dinge, zu denen man sonst nicht kommt und die man schon immer mal machen wollte. Die Tabelle auf der Zuhausebleiben-Seite wurde immer länger. Wenn man im Urlaub Zuhause so glücklich sein kann, dann bleiben wir einfach Zuhause und TUI geht dann halt pleite, dachte ich.
Dann keinen „richtigen“ Urlaub mehr machen? Mit dieser Vorstellung konnte ich mich auch nicht anfreunden. Ich freue mich schon mindestens das ganze Jahr auf den großen Urlaub. Was nährt denn diese besonders große Vorfreude, versuchte ich weiter zu ergründen. Sicherlich ist es die Vorstellung, dass ich endlich wieder Zeit habe und nicht durch meinen Alltag gehetzt werde. Ist dies das Geheimnis der sympathischen Bauersfrau, dass sie ihren Alltag so gestaltet, dass erst keine Hektik aufkommt und sie deshalb keinen Urlaub braucht? Dann ist das die Lösung: einfach immer nur die ruhige Kugel schieben und dafür dann das ganze Jahr durcharbeiten. Betrachten wir aber den Alltag unserer Bauersfrau weiter, stellen wir fest, dass sie einerseits einen gleichmäßigen, arbeitsreichen Tagesablauf hat, aber dass das Jahr für sie durchaus ausreichende Ruhephasen bereithält.

Wechsel als Bestandteil des Lebens

Ich bin davon überzeugt, dass der Mensch diesen Wechsel braucht. Auch wenn durch ausgeklügelte Technik die Unterschiede des Jahreskreises und manchmal auch Tag und Nacht kaum noch zu spüren sind, so macht uns die Natur durch Sommer und Winter, Licht und Dunkel auf diese Unterschiede aufmerksam. Der Wechsel ist Teil des menschlichen Lebens. Wir sollten uns diesen Rhythmen nicht widersetzen. Dabei sind nicht nur die langen Ruhephasen des Jahresurlaubs wichtig. Schauen wir nur auf den Sonntag, der unserem Leben Abwechslung, Ruhe und neue Impulse gibt. Wir sollen den Sonntag heiligen, diese Auszeit in unserem Wochenplan halten und sinnvoll füllen, sagt uns Gottes Gebot.
Soll sich doch jeder den Urlaub gestalten, wie er es möchte. Gemütlich oder abenteuerlich, mit Menschen um sich herum oder in Zurückgezogenheit, in fremden Gegenden oder an gewohnten Orten. Die tiefe Sehnsucht, dem Alltag etwas anderes entgegenzusetzen, ist berechtigt. Ich wünsche uns, dass uns dieser Wechsel dorthin führt, wo wir uns hingewünscht haben. Ich wünsche uns aber auch, dass wir uns nach einiger Zeit wieder freuen, in unseren schönen und sinngebenden Alltag zurückkehren zu können.

Wo ich mich im Urlaub hinwünsche

Pater Elmar Koch SDB

Lange in der Sonne liegen oder im Meer baden ist es nicht. Sich irgendwo in ein Buch vertiefen ist es auch nicht. Menschen aus meinem Freundes- und Verwandtenkreis besuchen hingegen gehört dazu und streichelt meine Seele. Zu Fuß oder mit dem Kanu in der Natur unterwegs sein ist abenteuerlich und anstrengend, aber für meinen Geist erholsam. Größere Städte und kulturträchtige Orte besuchen und entdecken empfinde ich als großes Geschenk und macht mich glücklich.

Pater Elmar Koch SDB