„Jahres-Sabbat“ - Zeit, um das Leben in vollen Zügen zu genießen

Urlaub-Impuls von Pater Reinhard Gesing - Bergpanorama

„Gedenke des Sabbats: Halte ihn heilig! Sechs Tage darfst du schaffen und all deine Arbeit tun. Der siebte Tag ist ein Ruhetag, dem HERRN, deinem Gott, geweiht. An ihm darfst du keine Arbeit tun: du und dein Sohn und deine Tochter, dein Sklave und deine Sklavin und dein Vieh und dein Fremder in deinen Toren. Denn in sechs Tagen hat der HERR Himmel, Erde und Meer gemacht und alles, was dazugehört; am siebten Tag ruhte er. Darum hat der HERR den Sabbat gesegnet und ihn geheiligt.“

Exodus 20,8-11

Diese uralte Weisung aus der Bibel ist für mich ein sehr befreiendes Wort. Es bestimmt die Lebenspraxis des Judentums am Sabbat bis heute. Und auch die christliche Tradition ist davon geprägt, indem es den wöchentlichen Ruhetag auf den 8. Tag, den Tag der Auferstehung Christi, also den Sonntag übertragen hat.

Die Bibel verkündet uns hier einen sehr „menschlichen“ Gott, der nach getaner Arbeit selber ruht! Sechs Tage hat er „geschafft“, um die Welt ins Dasein zu rufen. Am siebten Tag hat er geruht und sich an seinem Schöpfungswerk erfreut. Der Text sagt uns, dass auch sein Ebenbild, der Mensch, nicht dafür da ist, dass er ununterbrochen wie ein Rädchen im großen Räderwerk funktioniert. Es gibt einen Tag in der Woche, da darf er einfach nur Mensch sein. Nur der Mensch kann ja den Sonntag begehen. Im Gottesdienst darf er seinen Dank dem Schöpfer gegenüber feiern; er darf das Miteinander mit den Brüdern und Schwestern erfahren; und er darf sich an diesem Tag orientieren und stärken für seine Aufgabe in der Welt. Und das ohne Unterschied durch alle gesellschaftlichen Schichten! Welch revolutionärer Tag, der alles auf den Kopf stellt.

Frei werden

Die Bibel kennt zwar das Wort „Urlaub“ nicht. Was sie über den Sabbat bzw. den Sonntag sagt, dürfen wir aber mit Fug und Recht auf die Ferien übertragen, die ja so etwas sind wie der „Jahres-Sabbat“. Sie sollen eine Zeit sein, in der wir, befreit von Aufgaben und Pflichten, nicht funktionieren müssen, sondern die „Freiheit der Kinder Gottes“ erfahren dürfen. Wir sollen und dürfen frei werden für die Begegnung mit Gott, mit der Familie und mit Freunden, mit Gottes Schöpfung, mit den Gaben der menschlichen Kultur und Geschichte etc. Wir dürfen das Leben in vollen Zügen genießen, um so neue Kräfte zu sammeln für den Alltag, der dann auch wieder auf uns zukommen wird.

Ich selber nutze die Ferienzeit sehr gern dafür, meine Familie zu besuchen, was mir während des Jahres leider nicht so leicht möglich ist. Im heimatlichen Münsterland macht es mir Freude, viel mit dem Fahrrad unterwegs zu sein und vertraute oder auch neue Orte aufzusuchen. Auch nutze ich die Zeit des Urlaubs gern für ausgedehnte Wanderungen, bei denen ich immer wieder an schönen Orten (z.B. in stillen Kirchen) verweile, um mich nicht nur körperlich zu erholen, sondern auch geistlich aufzutanken. Und ich genieße es, in einer Mußezeit einmal eines der Bücher zu lesen, die ich so im Laufe des Jahres geschenkt bekomme.

Tagestouren statt Jakobsweg

Zu den schönsten Ferienerfahrungen der letzten Jahre zählen für mich die Abschnitte, die ich Jahr für Jahr auf dem Jakobsweg pilgern konnte. Doch das ist momentan wohl leider noch nicht so gut möglich, da in Folge der Coronapandemie die Strukturen erst wieder neu belebt werden müssen.

Pater Reinhard Gesing SDB

So werde ich mich in diesem Jahr damit begnügen, Tagestouren zu machen. Wo, das muss ich erst noch planen. Denn bis ich selber Urlaub machen kann, liegt noch einiges an Arbeit vor mir, die zuerst erledigt werden will.

Ihnen allen wünsche ich eine erholsame und gesegnete Ferienzeit! Möge sie uns allen die Erfahrung der Freiheit der Kinder Gottes schenken!

Pater Reinhard Gesing SDB