Schätze der Heimat

Urlaubsimpuls von Pater Karl Geißinger - Voralpenland

Urlaub 2021 in Zeiten des Klimawandels, Fridays for Future, Corona, Naturkatastrophen, politischer Unruhen und Terror in der Welt, Flüchtlingsdramen…Kann ich da unbeschwert Urlaub machen wie die Jahre zuvor?

Krisenzeiten bieten immer auch Chancen für Veränderung und einen Neuanfang. Das könnte schon mit der Urlaubsplanung beginnen. Warum nicht mal einen „alternativen“ d.h. nachhaltigen Urlaub zu Hause verbringen? Statt Fernreisen, teuren Hotels, Events und aufwändigen Vergnügungen mal die Umgebung meiner Heimat erkunden. Zu Fuß, per Fahrrad, Bahn oder Bus oder auf alten Pilgerpfaden, Wanderwegen, kleinen Nebenstraßen. Wer sich aufmacht, die Wälder, Berge und Seen, die weniger bekannten Sehenswürdigkeiten seiner Heimat kennenzulernen, wird überrascht sein, welche Schätze vor der Haustüre zu finden sind. Einsame Wege, tiefe Wälder, ein Feldkreuz, eine Dorfkirche und eine kleine Kapelle, alte Häuser in einem kleinen Weiler, der Ausblick aus einer Waldlichtung auf die Landschaft, das Plätschern eines Bächleins und die Wolkenformationen am Himmel … All das kann eine heilsame, tiefgreifende ganzheitliche Wirkung auf mich ausüben und zu einem unvergleichlichen Erlebnis werden.

Hinwendung zur Schöpfung

Kann nicht unser Urlaub heute mal unter dem Zeichen der Hinwendung zur Schöpfung stehen? Im Einfachen, Unverfälschten, Natürlichem wieder neu die Erhabenheit und Schönheit in der Vielfalt des Lebens in der Schöpfung entdecken. Mal wieder seine fünf Sinne schulen und so Achtsamkeit, Entschleunigung und Genügsamkeit gewinnen. Über das Staunen und Verweilen wachsen Ehrfurcht, Respekt und Dankbarkeit für alles, was ich neu entdecken und schätzen lernen darf. Die „Sorge um das gemeinsame Haus“ (Papst Franziskus, Laudato si), das Einüben eines „nachhaltigen Lebensstils“, die Verantwortung für die Schöpfung kann mit meinem Urlaub beginnen oder vertieft werden. So ein Urlaub schließt vielleicht auch Türen zu mir selbst auf, vertieft Freundschaften und Beziehungen, öffnet mir das Herz und die Seele für die Wunder des Lebens und bringt mich dem Schöpfer näher.

Die Heimat neu entdecken

Ich darf in der traumhaft schönen Landschaft der Voralpen leben. So zieht es mich nicht in die Ferne. Ich mache Urlaub im Klosterland, durchstreife auf Sumpfpfaden die Moore und entdecke dort den Brachvogel und Kiebitz und die kleinen Knabenkräuter. Ich bin auf einsamen Steigen in den Bergwäldern unterwegs, sitze mal unter einem riesigen, uralten Bergahorn, bin gerne unterwegs auch wenn es regnet, denn da duftet der Wald besonders intensiv und die Luft ist feucht und würzig. Frühmorgens zieht es mich in den Labyrinthgarten des Maierhofes oder in die weitläufigen Obstgärten, wenn alles noch taufrisch ist die Kräuter und Blumen ihre Blüten öffnen. Überhaupt bin ich gerne zeitig am Morgen oder spät am Abend unterwegs, da sind die Ausflügler und Radler, die Jogger, Wanderer und Traktorfahrer noch nicht dabei, das Klosterland in Besitz zu nehmen. Und nach fast 40 Jahren entdecke ich immer noch Neues, besonders schöne, versteckte Plätze, neue Pflanzen und Tiere in der Umgebung des Klosters.

Pater Karl Geißinger SDB

Tage der Stille

Einmal im Jahr treibt es mich für eine Woche auf eine kleine Nordseeinsel: Autofrei und ohne Massentourismus erlebe ich diese Insel mitten im Meer meist zusammen mit Mitarbeiterinnen aus salesianischen Einrichtungen. Wind und Wetter, das endlose Meer, Tage der Stille, der intensiven Naturerfahrung. Wertvoll ist die Erfahrung der Gemeinschaft und des Gebetes und der spürbaren Nähe Gottes im Gottesdienst und in der Natur. Mein Urlaub: unspektakulär und doch sind es die Zeiten im Jahr, die mir besonders wertvoll und kostbar sind und mich als Mensch und Christ wieder einen Schritt weiterbringen.

Pater Karl Geißinger SDB