Spurensuche

Urlaubsimpuls von P. Simon Härting SDB - Skulptur

Vom bayrischen Alltags-Philosophen und Menschenkenner Karl Valentin stammt der Ausspruch: „Fremd ist der Fremde nur in der Fremde!“ Es ist gut, sich immer wieder auch einmal in die Fremde zu begeben. Nicht, weil einen da keiner kennt und man tun und lassen kann was man will – ich möchte das persönlich den „Ballermann-Effekt“ nennen – sondern weil man in der Fremde sich selbst und die anderen neu entdecken kann. Es ist gut, aus sich herauszugehen, um über den eigenen Horizont zu schauen. Dann kann es einem gelingen, aus der Auszeit wieder gestärkt und motiviert zurück in den Alltag zu gehen. Ich persönlich nutze gerne meinen Urlaub als Spurensuche! Egal, ob ich mich in der eigenen Familie auf Suche begebe, ob ich schon lange nicht mehr getroffene Verwandte besuche oder mich auf die Suche nach anderen Kulturen und vielleicht auch vergessenen Orten mache. Auch die Reise an Orte gelebten Glaubens in Geschichte und Gegenwart gehören für mich genauso dazu wie der Besuch von Naturdenkmälern. In der Fremde mehr über mich selbst lernen, diese Spurensuche gelingt und lässt uns innerlich wachsen.

Das Fremde als pädagogischer Ort

Dass die Weisheit des Münchner Nationalphilosophen Valentin nicht nur ein intellektueller Wunsch ist, sondern auch konkret wirkt, zeigt mir auch meine Erfahrung aus der Pädagogik. Trotz Corona waren es auch heuer wieder viele Jugendliche und Kinder, die sich aus unseren Einrichtungen aufgemacht haben, um Ferienfreizeiten zu erleben. Betreuer und Eltern werden berichten können, dass gerade die Erfahrung der uns mitgegebenen eigenen Stärken und Talente in der Fremde stärker wird. Oft führt die Begegnung mit mancher schon fast vergessenen Stärke zu fast wunderbaren Veränderungen bei Kindern und Jugendlichen. Aber so kann es uns allen gehen. Nur wenn es mir gelingt, mich immer wieder auf die Suche zu machen, dann wird es mir auch gelingen, in meinem Leben neue Kraft und Motivation für den Weg durch den Alltag zu sammeln. In der Begegnung mit der Fremde bleibe ich beweglich und finde neue Anreize, mich wieder auszurichten.

Das Unbekannte als Herausforderung

Pater Simon Härting SDB

Dabei ist so ein „Ausschauhalten nach Spuren“ kein reines Zurückschauen in vergangene Zeiten! Es gibt ja den einen oder die andere, die sich gerne in Traditionelles zurückflüchten. Sich auf die Suche nach Spuren des Fremden zu machen muss immer auch eine herausfordernde Botschaft für die Zukunft bleiben. Ich kann nur in einem Blick auf das Vergangene wachsen, mich herausfordern lassen und so das Neue, die Zukunft, bereichert und motiviert weitergehen. Und genau dieser Moment kann für unsere Auszeit im Urlaub so wertvoll sein. Motivation und neue Energie aus neuen Erfahrungen, aus neuen Blickrichtungen, aus neuen Kulturen und vor allem auch in der Begegnung mit fremden Menschen. Diese Erfahrungen lassen unsere Neugierde wachsen, fordern unseren Mut heraus und spitzen unser Gefühl für Bedürfnisse der Anderen. Sind das nicht genau die positiven Haltungen, die wir auch in unserem Arbeitsalltag, Ordensalltag, Glaubensalltag, Familienalltag und in der Freizeit brauchen?

Ich wünschen Ihnen von Herzen eine gute Spurensuche im Urlaub, viele motivierende Begegnungen und immer ein offenes Herz für das Fremde!  

P. Simon Härting SDB