Deutsche Provinz der
Salesianer Don Boscos

Ein Begleiter der Jugend - neuer Provinzial in Österreich ernannt

Wien - Pater Siegfried M. Kettner (56), derzeit Provinzvikar und Pfarrer in Wien-Stadlau, wird im August 2020 neuer Provinzial der Österreichischen Provinz der Salesianer Don Boscos und folgt in dieser Funktion auf P. Petrus Obermüller (58). Vor welchen Herausforderungen er die Arbeit seines Ordens in Österreich sieht und warum er Salesianer Don Boscos geworden ist, verrät er im Interview.

Warum sind Sie Salesianer Don Boscos geworden?
Ich habe mit 18 Jahren die Salesianer in Horn kennengelernt, als ich mich im Canisiusheim auf die Matura vorbereitet habe. Und mir war bald klar, dass ich Ordenspriester werden möchte, weil ich ein Leben in Gemeinschaft bevorzuge. Ich komme aus einer großen Familie und bin es gewöhnt, dass viele Menschen um mich sind. Ich habe die Salesianer durchwegs als authentische Persönlichkeiten erlebt. Der Geist einer Gemeinschaft zählt schlussendlich und darum bin ich Salesianer geworden. Was mir noch geholfen hat, war eine Aufgabe, die man mir zugetraut hat: Ich sollte mich in meinem letzten Jahr um die „Erstklässler“ kümmern. Da habe ich dann gesehen, dass ich es durchaus schaffe, mit Jugendlichen zurechtzukommen. Das hat mich bestätigt.

Haben Sie jemals Glaubenszweifel gehabt?
Es klingt so abnormal, aber nein. Manchmal denke ich mir, Gott macht es mir leichter, weil ich es schwerer nicht schaffen würde. Dabei bin ich nicht leichtgläubig und ich bin durchaus ein kritischer Mensch – zum Beispiel auch in der Kirche als Institution. Aber an Gott habe ich nie gezweifelt und ich bin an ihm nie verzweifelt.

Was gefällt Ihnen an Ordensgründer Don Bosco? 
Don Bosco war eine schillernde Persönlichkeit. Mir imponiert sein interessantes Leben. Emotional bin ich ihm wirklich verbunden. In seinem Sterbezimmer in Turin kommen mir immer die Tränen, wenn ich den Bericht von Don Boscos Todesstunde lese. Das Feld der Jugendarbeit, das er aufgetan hat, ist zeitlos. Die Bedürfnisse ändern sich, aber der Zugang ist gleich geblieben, jungen Menschen, Chancen zu eröffnen.

"Das Werk Don Boscos hat Zukunft"

Sie waren bereits Delegierter beim Generalkapitel der Salesianer vor fünf Jahren. Im Februar sind Sie wieder beim kommenden Generalkapitel dabei, dieses Mal als künftiger verantwortlicher Mitbruder für die Österreichische Provinz. Wie fühlt man sich acht Wochen in der internationalen Gemeinschaft? 
Es ist schon eine Art Familie, ein bisschen ein Zuhause in der internationalen Gemeinschaft, die ein großer Reichtum ist. Wenn man sich vorstellt, dass aus diesen ärmlichen Anfängen im Turin des 19. Jahrhunderts ein weltweites Netzwerk geworden ist, dann versteht man, was Gott bewirken kann. Wir sehen beim Generalkapitel mehr über den Tellerrand. Das relativiert unsere Sicht aus Österreich.

Welche Herausforderungen sehen Sie für die Salesianer in Österreich in den kommenden Jahren?
Ich bin sicher, dass das Werk Don Boscos eine Zukunft hat. Die Überalterung wird zunehmen, aber wir können weiter arbeiten, wenn wir darauf achten, den Kontakt zur Jugend, nicht zu verlieren. Wir sollten bewusster mit Laien zusammenarbeiten und Kooperationen suchen. Für die Finanzierung müssen wir Partner gewinnen und in unsere Berufepastoral sollte viel Kraft investiert werden.

Was motiviert Sie im Alltag?
Unsere Sendung ist eine gemeinschaftliche. Das stärkt und entlastet selbst dann, wenn man manche Aufgaben alleine zu bewältigen hat. Don Bosco wird sehr geschätzt. Oft auch von Menschen, die sich mit Glaube und Kirche schwertun. Trotz vieler Arbeit ist der Tag strukturiert auch durch Zeiten für das Gebet. Und die Möglichkeit des Arbeitens auch im Alter und der Kontakt mit jungen Menschen empfinde ich als Luxus, den viele nicht haben.

Interview: RefÖA/Sophie Lauringer, Fotos: kathbild.at/Pfarre Stadlau