Deutsche Provinz der
Salesianer Don Boscos

3 Fragen an Don Rossano Sala

Über Langeweile kann sich Don Rossano Sala nicht beklagen: Er ist außerordentlicher Professor für Jugendpastoral an der Päpstlichen Universität der Salesianer in Rom, Direktor einer Zeitschrift und außerdem einer der beiden Sondersekretäre der im Herbst tagenden Bischofssynode zum Thema "Die Jugendlichen, der Glaube und die Berufungsunterscheidung". Ohne die Kraft der Jugend könne man die Kirche nicht erneuern, so der Salesianer Don Boscos. Er rät dazu, vor allem von den afrikanischen und asiatischen Kirchen zu lernen und die Jugendlichen als Motor der Gesellschaft und der Kirche nicht zu unterschätzen.

Im Vorfeld der Synode konnten Jugendliche bei einer Onlinebefragung mitmachen. Außerdem gab es im Frühjahr eine Vorsynode, bei der junge Menschen aus der ganzen Welt ihre Themen offen diskutieren konnten. Wieso war beides für den Vatikan innovativ und wichtig in der Vorbereitung auf die Bischofssynode?
Nach der Erfahrung der beiden Familiensynoden, bei denen Familien leider nur wenig aktiv beteiligt wurden, war sofort klar, dass bei der Jugendsynode die Jugendlichen selbst zu Wort kommen müssen. Papst Franziskus hat darauf bestanden, nach innovativen Wegen zu suchen, um die jungen Leute mit einzubeziehen. Somit war von Anfang an die Idee eines Onlinefragebogens entstanden, an dem sich circa 220.000 Jugendliche beteiligten.
 
Nach und nach ist dann die Idee gereift, dass es einen gezielten Zeitpunkt geben soll, um die Jugendlichen direkt und ungefiltert anzuhören.
 
Diese beiden Initiativen waren wichtig, um eine Kirche zu zeigen, die offen und zugänglich ist, die anstatt einer Lehrmeisterin eine Mutter ist, die zuhört, bevor sie das Wort ergreift. Somit wird die Stimme der Jugend auch während der Synode präsent sein.
    
Welches Thema, das vorab von den Jugendlichen angesprochen wurde, hat Sie am meisten überrascht?
Die Jugendlichen haben sehr offen gesprochen. Sie waren tiefgründig, respektvoll und konstruktiv. Mich haben besonders die vier Gründe beeindruckt, mit denen sie ihre Entfremdung von der Kirche erklärt haben: die sexuellen und wirtschaftlichen Skandale, die schlecht vorbereiteten Amtsträger, ihr tendenziell passives Verhalten in der Kirche und die Unfähigkeit der Kirche, einem kulturellen Vergleich mit unserer Zeit standzuhalten. Dies ist eine Agenda für kirchliche Reformen. Es würde genügen, wenn man diese vier Dinge in Ordnung bringen würde, um das heutige Gesicht der Kirche wieder glaubwürdiger und strahlender erscheinen zu lassen.
 
Positiv überrascht hat mich das Thema "Liturgie". Ein Thema, das in unserer salesianischen Tradition stets von großer Bedeutung war. Die Jugendlichen verlangen nach Wegen der Spiritualität, sie wollen der Schönheit des Glaubens begegnen. Dies ist ein großer Auftrag für uns: Was ist unser spirituelles Angebot? Auf welche Weise bietet unsere Liturgie Raum für eine authentische Begegnung mit Gott?
 
An dritter Stelle war es interessant, durch die Worte der Jugendlichen die Verbindung zwischen Ehrenamt und der Erkenntnis der eigenen Berufung wiederzuentdecken. Eines der schönsten Dinge, die in diesem Zusammenhang genannt wurden, war der Freiwilligendienst. Seine Berufung zu erkennen, bedeutet nicht nur, sich auf einen Berg zurückzuziehen, um zu entscheiden, was man mit dem eigenen Leben anfangen soll, sondern sie ist ein Aufruf, die Geschichte und die Realität neu zu schreiben und dies durch sein eigenes Gewissen zu prüfen.
 
Was erwarten Sie sich von der sogenannten Jugendsynode? Welche Impulse können von ihr ausgehen?
Die Synode ist nicht "die Lösung", sondern eine Chance. Man darf die Synode nicht als eine Handlungsanweisung verstehen, die von Rom geliefert wird. Natürlich wird es Empfehlungen geben, aber das ist nicht der springende Punkt. Die Synode selbst ist für die Kirche eine Gelegenheit, sich zu erneuern. Und sie wird ihr Ziel erreichen, wenn durch sie in der Kirche ein neuer Enthusiasmus geweckt wird sowie der Wunsch, beiseitezutreten, um der Jugend Platz zu machen.
 
Ich beobachte das während meiner Arbeit als Sondersekretär der Synode: Es gibt Diözesen und sogar Bischofskonferenzen, die die Synode passiv erleben, indem sie auf das Wort des Papstes warten und auf die Dokumente, die der Vatikan herausgibt. Sie sind Beispiele einer Kirche, die die jugendliche Dynamik verloren hat. Und dann gibt es diejenigen, die sofort die Chance der Synode ergriffen haben, die von Anfang an verstanden haben, dass die Synode ein Ereignis ist, bei dem man sich einbringen muss, dass sie ein Weg ist, den man gemeinsam gehen muss.
 
Meiner Meinung nach ist der wichtigste Impuls der Synode deshalb, die Kirche einzuladen und aufzufordern, sich in Bewegung zu setzen – in einer erneuerten jugendlichen Dynamik.

 

Interview: Nicole Stroth, Übersetzung: Silvia Masi, in: DON BOSCO MAGAZIN, Ausgabe 5/2018

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